Luisa Neubauer nimmt am Globalen Klima Protesttag vor dem Brandenburger Tor teil
Luisa Neubauer nimmt am Globalen Klima Protesttag vor dem Brandenburger Tor teil
Im Einsatz für die Klimarettung: Luisa Neubauer
Im Einsatz für die Klimarettung: Luisa Neubauer

19.10.2019

Luisa Neubauer über Wege aus der Klimakrise Ernst, aber zukunftsfröhlich

Luisa Neubauer ist das Gesicht der deutschen Fridays-for-Future-Klimaschutzbewegung. Nun hat sie ein Buch über den langen Weg zur Klimarettung geschrieben und möchte Wege aus der Krise aufzeigen - jenseits von Bambus-Zahnbürsten.

DOMRADIO.DE: Die Klimakatastrophe abzuwenden, schaffen wir als Erdenbewohner das noch? Schaffen Sie das noch in Ihrer Generation?

Luisa Neubauer (Klimaschutzaktivistin und Autorin): Wir beschreiben uns als Possibilisten. Das heißt, wir sind nicht uneingeschränkt optimistisch, wir denken also nicht, es werde schon alles gut. Wir verfallen aber auch nicht in diese Lethargie eines Pessimismus, der sagt, es sei doch alles ohnehin schon verloren. Wir sehen uns die Wissenschaft an, wir sehen, was möglich ist. Wir wissen und verstehen aber auch, dass uns das Mögliche nicht geschenkt wird. Ja, wir können das schaffen. Aber es ist ein gigantischer Arbeitsauftrag. Ja, ganz viel ist noch möglich. Aber es wird sehr hart.

DOMRADIO.DE: Sie schreiben sehr persönlich. An manchen Stellen geht es um Alex, ihren Co-Autor, an manchen um Sie als Luisa. Stehen Sie stellvertretend für Ihre Generation?

Neubauer: Ich glaube, das geht nicht. Abgesehen davon, dass dieser Generationenbegriff zurecht sehr umstritten ist, würde ich es mir nicht anmaßen, über eine ganze Generation zu schreiben. Wir wollen ein Lebensgefühl vermitteln, das aber gar nicht notwendigerweise an eine Definition des Alters gekoppelt sein muss. Wir glauben, dass das, was wir inmitten dieses Chaos erleben und empfinden, bei verschiedenen Menschen Wirkung zeigt. Wir versuchen das in Worte zu fassen, was uns überwältigt und ohnmächtig macht. Vielleicht auch um diejenigen, denen der Klimawandel völlig egal ist, ein bisschen zu irritieren.

DOMRADIO.DE: Verwenden Sie eine Sprache in Ihrem Buch, die auf eine junge Zielgruppe zugeschnitten ist?

Neubauer: Wir wollen junge und alte Menschen erreichen in einer Sprache, die sie verstehen können. Wir wollen die Klimakrise näher an die Menschen bringen, sie herausholen aus dem wissenschaftlichen Setting hinein in den Alltag.

DOMRADIO.DE: Es geht da um Resignation und Hoffnung, Rückschau und Ausblick. Sie sehen eine Verantwortungskrise, eine Kommunikationskrise, eine Wohlstands- und Gerechtigkeitskrise. Mit welchen Mitteln kommen wir da überhaupt raus?

Neubauer: Indem wir uns organisieren, informieren und anfangen zu träumen. Es ist ein langer Weg, aber der Grundstein von allem ist die Wahrheit. Um da rauszukommen, um dem Ende der Klimakrise ins Gesicht zu schauen, fängt es mit der Wahrheit über die Krise an. Wir müssen die Drastik der Lage benennen. Und es ist entspricht auch der Wahrheit, dass uns im Klimaschutz nichts geschenkt werden wird. Wir beschreiben nicht nur eine Haltung, mit der wir der Klimakrise entgegenstehen können, sondern eben auch die Auswege aus dieser Krise. Was es dafür braucht, wie jeder einzelne, jede einzelne aktiv werden kann jenseits von Bambus-Zahnbürsten und selbstgemachtem Shampoo.

DOMRADIO.DE: Ihre Bewegung wird von Klimakatastrophenleugnern hart angegangen. Wie antworten Sie denen?

Neubauer: Wir haben die Macht des besseren Arguments und der wissenschaftlichen Wahrheit. Wir haben die Macht der Masse, weil wir einfach so wahnsinnig viele sind. Und wir haben die Gewissheit, diejenigen zu sein, die jetzt gefragt sind, zu handeln. Im besten Falle wird man uns einmal danken dafür, dass wir gehandelt haben, als es noch Zeit war.

DOMRADIO.DE: Handeln müssen aber vor allem auch die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, oder?

Neubauer: Die Klimakrise ist keine Krise, die nur von den jungen Menschen gelöst wird, die jetzt auf die Straße gehen. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wir möchten den Leuten das Gefühl dafür mitgeben, dass jede und jeder einen Unterschied machen kann und machen muss. Im Idealfall, indem sie sich mit anderen zusammentun und dadurch Handlung und Engagement ausweitet. Beispiel: Eine Person, die Vegetarierin wird, inspiriert andere Menschen. Aber was ist denn, wenn eine ganze Firma entscheidet, dass man einen Monat lang gemeinsam nur vegetarisch isst? Und dann tut man sich mit fünf anderen Firmen zusammen. Und auf einmal sind es 50, auf einmal ist es eine ganze Branche, die auf Fleisch verzichtet, weil die ökologischen Kosten einfach so groß sind. Die notwendigen Effekte können nur erreicht werden, indem man sich als Teil von der ganz großen Masse sieht, die gemeinsam aktiv wird, indem man sich organisiert.

DOMRADIO.DE: Was hat Sie beim Schreiben besonders aufgewühlt?

Neubauer: Es gibt einen Punkt, wo ich die Hoffnungslosigkeit beschreibe, die dieser Sache auch anhaftet, wenn man merkt, dass sich so wenig bewegt gerade, dass alles sehr lange dauert. Und dann ist es so leicht zu denken, dass das alles gar keinen Sinn hat. Als ich diese Stelle das erste Mal vorgelesen habe, haben Leute angefangen zu weinen. Da dachte ich, ich bin doch nicht die einzige Person, die das so fühlt. Und ich habe das Gefühl, ich bin nicht alleine, es gibt vielleicht doch Möglichkeiten, ein Umdenken zu erwirken, das sich vereinbaren lässt mit einer lebensfrohen und zukunftsfröhlichen Einstellung. Das bewegt mich sehr.

Das Interview führte Katharina Geiger.

(DR)

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