Windräder
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27.04.2018

Misereor zu Problemen und Lösungen in der Energiewende Wind, Sonne, Umweltschäden

Die Energiewende ist notwendig, aber sie hat ein Problem: Bei der Herstellung von Windrädern und Photovoltaikanlagen für die Sonnenenergie kommt es in den armen Ländern der Welt immer wieder zu Umweltschäden und Menschenrechtsverletzungen.

DOMRADIO.DE: Misereor hat heute eine Studie herausgegeben, darin heißt es, dass es in vielen Ländern zu schweren Umweltschäden kommt, die für die Wind- und Sonnenenergie in Kauf genommen werden. Was sind das für Umweltschäden?

Armin Paasch Katholisches Hilfswerk Misereor): Das Problem ist, dass zur Herstellung von Photovoltaik- und Windkraftanlagen große Mengen an Kupfer, Aluminium, Eisenerz, Silber, seltenen Erden und anderen Metallen benötigt werden. Und diese Metalle werden größtenteils von dort importiert, wo die Abbaubedingungen teilweise katastrophal sind – in Guinea, in Brasilien, in Peru, in China. Die Umweltschäden beziehen sich darauf, dass Gewässer durch Schwermetalle belastet werden. In Brasilien wird für den Eisenerzabbau Amazonaswald gerodet. In der Stadt Mariana kam es zum Bruch eines Rückhaltebeckens, wodurch die größte Umweltkatastrophe des Landes ausgelöst wurde. Das alles liegt natürlich nicht nur an den erneuerbaren Energien, sondern insgesamt am Bergbau, der die Automobil-, Elektroindustrie und andere Industrien beliefert. Aber auch die erneuerbaren Energien werden mit diesen Rohstoffen beliefert.

DOMRADIO.DE: Dazu kommt es auch zu Menschenrechtsverletzungen bei der Rohstoffgewinnung für alternative Energieträger? 

Paasch: Richtig, und die meisten Menschenrechtverletzungen hängen mit den Umweltzerstörungen zusammen. Wenn indigene Völker nicht mehr im Wald leben können, nicht mehr sammeln, jagend und fischen können, dann haben sie ihre Lebensgrundlagen verloren. Die Beteiligungsrechte der indigenen Völker werden in den Entscheidungsprozessen missachtet. Und Widerstände gegen Bergbauprojekte werden oft mit Gewalt beantwortet. Menschenrechtsverteidiger und Umweltaktivisten werden verfolgt. Ich betone auch hier: Das lasten wir nicht den erneuerbaren Energien in erster Linie an, sondern der Industrie insgesamt. Aber sie haben ihren Anteil daran. Denn es wird sich nicht genug darum gekümmert, wo die Rohstoffe herkommen und wie sie abgebaut werden.

DOMRADIO.DE: Die notwendige Energieweornde muss also mehr umfassen als den Austausch der Energiequellen, oder?

Paasch: Ganz richtig. Denn wir stellen die Energiewende in keiner Weise in Frage. Im Gegenteil: Die Energiewende muss beschleunigt werden. Hier brauchen wir auch noch mehr Impulse aus der Politik. Allerdings muss die Energiewende umfassender betrachtet werden. Wir brauchen auch eine Rohstoffwende, das heißt, dass weniger Rohstoffe für die Energiegewinnung verwendet werden. Und da sind wir auch als Verbraucher und als Gesellschaft gefordert, unseren Konsum und unsere Vorstellung vom guten Leben zu überdenken. Eine Energiewende muss als Transformation der Gesellschaft und Wirtschaft gedacht werden.

DOMRADIO.DE: Haben Sie da ein konkretes Beispiel?

Paasch: Beim Rohstoffabbau sollen die Unternehmen, die die Rohstoffe beziehen, genau hingucken, wo die Rohstoffe her, und untersuchen, welche menschenrechtlichen Risiken damit verbunden sind, und an die Bergbaukonzerne, wie Vale oder Glencore, ganz klar Forderungen formulieren: Wir können von euch nur dann Rohstoffe beziehen, wenn ihr nachweisen könnte, dass da Umweltstandards und Menschenrechte beachtet werden.

DOMRADIO.DE: Müssten sich die Verbraucher auch darauf einstellen, dass regenerative Energien eventuell noch etwas teurer sein könnten?

Paasch: Das muss nicht unbedingt mit höheren Kosten verbunden sein. Klar, kostet es etwas Geld, wenn man transparent in der Lieferkette herstellen will, wenn man Risikoanalysen durchführen wird. Es kann auch etwas mehr kosten, wenn man Rohstoffe von Unternehmen bezieht, die mehr auf Umwelt und Menschenrechte achten. Das könnte man etwas mehr Geld in Kauf nehmen müssen. Allerdings betonen wir immer wieder, dass Energiesparen zentral ist. Das heißt, wenn man das zusammendenkt, gibt man vielleicht sogar weniger Geld aus, weil weniger verbraucht.

Das Interview führte Verena Tröster.

(DR)

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