Ein Arzt zeigt einen Tuberkulose-Fall anhand eines Röntgenbildes
Ein Arzt zeigt einen Tuberkulose-Fall anhand eines Röntgenbildes

26.09.2018

Erstes UN-Gipfeltreffen zu Tuberkulose Tests versagen bei Kindern sehr häufig

Jährlich sterben eine Viertelmillion Mädchen und Jungen an Tuberkulose. Das liegt unter anderem daran, dass der gängigste Test für die Infektionskrankheit bei Kindern in mehr als 90 Prozent der Fälle versagt. Ein neues Verfahren soll das ändern.

Es gibt keine todbringendere Infektionskrankheit auf der Welt als die Tuberkulose. Zugleich ist die Diagnose so schwierig wie bei kaum einer anderen Erkrankung - besonders bei Kindern. Bei ihnen ist in neun von zehn Fällen eine Diagnose mit gängigen Tests in Entwicklungsländern nicht möglich. Neu entwickelte Testverfahren sollen das nun ändern. Sie ermöglichen, das Tuberkulose-Bakterium in leicht zugänglichen Proben wie Stuhl oder Urin nachzuweisen - eine deutliche Verbesserung.

Erstes UN-Gipfeltreffen zu Tuberkulose

Vorgestellt werden die neuen Tests beim ersten UN-Gipfeltreffen zu Tuberkulose am Mittwoch in New York, wie die Vorsitzende der Tuberkulose-Abteilung bei der internationalen Organisation Find, Claudia Denkinger, erläutert. Die Hoffnung ist, dass die Länder bei dem Treffen weitere, dringend benötigte Investitionen für die Tuberkulose-Forschung beschließen.

Täglich sterben laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) knapp 4.500 Menschen an Tuberkulose, das sind etwa 1,6 Millionen Menschen pro Jahr. Rund ein Drittel der Weltbevölkerung trägt das Bakterium im Körper, bei intaktem Immunsystem und unter gesunden und hygienischen Lebensumständen bricht die Krankheit aber meist nicht aus.

Armutskrankheit

Tuberkulose gilt als Armutskrankheit, weil sich besonders die Menschen anstecken, die in Mangel leben oder deren Immunsystem geschwächt ist. Besonders gefährdet sind Kinder. Etwa eine Million Mädchen und Jungen unter 15 Jahren infizieren sich jährlich an Tuberkulose, ein Viertel von ihnen stirbt daran. Bei ihnen reichen die Symptome von Fieber über Lethargie bis hin zu einer schlechteren Entwicklung. Meist ist eine Erkrankung aber nicht eindeutig erkennbar.

Besonders besorgniserregend ist die Ausbreitung von resistenten Tuberkulose-Bakterien, gegen die die gängige Behandlung nicht mehr wirkt. "Kinder, die nicht adäquat therapiert werden, sterben", sagt Denkinger, deren Organisation das Problem in Indien erforscht hat.

"Leider ist das häufigste Testverfahren bei Tuberkulose weltweit immer noch die Mikroskopie", erläutert die Expertin dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dabei wird der Hustenauswurf, auch Sputum genannt, unter dem Mikroskop untersucht, um das gefährliche Tuberkulose-Bakterium nachzuweisen. Diese Tests seien jedoch nicht sonderlich zuverlässig, nur drei bis sieben von zehn Infektionen würden damit erkannt. Die besten Tests für die Sputum-Untersuchung sind der Wissenschaftlerin zufolge teuer, komplex und zeitaufwendig, weshalb sie lediglich in Industrieländern eingesetzt würden.

Bei Kindern ist das Testen noch deutlich schwieriger, weil sie kaum Sputum abhusten können, und wenn es doch gelingt, reicht der Auswurf oftmals nicht für einen Test aus. So kam eine Studie der medizinischen Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" schon vor einigen Jahren zu dem Ergebnis, dass das Verfahren in mehr als 90 Prozent der Fälle bei Kindern versagte. Johannes Schäfer, Arzt beim Deutschen Institut für Ärztliche Mission (Difäm), kann das bestätigen: "Wir benutzen immer noch Methoden aus dem vorletzten Jahrhundert."

Behandlungen auf Verdacht

Brit Häcker, Ärztin beim Deutschen Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK), gibt zudem zu bedenken, dass die Bakterien bei Kindern - anders als bei Erwachsenen - häufig andere Organe als die Lunge befielen oder sich auch im ganzen Körper verteilten könnten. Dort lasse sich der Erreger jedoch viel schlechter nachweisen.

Um bei Kindern trotz allem Proben für einen Tuberkulose-Test zu erhalten, können Ärzte alternativ über die Nase in den hinteren Rachenraum oder über einen Schlauch in den Magen gelangen. Beide Methoden seien nicht nur extrem unangenehm, sondern auch schwer anzuwenden, sagt Denkinger. "Die Verfahren sind invasiv und man braucht Experten." Gerade Personen mit ausreichend medizinischer Erfahrung fehlten aber in armen Weltregionen oft. Einfachere Haut- und Bluttests seien hingegen nicht zuverlässig.

Die Diagnoseschwierigkeiten führen oft dazu, dass kranke Kinder auf Verdacht behandelt werden, wenn sich zum Beispiel ein Erwachsener in ihrer Nähe mit Tuberkulose infiziert hat. "Das heißt, man therapiert, ohne dass man einen Nachweis hat", erklärt Denkinger. "Es gibt aber wirklich Anstrengungen, das zu ändern." Das neue Verfahren über den Stuhl oder Urin sei leichter zu handhaben und schrecke Patienten weniger ab.

Die Entwicklung besserer Tuberkulose-Tests sei wegen fehlenden Geldes aber sehr mühsam, betont die Ärztin. Die Industriestaaten müssten deutlich mehr Mittel in die Erforschung der Infektionskrankheit investieren. "Es könnte viel bewegt werden, wenn mehr Unterstützung da wäre." Häcker vom DZK bestätigt das: "Sehr lange ist die Tuberkulose ausgeblendet worden und unterfinanziert gewesen." Nachdem man in den letzten Jahren festgestellt habe, dass die Tuberkulose-Zahlen trotz aller Anstrengung nicht sinken, sei das Thema nun wieder mehr in den Fokus gerückt.

Hannah Thielmann
(epd)

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