Gefällte Bäume im Hambacher Forst, im Hintergrund der Tagebau
Gefällte Bäume im Hambacher Forst, im Hintergrund der Tagebau

12.09.2018

Friedensgespräch zum Hambacher Forst gescheitert "Vergiftetes Angebot"

Der Konflikt um den Hambacher Forst im rheinischen Braunkohlerevier spitzt sich weiter zu. Bei einem Spitzengespräch zwischen dem Energiekonzern RWE und Umweltverbänden konnte keine Einigung erzielt werden.

Wie RWE in Essen mitteilte, bleibe das Unternehmen bei seinem Plan, Mitte Oktober mit den umstrittenen Rodungen zu beginnen. Dagegen gibt es massiven Protest. Einig seien sich RWE und die Umweltverbände aber in der strikten Ablehnung von Gewalt, hieß es.

RWE bot den Verbänden erneut eine mögliche Verlegung des Rodungsbeginns auf Mitte Dezember an, sofern sie akzeptieren, dass dann mit den Abholzungen des alten Hambacher Waldes begonnen wird. Dies lehnten die Umweltverbände, darunter der BUND und Greenpeace, ab.

Forderung: Verhandlungen der Kohle-Kommission abwarten

Die Umweltschützer verlangen, dass RWE auf Rodungen verzichtet, bis die Kohle-Kommission der Bundesregierung ihre Verhandlungen über einen Kohleausstieg beendet hat. RWE sieht keine Zusammenhang zu den Kohlegesprächen, weil die Rodungen für die Kohleförderung in den kommenden zwei Jahren nötig seien.

Die nordrhein-westfälischen Grünen kritisierten die von RWE angebotene Terminverschiebung als "vergiftetes Angebot", weil der Konzern spätestens Mitte Dezember auf jeden Fall die ersten Bäume fällen wolle. Die Kohlekommission müsse ergebnisoffen beraten können und dürfe nicht durch Absprachen gebunden sein, erklärte die Grünen-Landesvorsitzende Mona Neubaur in Düsseldorf.

Vermittlung der Bundesregierung?

Die Linksfraktion im Bundestag forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel, Energieminister Peter Altmaier (beide CDU) und Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) auf, in dem Konflikt zu vermitteln. Sollte es vor Ort zu einer gewalttätigen Eskalation kommen, trage auch die Bundesregierung einen großen Teil der Verantwortung, erklärte der energiepolitische Sprecher Lorenz Gösta in Berlin.

Der alte Hambacher Wald wurde in den vergangenen Jahren zu einem Symbol des Widerstands gegen den Kohle-Abbau im rheinischen Braunkohlerevier. RWE will dort ab Mitte Oktober 100 Hektar Wald roden, was der Hälfte des noch stehenden Hambacher Forsts entspricht. Der Braunkohletagebau Hambach umfasst ein 85 Quadratkilometer großes Abbaufeld. Bis 2040 plant die RWE Power AG dort den Abbau von insgesamt 2,4 Milliarden Tonnen Braunkohle.

Weitere Demonstrationen angekündigt

Umweltverbände haben für den 14. Oktober zu einer friedlichen Demonstration in dem Wald aufgerufen. Auch der Katholikenrat der Region Düren hat zum Protest aufgerufen.

Der Hambacher Wald werde von vielen als Symbol gesehen, das den rücksichtslosen Umgang von uns Menschen mit unserer "Schwester Erde" zeigt, aber auch die Gewinnsucht unserer Zeit und die Untätigkeit der Politik gegenüber der Übermacht der Wirtschaft, heißt es in dem Appell des katholischen Laiengremiums. Inspiriert durch die Enzyklika Laudato Si von Papst Franziskus plant der Katholikenrat bereits am 23. September einen Pilgerweg mit dem Aachener Friedenskreuz am Hambacher Wald.

(KNA, DR)

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