13.03.2019

Warum sich das Bistum Trier für ein Tempolimit einsetzt "Worte alleine reichen nicht"

Nur noch 130 km/h auf der Autobahn - das könnte nicht nur die Zahl der Verkehrstoten verringern, sondern auch das Klima schonen. Das Bistum Trier unterstützt eine Initiative der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland für ein Tempolimit.

DOMRADIO.DE: Warum genau mischen Sie bei der aktuellen Debatte um das Tempolimit mit?

Gundo Lames (Leiter der Diözesankommission für Umweltfragen im Bistum Trier): Der erste Zugang den wir haben, ist eine sehr schöne Broschüre zum Thema Schöpfungsverantwortung als kirchlicher Auftrag, Handlungsempfehlungen zur Ökologie und nachhaltiger Entwicklung. Da gibt es einen Punkt neun, der heißt "Mobilität umweltfreundlich gestalten". Da heißt es "Mit Blick auf die ökologischen Auswirkungen der Mobilität ist auch diese klimaschonender zu gestalten."

Hier sehen wir sozusagen die Perspektive, und gucken, wo wir das schaffen, wo das möglich ist. Das Tempolimit ist eine Möglichkeit, sich klimaschonend zu verhalten. Das kann sehr individuell sein. Ich kann selber ganz unabhängig von einer gesetzlichen Vorgabe oder einem Straßenschild sagen: Ich fahre selbst mit Tempolimit und reduziere meinen CO2-Ausstoß, weil ich nicht 150 fahre sondern 130.

Dadurch bin ich schon in der Lage, mein Mobilitätsverhalten zu verändern. Das ist letztendlich ein Kern. Es ist erst einmal ein freier Entschluss, dass ich mich diesbezüglich selbst auf den Prüfstand stelle und von da aus gucke, was ich tun kann - Tempolimit individuell. Ich sage auf der anderen Seite, wenn ein Tempolimit auf den deutschen Autobahnen gesetzlich verordnet ist - da wären wir in Europa nicht alleine - würde das natürlich zu weit größeren CO2-Einsparung führen.

DOMRADIO.DE: Muss die Kirche sich da auch an ihre eigene Nase fassen? Es gibt auch in der Kirche viele Dienstautos mit vielen PS.

Lames: Das könnte man so sagen. Wenn wir das ernst nehmen, was die Deutsche Bischofskonferenz gesagt hat und was wir im Bistum Trier an ökologischen Leitlinien haben, dann fordern wir uns selber dazu auf, da hinzuschauen. Es gibt mittlerweile ja Diözesen, die eine Flotte von Elektroautos angeschafft haben. Man muss da gucken, wie umweltverträglich und klimaschonend die hergestellt werden und was mit den Batterien ist.

Es sind keine einfachen Entscheidungen. Es gibt immer Zielkonflikte, die zu berücksichtigen sind. Aber wenn ich mich wirklich für eine Klimaschutzperspektive einsetze - unter christlichen Vorzeichen und im Sinne einer Verantwortung für die Schöpfung -, dann muss das diskutiert werden dürfen. Es braucht dann auch entsprechende Handlungen. Worte alleine reichen da nicht.

DOMRADIO.DE: Haben Sie da nicht ein bisschen die Befürchtung, dass die Kirche wie ein Spielverderber wirkt? Nach dem Motto: Jetzt verbieten die auch noch das schnelle Fahren.

Lames: Wir werden das ja nicht als Kirche verbieten, das Bistum Trier schon gar nicht. Das ist überhaupt nicht das Thema. Wir möchten darauf aufmerksam machen, dass es hier eine Möglichkeit gibt, sich klar und deutlich mit kleinen Schritten für die Klimaschutzperspektive einzusetzen. Dass wir hier immer an der Spannung zwischen Freiheit und Verordnungen stehen, ist glaube ich ein spannendes Thema in Deutschland. Gerade da, wo es ums Auto geht.

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat hat 2017 eine entsprechende Umfrage gemacht und festgestellt, dass 47 Prozent der Befragten das Tempolimit ablehnen und 53 Prozent dafür sind. Jetzt wird es natürlich spannend. Es besteht ein klarer Unterschied zwischen den Geschlechtern. Zwei Drittel aller befragten Frauen sind für ein generelles Tempolimit. Etwas mehr als ein Drittel der Männer unterstützen ein Tempolimit.

Es geht nicht um das Verbieten. Ich möchte keine Freiheiten eingeschränkt wissen in dem Sinne und dennoch den Impuls setzen, zu sagen: Was tue ich, wenn ich mir insgesamt die Klimaperspektive anschaue. Vielleicht kann nur noch der amerikanische Präsident sagen, dass wir keine Klimakatastrophe haben. Alle Untersuchungen, die wissenschaftlich daherkommen und seriös sind, zeigen uns etwas anderes.

DOMRADIO.DE: In den kommenden vier Wochen müssen dafür jetzt allerdings 50 000 Unterschriften zusammenkommen, um eine Anhörung vor dem Petitionsausschuss zu erreichen. Was raten Sie den Leuten? Unterschreiben, ins Internet gehen, mitmachen?

Lames: Ich sage den Leuten: Bitte schaut euch das an. Prüft euch. Prüft auch euer Mobilitätsverhalten, euren Drang nach Freiheit auf der Straße. So muss man das entsprechend ausdrücken. Und prüft wirklich diese Möglichkeit. Es wäre schön, wenn ihr zu entsprechenden Unterstützungen kommen könntet. Aber prüft natürlich auch andere Möglichkeiten.

Das Interview führte Verena Tröster.

(DR)

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