Experten der Bischofskonferenz fordern nachhaltige Wirtschaftspolitik
Experten der Bischofskonferenz fordern nachhaltige Wirtschaftspolitik

20.04.2018

​Wirtschaftsethiker zu neuer Studie der Bischofskonferenz "Preise müssen die ökologische und soziale Wahrheit sagen"

Kurskorrekturen in der Wirtschaftspolitk - das fordert eine Studie der Deutschen Bischofskonferenz. Die Kosten für den Verbrauch von Ressourcen und die Belastung der Umwelt müssten künftig den Verursachern in Rechnung gestellt werden.

Katholische Nachrichten Agentur (KNA): Herr Professor Wallacher, vor 46 Jahren schrieb Dennis Meadows den Bestseller "Die Grenzen des Wachstums" – und wir steigern heute noch das Bruttosozialprodukt. Braucht die Wirtschaftspolitik nicht längst eine neue Leitidee?

Johannes Wallacher (Wirtschaftsethiker und Hauptautor der Studie): Die gibt es ja schon mit der Enzyklika "Laudato si". Darin fordert Papst Franziskus eindrücklich, wirtschaftliche, soziale und ökologische Probleme gemeinsam zu lösen. Dies verlangt eine sozial-ökologische Modernisierung. Auch die Vereinten Nationen haben das mit ihren globalen Nachhaltigkeitszielen aufgegriffen.

Das Buch von Meadows hat vieles angestoßen, aber eine zentrale Aussage ist falsch: Die Grenzen des Wachstums ergeben sich nicht primär aus einem Mangel an fossilen Ressourcen. Wir müssen heute lernen, sie nicht mehr zu nutzen, obwohl sie noch im Überfluss vorhanden sind. Nicht ihre Knappheit ist das Problem, sondern die Knappheit des Deponieraums der Erdatmosphäre im Hinblick auf den Klimawandel.

KNA: Sie haben sich in der Studie eingehend mit verschiedenen Wachstumsmodellen beschäftigt – und mit der Kritik am Wachstumsdenken. Was sind Ihre wichtigsten Erkenntnisse?

Wallacher: Wachstum sollte weder glorifiziert noch verteufelt werden. Wir brauchen Wachstum in vielen Bereichen, in ärmeren Ländern zur Armutsbekämpfung, bei uns für effiziente Zukunftstechnologien, bei personennahen Dienstleistungen wie in der Bildung oder Pflege. Das Wachstum muss aber geordnet, umwelt- und sozialverträglich sein.

KNA: Wie kommen wir dahin?

Wallacher: Indem wir nicht länger die Kosten unseres Wirtschaftens auf andere abwälzen. Der Verbrauch von Ressourcen und die Belastung der Umwelt müssen in die Preise einfließen, und zwar nach dem Verursacherprinzip.

KNA: Was könnte ein erster Schritt sein?

Wallacher: Der Abbau aller schädlichen Subventionen, etwa für die Kohle, die Steuerfreiheit von Flugbenzin oder das Dieselprivileg. Wenn Sie die Empfehlungen der Beiräte beim Wirtschaftsministerium, der Sachverständigenräte für Umweltfragen anschauen, dann finden Sie dort das Gleiche: Wir brauchen ein Wachstum, bei dem die Preise endlich die ökologische und soziale Wahrheit sagen. An dem Punkt stimmen Ökonomen mit Postwachstumsdenkern überein.

KNA: Politische Reformen sind das eine, das andere ist das gesellschaftliche Bewusstsein.

Wallacher: Die sozial-ökologische Modernisierung muss durch einen Kultur- und Wertewandel vorbereitet und begleitet werden, für den andere Vorstellungen von gutem Leben prägend sein sollten. Dann wird künftig das rechte Maß das Leitbild sein und nicht mehr das Motto "immer mehr und billiger".

KNA: Bisher ist es nicht gelungen, Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch nachhaltig zu entkoppeln. Lässt sich das überhaupt schaffen?

Wallacher: Es stimmt, im Weltmaßstab ist das bisher noch nicht gelungen. Es wurde aber auch noch nicht entschieden genug versucht. Über einheitliche Preissignale, die auch den Verkehrssektor oder den Konsum einbeziehen, muss sichergestellt werden, dass Rohstoffverbrauch und Schadstoffemissionen dort gemindert werden, wo es am effizientesten ist. Eine solche Bepreisung muss sozial abgefedert und international abgestimmt werden, um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen nicht zu gefährden. Neuere Studien zeigen, dass es mittelfristig selbst für "egoistische Staaten" Anreize gibt, sich an solchen CO2-Preissystemen zu beteiligen, wenn einige starke Länder als Pioniere mutig vorangehen.

KNA: Eine Handvoll wild Entschlossener soll den Globus mitreißen?

Wallacher: Wer wenn nicht die Kirchen können einen Impuls für ein Gemeinwohl setzen, das nicht nur national, sondern global und auch generationenübergreifend gedacht ist? Mit der Studie legen wir einige politisch machbare Ideen zum Schutz des gemeinsamen Hauses vor, die wir ganz im Sinne des dialogischen Ansatzes von "Laudato si" in die gesellschaftliche Debatte einbringen wollen. Uns ist völlig klar, dass solche Reformperspektiven auch auf Widerstände stoßen werden.

KNA: Haben Sie dafür Verbündete in der neuen Bundesregierung?

Wallacher: Da kann ich meine Enttäuschung nicht verhehlen. Der Koalitionsvertrag gibt dazu kaum etwas her. Ich erwarte mir deutlich mutigere und entschiedenere Schritte, denn sonst bleibt der Verweis auf das Pariser Klimaschutzabkommen ein bloßes Feigenblatt.

Christoph Renzikowski
(KNA)

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