Die Folgen des Klimawandels: Eine kleine Hütte im Fischerviertel von Beira (Mosambik) ist eingestürzt
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29.11.2018

Bischof Overbeck zu Kattowitz, Kohle und Klimawandel Mit Zuversicht für mehr Gerechtigkeit

Ab Montag trifft sich die internationale Staatengemeinschaft im polnischen Katowice und berät über die weitere Umsetzung des Klimaabkommens von Paris. Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck blickt optimistisch nach Polen.  

KNA: Im Ruhrgebiet schließt Ende des Jahres die letzte Zeche. Was sagen Sie all den Menschen, die (auch in den Braunkohlegebieten wie der Lausitz und andernorts) um ihre Arbeitsplätze und ihre Zukunft bangen?

Franz-Josef Overbeck (Vorsitzender der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen bei der Deutschen Bischofskonferenz): Mir ist sehr bewusst, dass das Ende des Bergbaus viele Menschen in unserer Region mit Wehmut erfüllt. Und ich kann das auch gut nachvollziehen; denn das Ruhrgebiet war über eine sehr lange Zeit wirtschaftlich, sozial und kulturell viel zu eng mit der Kohle verbunden, um die Gemüter angesichts der Schließung der letzten Zeche unberührt zu lassen. Jetzt aber müssen wir vor allem nach vorne schauen und den Strukturwandel, in dem wir im unserer Region ja schon lange stehen, weiterhin so gestalten, dass die Menschen nicht mutlos werden, sondern neue und lebenswerte Perspektiven für sich entdecken und erschließen können. Und in diesem Sinne sage ich den Menschen: Wir lassen Euch nicht im Regen stehen, sondern stehen solidarisch an Eurer Seite und leisten als Kirche unseren Beitrag, damit der Wandel gelingt.

KNA: Wie steht Deutschland aus Ihrer Sicht bei der Energiewende da?

Overbeck: Ich denke, dass wir beim Ausbau von Wind- und Solarenergie auf einem guten Weg sind, um unsere Abhängigkeit von Kohle und Gas zu verringern. Wir müssen aber noch viel dafür tun, dass auch beim Heizen von Gebäuden, beim Verkehr, in der Industrie und in der Landwirtschaft eine bessere Klimaverträglichkeit erreicht wird. Die Energiewende ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe - wir alle können unseren Teil dazu beitragen.

KNA: Die Menschen in den Industrienationen müssen ihren Lebensstil ändern, wenn der Kampf gegen den Klimawandel Erfolge bringen soll. Was tut der Bischof von Essen zum Schutz des Klimas?

Overbeck: In der Bischofskonferenz haben wir vor kurzem Empfehlungen zu ökologischem Handeln für die Kirche in Deutschland verabschiedet. Es ist völlig klar, dass wir uns als Kirche zu unserer Verantwortung für die Schöpfung bekennen. Als Bischof setze ich mich dafür ein, dass wir den Auftrag, den Papst Franziskus in seiner Enzyklika "Laudato si" an uns formuliert, ernst nehmen und ihn umsetzen. Konkret geht es um Fragen des nachhaltigen Gebäudemanagements in unseren Diözesen, um klimasensible Energiekonzepte, umweltverträgliche Mobilität und ethisch-nachhaltiges Investieren unserer Finanzanlagen.

KNA: Brauchen wir, um die anstehenden Herausforderungen zu bewältigen, tatsächlich eine neue Form der Wirtschaft, wie unter anderem von Papst Franziskus gefordert wird? Und wenn ja: Wie könnte diese neue Form der Wirtschaft aussehen?

Overbeck: Der Papst wird nicht müde zu betonen, dass die Wirtschaft dem Menschen dienen muss. Das ist die Richtschnur für unser Handeln in einer Zeit großer gesellschaftlicher Veränderungen, die die Globalisierung und die Digitalisierung mit sich bringen. Es geht darum, mit dieser Zielperspektive wirtschaftliche Prozesse und ihre ökonomischen und gesellschaftlichen Auswirkungen zu gestalten - mit Zuversicht.

KNA: Die Klimakonferenz findet im polnischen Kattowitz, im Herzen des Oberschlesischen Industriereviers statt. Wird dieser Umstand die Konferenz beeinflussen und was erhoffen Sie sich von den Verhandlungen?

Overbeck: Die extremen Wetterereignisse der vergangenen Monate in vielen Teilen der Welt haben allen vor Augen geführt, dass es Zeit ist, zu handeln. Ich gehe deshalb nicht davon aus, dass die Ortswahl die Arbeit der Konferenz in nennenswerter Weise beeinflussen wird. Es geht um den Klimawandel als weltweites Phänomen, das nicht an nationalen oder geografischen Grenzen halt macht. Ich setze große Hoffnungen in die Verhandlungen: Drei Jahre nach dem Pariser Klimaabkommen und der Festlegung auf das Zwei-Grad-Ziel ist es notwendig, verbindliche und konkrete Umsetzungsregeln zu vereinbaren.

KNA: Die Kirche ringt um den Umgang mit dem Thema Missbrauch. Wie ist Ihre Wahrnehmung: Hat das Auswirkungen auf Relevanz von Kirche in anderen gesellschaftlichen Debatten wie etwa dem Klimaschutz?

Overbeck: Kein Zweifel, die schrecklichen Missbrauchsfälle erschüttern die Glaubwürdigkeit der Kirche. Wir haben viel zu tun und wollen uns verloren gegangenes Vertrauen wieder neu erarbeiten. Ein falsches Signal wäre es, die gesellschaftliche Stimme der Kirche verstummen zu lassen. Der Einsatz für Gerechtigkeit ist uns von unserem Glauben her aufgetragen, auch und insbesondere in schwierigen und herausfordernden Zeiten.

Das Interview führte Joachim Heinz.

(KNA)

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