Trauer nach dem Brand im Krefelder Zoo
Trauer nach dem Brand im Krefelder Zoo
Bilder, Plüschtiere und Kerzen liegen vor dem Haupteingang des Krefelder Zoos
Bilder, Plüschtiere und Kerzen liegen vor dem Haupteingang des Krefelder Zoos
Nach dem Brand im Krefelder Zoo:  Zahlreiche Kerzen, Bilder, Plüschtiere und Schilder liegen vor dem Haupteingang des Krefelder Zoos
Nach dem Brand im Krefelder Zoo: Zahlreiche Kerzen, Bilder, Plüschtiere und Schilder liegen vor dem Haupteingang des Krefelder Zoos

02.01.2020

Nach Brand im Affenhaus werden Räume der Trauer gefordert Trauer um Tiere - Zoo-Brand in Krefeld macht betroffen

Der Tod von mehr als 30 Tieren im Krefelder Zoo hat eine Welle der Anteilnahme ausgelöst. Vollkommen nachvollziehbar findet das ein Theologe - und hofft, dass nun der Artenschutz stärker ins Bewusstsein rückt.

Dutzende Kerzen, Blumen und Plüschtiere säumen ein Affen-Standbild vor dem Krefelder Zoo. "Wir sind unfassbar traurig", steht auf einem Papierschild. "Warum?" prangt in Großbuchstaben daneben. Die Statue hat die Schultern weit nach oben gezogen.

Mit den selbst gestalteten Plakaten drücken Krefelder Bürger und Zoobesucher ihre Anteilnahme aus. In der Silvesternacht war das Affentropenhaus vollständig ausgebrannt. Mehr als 30 Tiere starben in den Flammen. Tausendfach wird das Thema auch am Donnerstag noch in den sozialen Medien kommentiert. "Ich könnte weinen, wenn ich an all die Tiere denke", schreibt zum Beispiel eine Nutzerin auf Facebook.

Trauer um die Tiere

Solche Reaktionen seien durchaus nachvollziehbar, findet der Münsteraner Theologe Rainer Hagencord. "Auch mich hat Empörung und Trauer getroffen, obwohl ich persönlich keine Beziehung zu den Tieren dort habe", sagte der Leiter des Instituts für Theologische Zoologie der Philosophisch-Theologischen Hochschule (PTH) der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Ich habe durch die Medien wahrgenommen, wie sehr diese Tiere von den Krefeldern offenbar als Mitbürger gewürdigt wurden. Dann ist so eine Art der Trauer völlig angemessen."

Vor allem die Tierpfleger, die teilweise über viele Jahre mit den Affen gearbeitet haben, müssen nun einiges verarbeiten. Zoodirektor Wolfgang Dreßen sprach im Interview des WDR von einem Trauma für die Mitarbeiter. Für sie sollten nun Räume der Trauer geschaffen werden, rät Theologe Hagencord. "Die Trauer um einen verlorenen Menschen ist nicht anders als die Trauer um ein verlorenes Tier", betonte er.

Sätze wie "Stell dich nicht so an" seien Schläge ins Gesicht. Die Tierpfleger müssten über ihren Verlust sprechen dürfen. Außerdem könne ein Abschiedsritual - ähnlich wie bei einer Beerdigung - helfen, erklärte der Priester.

Die Unterbringung der Tiere

Die Tierschutzorganisation Peta forderte unterdessen die Abschaffung von "Zoogefängnissen" und spricht von Tierquälerei. Grundsätzlich steht auch Theologe Hagencord Tierparks kritisch gegenüber. Durch internationale Zuchtprogramme trügen sie allerdings zum Artenschutz bei, räumte er ein. "Darum bin ich kein Zoo-Fan. Aber ich sehe die Dramatik", so Hagencord. "Wir müssen nun dringend dafür sorgen, die letzten Tiere ihrer Art zu erhalten." Im Krefelder Zoo lebten unter anderem fünf Borneo-Orang-Utans, ein westafrikanischer Schimpanse und zwei Flachlandgorillas - sie alle starben bei dem Brand.

Hagencord äußerte die Hoffnung, dass das Unglück den Blick auf das weltweite Artensterben lenken werde. "Ich verstehe die dramatische Situation als Aufruf, beim Einkauf auf Dinge zu verzichten, die den Lebensraum von Orang-Utans und Schimpansen vernichten", sagte er.

Bereits zahlreiche Geldspenden für neues Affenhaus

Gleichzeitig wies der Theologe auf andere Tiere hin, die auch hierzulande unter industrieller Massenhaltung leiden: "Wo ist die Empörung über die Tiere, die in Tierfabriken und Schlachthöfen verschwinden?"

Der Krefelder Zoo will auch in Zukunft auf Menschenaffenhaltung setzen. Mehr als 4.000 Geldspenden seien bis Mittwochabend bei den Krefelder Zoofreunden eingegangen, sagte deren Vorsitzender Friedrich Berlemann der "Rheinischen Post" (Freitag). Das Geld soll für ein neues Affenhaus verwendet werden.

Theologe Hagencord zeigte Verständnis dafür, dass der Tierpark den Blick nach vorne richte. "Die Situation ist weiterhin akut. Die Tiere werden in freier Wildbahn vernichtet", betonte er. Er halte es für sinnvoll, neben der Trauerarbeit bereits über einen Neubau nachzudenken: "Hoffentlich mit viel mehr Raum für die Tiere."

Drei Frauen stellen sich der Polizei

Ausgelöst wurde das Feuer im Affenhaus offensichtlich von einer sogenannten Himmelslaterne. Vermutlich hatten drei Frauen die Leuchtkörper, die in Deutschland verboten sind, aufsteigen lassen, wie das Polizeipräsidium Krefeld am Donnerstag bekannt gab. Die Mutter und ihre beiden erwachsenen Töchter hatten die Laternen demnach im Internet bestellt. Sie meldeten sich freiwillig bei der Polizei. Das Geschehen tue ihnen unendlich Leid, teilten die Behörden mit. Gegen die Frauen werde nun wegen fahrlässiger Brandstiftung ermittelt.

Anita Hirschbeck
(KNA)

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