Bischof Peter Kohlgraf
Bischof Peter Kohlgraf

03.02.2021

Bischof Kohlgraf regt Neubewertung von Homosexualität an Viel zartes Porzellan

Die Erkenntnisse der Wissenschaft "nicht ignorieren". Bischof Peter Kohlgraf regt eine Neubewertung von Homosexualität durch die katholische Kirche an und fordert eine vorurteilsfreie seelsorgliche Begleitung gleichgeschlechtlicher Paare.

Er plädiere zwar nicht für eine der kirchlichen Trauung ähnliche Segensform für homosexuelle Paare, aber "für eine Begleitung - anstatt zu urteilen", schreibt Kohlgraf in einem Beitrag für die Mainzer Kirchenzeitung "Glaube und Leben" (Sonntag). Zudem müsse man mit ihnen reden und nicht über sie.

Es gebe bereits viele Segensfeiern für solche Paare, so der Mainzer Bischof.

Viel zartes Porzellan

Diese verstießen zwar häufig "gegen die kirchliche Ordnung", doch es erscheine ihm "wenig sinnvoll", hier einzuschreiten oder gar einen Segen rückgängig machen zu wollen: "Will ich derart viel zartes Porzellan bei glaubenden Menschen zerbrechen?"

Die Kirche könne Erkenntnisse der Wissenschaften "nicht ignorieren", betonte Kohlgraf weiter. Er verwies auf eine vor einigen Monaten von der Bischofskonferenz veranstaltete wissenschaftliche Tagung zur sexuellen Orientierung von Menschen in humanwissenschaftlicher und theologischer Sicht. Dabei hätten Sexualmediziner berichtet, dass es "keineswegs wenige Menschen" seien, die gleichgeschlechtlich empfänden.

Ihn beschäftige es, wie die katholische Kirche damit umgehe, ergänzte der Bischof. Zur manchmal gestellten Frage, ob homosexuelle Menschen "mangelhaft geschaffen" seien oder Gott sich "in seiner Schöpfungsordnung vertan" habe, betonte er: "Ich tue mich schwer mit der Vorstellung eines Fehlers in der Schöpfungsordnung." Zeige sich hier vielleicht "eine Variante in der Vielfalt der Schöpfung, die einfach so ist?"

Blick auf den Katechismus

Mit Blick auf die Aussagen des Katechismus der katholischen Kirche, wonach homosexuelle Handlungen "in sich nicht in Ordnung" seien, Homosexuellen zugleich aber mit "Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen" sei, schreibt der Bischof weiter: "Reicht es, das Bekenntnis abzulegen, dass irgendwie alle Kinder Gottes seien?"

Nur wenige homosexuelle Menschen würden wohl die "Forderung nach Keuschheit" als taktvoll und respektvoll wahrnehmen, denn diese Neigung sei "nicht selbst gewählt", so Kohlgraf im "Wort des Bischofs" für die Kirchenzeitung.

Auch im Katechismus heiße es weiter, dass "nicht wenige" Menschen homosexuell veranlagt seien und Homosexualität "in verschiedenen Zeiten und Kulturen in sehr wechselhaften Formen" auftrete. "Diese Aussage lässt bei mir die Frage aufkommen: Heißt das nicht auch, dass die Bewertung sich ändern kann?", fragt Kohlgraf.

(KNA)

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