Gemeinsamer Auftrag: Schöpfung bewahren
Gemeinsamer Auftrag: Schöpfung bewahren
Rabbiner David Geballe
Rabbiner David Geballe

26.04.2018

Bewahrung der Schöpfung im interreligiösen Dialog "Leihgabe Gottes"

So wie wir unseren Planeten behandeln, kann es nicht weitergehen. Dabei gilt es vor allem für die Christen die Schöpfung zu bewahren. Aber auch in anderen Religionen spielt das Thema "Bewahrung der Schöpfung" eine Rolle.

Bei der Veranstaltung "Religions go green" in der Kölner Melanchthon-Akademie wird klar: Zunächst einmal teilen alle den Gedanken, dass der Mensch den Auftrag hat die Schöpfung zu bewahren. Gott steckt in jedem Detail unserer Erde und wenn wir etwas zerstören – sogar unwiderruflich – zerstören wir etwas Göttliches. Diesen Glauben teilen Muslime, Juden und Christen.

Der Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Duisburg, Mülheim und Oberhausen, David Geballe, sagt dazu: Wenn man die Zahl aller Anhänger der abrahamitischen Religionen zusammenzählen würde, dann hätte man einen sehr großen Teil der Weltbevölkerung.

Wenn die dann noch an einem Strang ziehen würden, dann würde die Welt schon sehr viel besser aussehen. Der Konjunktiv zeigt, es ist noch nicht soweit. Man redet zwar miteinander über das Thema, lernt sich kennen - aber zusammen die Stimme erheben, auch gemeinsam Druck auf politische Entscheidungsträger und die Öffentlichkeit ausüben. Das ist bisher noch nicht der Fall.

Ist der Zug schon abgefahren?

Im Christentum heißt es im 1. Buch Mose: "Macht euch die Erde untertan". Das hätten wir aber lange missverstanden, sagt die ehemalige Kieler Bischöfin, Bärbel Wartenberg-Potter. Natürlich sei es zunächst darum gegangen, die Erde auch bewirtschaften zu können, aber schon lange sei diese Bibelstelle anders auszulegen. Man müsse sich vergewissern, dass Gott uns die Welt anvertraut habe, nicht um sie zu beherrschen und niederzudrücken, sondern um im Austausch und gegenseitigem Respekt mit der Natur zu leben. Diesen Respekt vor den Mitgeschöpfen hätten wir ganz vergessen, mahnt die evangelische Theologin Wartenberg-Potter. Auf die Frage, ob der Zug schon abgefahren sei, antwortet sie: "Der Zug fährt schon, aber wir können noch aufspringen und ihn in eine andere Richtung lenken".

Es ginge nicht mehr um die Zukunft, sondern um die Gegenwart, so Bischöfin Wartenberg-Potter. Ähnlich wie im Christentum, sehen auch die Juden die Welt als "Leihgabe Gottes" und den Menschen als Partner der Schöpfung. So heißt es in den jüdischen Schriften zum Beispiel ziemlich konkret: "Pass auf nichts zu beschädigen oder meine Welt zu zerstören", berichtet Rabbiner Geballe. Im Islam spielt die Verantwortung für die Schöpfung ebenfalls eine Rolle.

Der Mensch solle laut muslimischer Lehre die Schöpfung im Gleichgewicht halten, sagt die muslimische Theologin Aasma El-Maaroufi: "Im Koran heißt es, der Mensch soll kein Unheil anrichten, nachdem sie in Ordnung gebracht wurde." Der Mensch trage als Sachwalter auf Erden Verantwortung für die Schöpfung. Der Koran riefe die Menschen dazu auf, ein "gesundes, harmonisches Verhältnis mit der Mitschöpfung zu haben".

Verse des Koran und Zeichen der Natur

Laut der Islamwissenschaftlerin El-Maaroufi, Mitarbeiterin am Zentrum für Islamische Theologie in Münster, gibt es auch zwei Offenbarungsweisen im Islam: die Verse des Koran und die Zeichen der Natur. Der Koran als heilige Schrift werde in der Praxis aber teils mehr verehrt als die Offenbarungsweise Allahs in der Schöpfung. Das Thema Schöpfung im interreligiösen Dialog sorgt in erster Linie für Verständnis untereinander. Alle drei Religionen verbindet der Glaube an die Schöpfung und einen Schöpfer. Alle drei Religionen "generieren Werte", betont Aasma El-Maroufi. Und alle drei Religionen können daher einen großen Beitrag leisten, die Schöpfung zu bewahren.

"Gott gibt uns die Chance zu jeder Zeit umzukehren", erinnert die evangelische Bischöfin Wartenberg-Potter. Jeder könne durch seine Lebensweise Entscheidungen treffen, die der "planetarischen Krise" entgegenwirken. Das Potential des gemeinsamen Einsatzes für die Schöpfung ist deutlich zu erkennen.

Und so findet im September die erste "interreligiöse Naturschutzwoche" in Köln statt, wie der Leiter der Melanchthon-Akademie, Martin Bock sagt. Es bleibt also nicht nur beim Austausch und Kennenlernen. Angedacht ist zum Beispiel ein jüdisch-christlich-muslimisches "Konsum-Fasten" oder eine gemeinsame Rad-Sterntour – "um ein kleines Zeichen zu setzen".

Jann-Jakob Loos
(DR)

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