Dürre setzt Landwirtschaft zu
Dürre setzt Landwirtschaft zu

18.01.2019

"Wir haben es satt": Demo kämpft für klimaverträgliche Landwirtschaft "Wir wollen die Kühe wieder auf die Weide schicken!"

Am Samstag gehen viele Bauern in Berlin auf die Straße. Sie fordern eine umweltverträglichere Landwirtschaft. Gemüseanbauer Philipp Brändle beklagt, die Bundesregierung unterstütze vor allem die Argrarlobby.

DOMRADIO.DE: Was sind Ihre Kern-Forderungen morgen auf der Demo?

Philipp Brändle (arbeitet auf einem Gemüseanbaubetrieb bei Berlin): Wir streiten für eine klimaverträgliche Landwirtschaft. Als Bäuerinnen und Bauern sind wir die Ersten, die vom Klimawandel betroffen sind. Wir haben  die Möglichkeit, ganz viel gegen den Ausstoß von klimarelevanten Treibhausgasen beizutragen. Klima ist ein Riesenthema.

Wir streiten grundsätzlich für eine Ökologisierung der Landwirtschaft, also für mehr Naturschutz, mehr Biodiversität und nicht immer weniger. Wir streiken auch für eine artgerechte Tierhaltung: Wir wollen unsere Kühe wieder auf die Weide schicken. Wir wollen unsere Schweine auf Stroh halten. Wir wollen, dass sie wieder Auslauf haben. Tierhaltung spielt eine große Rolle.

Wir schauen auch über den eigenen Tellerrand hinaus. Für uns spielt die Solidarität mit den Menschen im globalen Süden und in allen Teilen der Welt eine große Rolle. Wir denken an alle. Insofern sind wir ein breites Bündnis – nicht nur aus Bauern, sondern auch Natur- und Tierschützern und vielen anderen.

DOMRADIO.DE: Und das katholische Hilfswerk Misereor unterstützt die Demo. Was Sie sagen klingt schlüssig, aber vielleicht auch ein bisschen unrealistisch. Sollen jetzt alle Bauernhöfe auf Bio umsteigen?

Brändle: Es ist wichtig, dass wir keine Demonstration sind, die sagt "wir streiten nur für den ökologischen Landbau". Uns geht es ganz klar um eine Ökologisierung der gesamten Landwirtschaft. Da kommen morgen nicht nur Biobetriebe im Trekker nach Berlin. Die gemeinsame europäische Agrarpolitik, um die es hauptsächlich geht, ist die größte Stellschraube in der Landwirtschaft. Diese fördert im Moment pauschal nur die Fläche: Wenn man ein Hektar Land hat, bekommt man 300 Euro. Wenn man tausend Hektar Land hat, bekommt man tausendmal 300 Euro – egal, was man damit macht. Das betrifft die konventionellen Betriebe genauso wie die ökologisch wirtschaftenden.

Wir wollen, dass dieses Geld qualifiziert wird. Dass man die 300 Euro nicht pro Hektar Land bekommt, sondern für mehr artgerechte Tierhaltung und mehr Klimaschutz mit einer weiteren Fruchtfolge (Aufeinanderfolge des Anbaus verschiedener Kulturpflanzen auf einer Nutzfläche, Anm. d. Red.). Die konventionellen Kolleginnen und Kollegen spüren diesen Wunsch in der Gesellschaft nach mehr Ökologie in der Landwirtschaft und im Pflanzenbau, nach mehr artgerechter Tierhaltung. Und sie wollen auch ihre Ställe umbauen – viele sind auch bereit ihr Anbausystem umzustellen – aber die Politik muss diesen Prozess begleiten. Wenn die Politik sagt: "Wachst so schnell ihr könnt, produziert das günstigste Stück Fleisch", und die Gesellschaft sagt: "Wir wollen mehr Weidehaltung und mehr Schweine auf Stroh", dann funktioniert das nicht.

Die Politik muss diesen Prozess begleiten. Sie muss die Bäuerinnen und Bauern dazu ermächtigen, ihr Anbausystem umzustellen und zwar so, dass nicht noch mehr Bäuerinnen und Bauern verloren gehen – das Höfesterben ist bei uns ein großes Thema. Wir wollen, dass alle 270.000 Betriebe in Deutschland erhalten werden, unabhängig sozusagen vom ökologischen Landbau. Wobei der ökologische Landbau natürlich seit Jahrzehnten zeigt, dass man anders wirtschaften kann. Oftmals sind das vorbildliche Leuchtturmbetriebe, die zeigen, dass es anders geht.

DOMRADIO.DE: Es gab eine Studie, dass Schweineställe aus Massentierhaltung viel Feinstaub produzieren. Ist also ein großer Teil der Landwirtschaft schädlich fürs Klima?

Brändle: Es gibt immer von allen Seiten Studien, die es gerade braucht. Diese Studie zeigt, dass wir mit der intensiven landwirtschaftlichen Produktion uns selbst Schwierigkeiten machen. In diesem Fall war es der Feinstaub – wobei der Feinstaub aus dem Ammoniak hervorgeht, der aus der Tierhaltung kreiert wird.

Wir haben Schwierigkeiten mit der Wasserreinhaltung. Wir haben Schwierigkeiten mit dem Rückgang der Biodiversität. Wir haben Schwierigkeiten mit den Resistenzen bei Spritzmitteln. Wir haben ganz viele Schwierigkeiten, was die Ökologie in der Landwirtschaft angeht. Da ist Feinstaub nur ein Beispiel. Wir könnten da unheimlich viel ändern. Das sagen nicht nur wir, sondern auch der Wissenschaftliche Beirat für Biodiversität, der eine Empfehlung herausgegeben hat, wie man Dinge hin zu mehr Biodiversität verändern kann. Der Wissenschaftliche Beirat zur Nutztierhaltung hat schon vor Jahren eine Studie herausgegeben, wie man die Nutztierhaltung verändern könnte hin zu mehr artgerechter Tierhaltung. Die Konzepte liegen auf dem Tisch, sowohl aus den Verbänden als auch aus dem Wissenschaftsbereich.

Julia Klöckner, das Landwirtschaftsministerium und die Bundesregierung machen ganz klar Politik für die Agrarlobby und für die großen Agrarunternehmen. Nicht nach dem Willen der Gesellschaft und nicht nach dem, was wir Bäuerinnen und Bauern brauchen, um uns dem Willen der Gesellschaft anpassen zu können. Das ist sozusagen der Kern. Deswegen würde ich mich jetzt nicht auf eine Feinstaub-Studie stürzen wollen, sondern das ist wieder einmal ein Symbol dafür, dass etwas schiefläuft und wir es besser können.

Das Gespräch führte Tobias Fricke.

(DR)

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