Im Hambacher Forst liegt ein Schild mit der Aufschrift "Rettet den Wald"
Im Hambacher Forst liegt ein Schild mit der Aufschrift "Rettet den Wald"

02.10.2018

Katholiken im Bistum Aachen gegen Abholzung im Hambacher Forst Wovor hat RWE Angst?

Wie geht der Zwist um den Hambacher Forst weiter? Nun meldet sich der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Aachen zu Wort. Es gehe um mehr als ein Stück Wald, nämlich um die christliche Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung.

Der Hambacher Forst ist zum politischen Symbol geworden. Der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Aachen fordert nun die sofortige Beendigung von weiteren Maßnahmen zur Abholzung bis zu einer Entscheidung der Kohlekommission.

Der Vorsitzende Lutz Braunöhler, selbst lange Richter an einem Oberlandesgericht, führt rechtliche, ethische und politische Gründe dagegen an, dass angesichts des nahenden nationalen Ausstiegs aus der Kohleverstromung ein weiterer Abbau im Rheinischen Revier vorangetrieben wird. Diese Maßnahme ohne Zukunftsperspektive, die zudem die Menschen vor Ort schädige und in Gefahr bringe, sei aus christlicher Sicht verwerflich und menschenverachtend.

Dies teilte der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Aachen in einer Pressemitteilung an diesem Dienstag mit. Man verlange die sofortige Beendigung von weiteren Maßnahmen zur Abholzung im Hambacher Forst bis zu einer Entscheidung der Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung, der sogenannten Kohlekommission.

Wovor hat RWE Angst?

Alles andere stelle eine willkürliche und unumkehrbare Ausnutzung einer Rechtsposition dar, die juristisch zumindest angreifbar und in ihrem Zustandekommen zweifelhaft sei. "Das sollte auch den Verantwortlichen von RWE-Power bekannt sein", betonte Braunöhler.

Wenn nicht, müsste RWE-Power sich klar machen, dass in Anbetracht der objektiven politischen Tatsache eines sicheren baldigen Endes der Verstromung fossiler Energieträger eine Maßnahme ohne Zukunftsperspektive, die zudem die Menschen vor Ort schädigt und in Gefahr bringt, aus christlicher Sicht verwerflich und menschenverachtend sei.

"Wovor hat der Betreiber des Tagebaus eigentlich Angst? Das Gesicht zu verlieren, wenn man einer besseren Einsicht folgt? Oder geht es um die Demonstration einer nur formaljuristisch, aber nicht inhaltlich begründbaren Machtposition?", fragt der Diözesanratsvorsitzende.

Beitrag zum Rechtsfrieden

Abgesehen davon sei nicht einmal eine versorgungstechnische Notwendigkeit für eine Fortsetzung der Rodungsarbeiten ersichtlich: Der Tagebau könne auch ohne diese Maßnahmen weiter gehen. "Wir betrachten den Stopp als Beitrag zum Rechtsfrieden in der Region, zumal ein alsbaldiger Kohleausstieg angesichts der sonst nicht erreichbaren Klimaschutzziele absehbar ist".

Diesen Rechtsfrieden dauerhaft zu sichern, stünde auch den Verantwortlichen von RWE/Rheinbraun gut an: Sie könnten damit deutlich zeigen, dass sie das Wohl der Menschen im Blick haben und nicht die vermeintliche Maximierung eines nur mit kühnen Rechenoperationen begründbaren wirtschaftlichen Gewinns, meint Braunöhler.

Die betroffenen Einsatzkräfte der Polizei müssten nicht länger einer auch für sie unerfreulichen Situation ausgesetzt werden, mit einer überflüssigen Konfrontation von Gewalt und einer unter Umständen persönlich unbefriedigenden Auseinandersetzung mit den Argumenten für einen Ausstieg aus der Kohleverstromung.

Der Einsatz bedinge zudem Kosten in einem unüberschaubaren Rahmen, wobei diese Kosten letztlich dem Steuerzahler zur Last fallen - und das zur Durchsetzung von wirtschaftlichen Interessen eines Energieversorgers, meint der Vorsitzende des Aachener Diözesanrates. Nach einer vorübergehenden Einstellung der Räumungsmaßnahmen drohe nach einer Ankündigung des Innenministers nunmehr deren Fortsetzung.

Bewahrung der Schöpfung

Man stehe in der Region Aachen unter Klimaschutzgesichtspunkten in einer konkreten Konfrontation zum Braunkohleabbau und zur Verbrennung des gewonnenen Energieträgers und sei damit unmittelbar betroffen.

"Aber abgesehen von den Auswirkungen auf unser Leben in der Region müssen wir auch daran denken, dass wir nicht allein auf dieser Welt sind und eine Verantwortung haben für alle Menschen, die die Wirkungen unseres extensiven Energieverbrauchs erdulden und erleiden müssen. Unsere christliche Verantwortung für die 'Bewahrung der Schöpfung' fordert von uns diesen globalen Denkansatz und in der Konsequenz unser intensives Eintreten für schnelle, konsequente und konkrete Klimaschutzziele", betont Braunöhler.

Der Klimawandel werde das Leben der Ärmsten in der sogenannten Dritten Welt sehr viel stärker beeinflussen als das Leben der anderen Menschen auf diesem Planeten. "Unser Blick muss sich daher besonders auch auf diese Menschen konzentrieren. Ziel eines verantwortungsvollen Handelns ist, ihnen sichere Perspektiven und nachhaltige Grundlagen für ein menschenwürdiges Leben in ihren Heimatländern zu schaffen", betont der Diözesanratsvorsitzende.

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