Adam und Eva im Paradies
Adam und Eva im Paradies

10.03.2018

Pulitzer-Preisträger Greenblatt über Adam und Eva Der mächtigste Mythos der Menschheit

Sie hat die westliche Kultur beeinflusst wie kaum eine andere Geschichte: die Geschichte von Adam und Eva. Bestseller-Autor Greenblatt beschreibt, wie sie Vorstellungen über Schuld, Sexualität und Neugier geprägt hat.

Man nehme einen Mann, eine Frau, eine Schlange und einen Baum: Aus diesen Zutaten und ein paar Zeilen im Buch Genesis der Bibel hat sich nach Darstellung des US-Bestsellerautors Stephen Greenblatt der wohl "mächtigste Mythos der Menschheit" entwickelt.

"Diese Story", schreibt der aus einer streng jüdischen Familie stammende Pulitzer-Preisträger, "hat über Jahrhunderte geprägt, wie wir über Verbrechen und Strafe, über Moral, Tod, Schmerz, Arbeit, Muße, Gemeinschaft, Ehe, Geschlecht, Neugier, Sexualität und über das Wesen des Menschseins denken."

Reise durch Theologie, Philosophie, Literatur und Kunst

In seinem am Montag erscheinenden Buch "Die Geschichte von Adam und Eva" lädt der Renaissance-Experte zu einer spannenden Reise durch Theologie, Philosophie, Literatur und Kunst. Wurzeln in babylonischer Zeit, jüdischer Mythos und Text mit Wahrheitsanspruch in christlicher Zeit: Spätestens seit der Aufklärung im 18. Jahrhundert, so der Autor, hat die Geschichte ihren Welterklärungsanspruch wieder verloren. Von Voltaire über Mark Twain bis zu Darwin: "Die Geschichte vom Sündenfall hörte nicht einfach auf zu atmen. Es schwand nur langsam die Zahl derjenigen, die ihr noch Glauben schenkten."

Greenblatt greift tief in die Geschichte der Mythen: Die Erzählung vom ersten Sündenfall entstand im babylonischen Exil der Juden im sechsten Jahrhundert vor Christus, wo die Versklavten den heiligen Texten der Babylonier begegneten. Ein ganzer Himmel voller launischer und rachsüchtiger Götter wurde da aufgespannt: Götter, die Menschen aus Lehm schufen und sie in einer Flut wieder vernichteten - aus Eifersucht, oder einfach, weil sie ihnen zu laut wurden.

Das alles weckte in den Juden die Sehnsucht nach einem eigenen Ursprungsmythos, nach einer Geschichte, die die Frage beantworten konnte, warum Gott die Versklavung seines Volks nicht verhindert hatte. Der Unterschied: Der jüdische Gott war ein einziger, gerechter Herrscher, der nicht aus Willkür vernichtete, sondern aus gerechter moralischer Empörung strafte. Adam und Eva mussten büßen, weil sie ungehorsam waren und sein wollten wie er.

Greenblatt macht Lust darauf, die Genesis noch einmal genau zu lesen. Wie kann es sein, dass Gott seinen Geschöpfen verbietet, den Unterschied zwischen Gut und Böse zu erkennen? Und wie konnte er Adam und Eva den Tod androhen, die doch im Stand der Unschuld lebten und gar nicht wissen konnten, was das bedeutete?

"Menschliche Sünde ist eine sexuell übertragbare Krankheit"

Trotz all der Widersprüche: Bis weit in die frühe Neuzeit hinein beanspruchte die Kirche, die Schöpfungsgeschichte sei wortwörtlich wahr. Besonders einflussreich erwies sich die Interpretation des Kirchenvaters Augustinus (354-430): Adam und Eva vererbten die Schuld nach seiner Interpretation auf dem Weg des sexuellen Verlangens auf die ganze Menschheit. "Menschliche Sünde", schreibt Greenblatt, "ist eine sexuell übertragbare Krankheit."

Auch bildende Kunst und Literatur verschafften der Geschichte großen Einfluss. Albrecht Dürer (1471-1528) war besessen von dem Gedanken, die ersten, von Gott perfekt geschaffenen Menschen perfekt abzubilden. Für seinen 1504 entstandenen Kupferstich "Adam und Eva" übertrug er die idealen Proportionen der antiken Götterfiguren auf die biblischen Gestalten.

Intensiv beschäftigt sich Greenblatt auch mit dem britischen Autor John Milton (1608-1674) und dessen Werk "Paradise Lost", dem ausführlichsten Paradiesbericht der Weltliteratur. Mit dem mehrere tausend Zeilen umfassenden Gedicht sei ihm am Beispiel von Adam und Eva eine "grandiose literarische Innensicht einer Ehe" gelungen, schreibt Greenblatt.

Doch bereits zu Miltons Zeit wurde der Mythos mehr und mehr entzaubert. Als Kolumbus 1493 mit der Nachricht heimkehrte, er habe in Westindien Menschen entdeckt, die ohne Scham und völlig nackt umherliefen, ließ sich die Frage nicht unterdrücken: Waren auch diese Menschen Nachkommen von Adam und Eva? Und warum hatte Gott sie von Scham verschont?

Der Philosoph Voltaire wendete seine Kritik an der Erzählung in eine generelle Kritik am Gottesglauben: Warum wollte er nicht, dass der Mensch Gut und Böse erkennt, fragte er. Der Christengott oute sich als Herrscher, der seine Schäflein in Unwissen zu halten versuche.

Christoph Arens
(KNA)

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