In Brasilien tagen Experten gerade zum Thema Wasser
In Brasilien tagen Experten gerade zum Thema Wasser

20.03.2018

In Brasiliens Hauptstadt tagen gleich zwei Wasserforen Wem gehört das Wasser?

Im Umland von Brasilia kämpfen Kleinbauern ums Überleben. Das Wasser wird in der Region knapp; auch in der Hauptstadt muss es rationiert werden. Nun wird in der Metropole über mögliche Lösungen diskutiert.

Noch ist das "Agrofloresta"-Areal von Bauer Silvan Lopes Ribeiro voll kleiner Pflänzchen. Vor wenigen Monaten wurden die Zitronenbäume, Avocados, Cashew-Bäume und Mangos gepflanzt, dazu Salat und Mais. All das scheinbar in einem großen Durcheinander.

Der Clou dieser Waldlandwirtschaft besteht darin, verschiedene Obst- und Gemüsesorten nebeneinander zu pflanzen, um so Monokulturen und Insektizide zu vermeiden. Das kommt auch dem Wald in der Umgebung zugute. "Der Boden verbessert seine Fähigkeit, das Wasser zu binden", erklärt der Agronom Fabio Miranda von der Landlosenbewegung Movimento dos Sem Terra (MST).

Kleinbauern verfolgen naturfreundliche Landwirtschaft

66 Bauernfamilien leben in der MST-Siedlung Canaa in Sichtweite eines Stausees, der das nahe Brasilia mit Trinkwasser versorgt. Der Wasserspiegel ist niedrig, seit drei Jahren leidet die Region unter Dürre. Eine Folge der Abholzungen in der ohnehin schon regenarmen Cerrado-Savanne.

Die industrielle Landwirtschaft mit ihren chemischen Keulen lauge die Böden aus, die Regenwasser nicht mehr binden könnten und schnell unfruchtbar würden, sagt Miranda. "Wir Kleinbauern sind die einzigen, die eine naturfreundliche Landwirtschaft betreiben. Deshalb ist die von uns geforderte Landreform so wichtig."

Doch die Landlosen sehe man hier nicht gerne. Wenn sie einen Brunnen bohrten, kämen sofort die Behörden, so Miranda. Bei den illegalen Brunnen der vielen Luxuswohnanlagen in der Region drückten die Beamten dagegen beide Augen zu. Den Wohlhabenden fehle weder Wasser zum Trinken noch für ihre Swimmingpools.

Wasserrationierung in Armenvierteln höher als in Reichenvierteln

Die MST-Bauern behelfen sich mit Zisternen. Bereits die Hälfte der Familien verfügt über einen der 16.000 Liter fassenden Erdtanks. Das Hilfswerk Caritas und ein Fonds der Staatsbank Banco do Brasil haben den Bau finanziert, die Bauern haben mitgebaut. Doch die Zisternen werden mit Regenwasser gefüllt. "Sie nützen wenig, wenn es nicht regnet", sagt Bauer Flavio do Carmo.

Im schicken Convention Center von Brasilia beraten derweil Experten aus aller Welt, wie die Zukunft mit der knapp werdenden Ressource Wasser aussieht. Damit die Gäste des Weltwasserforums, darunter etliche Staats- und Regierungschefs, nicht ohne Wasser auskommen müssen, wurde die Wasserrationierung im Hotel- und Tagungsviertel ausgesetzt.

Eigentlich sind alle Stadtviertel abwechselnd mit Wassersparen dran. Doch die Realität sehe anders aus, sagt Umweltaktivist Thiago Avila. In den Reichenvierteln werde das Wasser lediglich für ein paar Stunden abgestellt; in den armen Gegenden seien es schon mal bis zu neun Tage.

Kritik: Viele Länder fallen beim Weltwasserforum untern Tisch

Avila sitzt im Organisationskomitee des "Alternativen Wasserforums Fama", das derzeit in einer Halle im Stadtpark von Brasilia tagt. Hier wird eher laut diskutiert; schließlich muss man gegen Trommelklänge und Live-Musik anreden. Es ist ein buntes Treffen der Zivilgesellschaft, die nicht beim offiziellen Weltwasserforum dabei ist.

Die Position der alternativen Versammlung kann man auf Websites und Handzetteln nachlesen. Man akzeptiere nicht, dass Regierungen, Großunternehmen und Lobbyisten darüber entschieden, wem in Zukunft das Wasser gehöre. Der Weltwasserrat, Organisator des offiziellen Forums, wird gern mit dem Fußballverband FIFA verglichen: "null Transparenz", so der Vorwurf.

Alternatives Forum – damit die Betroffenen mehr gehört werden

Das Problem des Weltwasserforums sei, dass die dringenden Probleme in einzelnen Ländern unter den Tisch fielen, meint Andrea Müller-Frank, Referentin des Hilfswerks "Brot für die Welt". Die Zivilgesellschaft werde kaum angehört - weshalb sie das alternative Forum geschaffen habe. Zudem seien die Abschlusserklärungen des Weltwasserforums nicht bindend; Selbstverpflichtungen einzelner Länder würden kaum kontrolliert.

Eigentlich sei das Thema Wasser besser bei den Vereinten Nationen aufgehoben, sagt Müller-Frank. Zwar seien die UN beim Weltwasserforum mit mehreren Delegationen vertreten. Doch da seien sie ein Vertreter unter vielen. "Auf UN-Ebene gäbe es dagegen Mechanismen, mit deren Hilfe die Zivilgesellschaft an solchen Verhandlungen teilnehmen könnte", so die Expertin. Dann kämen auch die zu Wort, die mit ihren Problemen kaum Gehör fänden.

Thomas Milz

(KNA)

Mit Schwester Katharina durch die Fastenzeit

Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit sprituellen Impulsen durch die Fastenzeit.

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Team der Woche

Sie sind ein tolles Team? Sie tun etwas für andere Menschen? Dann werden Sie unser Team der Woche!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 25.03.
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

  • Das Hochfest der Verkündigung des Herrn
  • Blickpunkt Zeit: Wie wir mit ihr umgehen und sie richtig nutzen
  • Internationale Gäste auf der lit.COLOGNE 2019
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Weihbischof Schwaderlapp beantwortet Glaubensfragen

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff