15.11.2017

Klimaschutzindex stellt mittelmäßiges Zeugnis aus Auch Deutschland hinkt hinterher

Das Bemühen will man ihnen nicht absprechen - aber wie der nun vorgestellte Klimaschutzindex 2017 zeigt, muss deutlich mehr getan werden, um die Klimaziele zu erreichen. Gegenüber domradio.de erklärt Germanwatch, was sich ändern müsste.

domradio.de: Wer sind denn die Klassenbesten in Sachen Klimaschutz?

Franziska Marten (Germanwatch und Mitautorin des "Klimaschutzindex 2017"): Wir sehen positive Entwicklungen in Schweden, vor allem was den Bereich der Emissionsentwicklung und den Ausbau erneuerbarer Energien angeht. Ein positives Beispiel ist auch Marokko. Die haben in unserem diesjährigen Ranking sehr gute Politiknoten bekommen, weil sie viel dafür tun, erneuerbare Energien auszubauen. Wir sehen positive Entwicklung in Frankreich. Die sind vor allem auf internationaler Ebene sehr bemüht, den Klimaschutz voranzutreiben.

domradio.de: Die ersten drei Plätze sind nicht besetzt. Das heißt, kein Land erfüllt die Forderungen aus dem Pariser Abkommen auf 2 Grad bzw. 1,5 Grad runterzukommen?  

Marten: Das ist richtig. Wir haben bisher noch kein Land, das auf deutlich unter 2 Grad oder sogar 1,5 Grad liegt. Zum Hintergrund: Wir bewerten in unserem Klimaschutzindex in diesem Jahr auch erstmals die Ziele der Länder. Und da sehen wir, dass in den nächsten Jahren noch deutlich Ambitionssteigerungen passieren müssen.

domradio.de: Wie steht Deutschland im internationalen Vergleich da?

Marten: Deutschland liegt in unserem Ranking im oberen Mittelfeld auf Platz 22. Wir sehen, dass sich auch Deutschland auf internationaler Ebene groß bemüht, um den Klimaschutz voranzutreiben. Wir sehen auch, dass die Emissionsreduktionsziele von Deutschland, die im Klimaschutzplan 2050 niedergelegt wurden, vergleichsweise ambitioniert sind. Wir sehen allerdings auch, dass auf nationaler Ebene noch entschieden zu wenig Fortschritt da ist und da muss das Land nachbessern.

domradio.de: Ist das denn überhaupt zu schaffen, wenn jetzt die USA aus dem Abkommen aussteigen als einer der weltweit größten CO2-Emmitenten?

Marten: Aktuelle Studien über die letzten Jahre zeigen, dass wir tatsächlich mit den Zielen, die die Länder jetzt vorgelegt haben, eher Richtung 3 Grad Erwärmungspfad sind. Deswegen müssen alle Länder ihre Ambitionen nach und nach steigern. Das ist umungänglich. Die USA sind international gesehen relativ isoliert in ihrer Entscheidung, aus dem Pariser Klimabkommen auszusteigen. Das hat die Reaktion auf die Ausstiegsankündigung von Donald Trump deutlich gezeigt. Aber auch im Inland sehen wir ganz positive Entwicklung von Alianzen, von Bürgermeistern, aus Städten, verschiedener Staaten, die an diesen Zielen festzuhalten. Und auch die Wirtschaft fordert, die ganze Politik von der Vorgängerregierung beizubehalten, auch um international wettbewerbsfähig zu bleiben.

domradio.de: Der Klimaschutz ist eines der zentralen Themen bei den derzeit laufenden Sondierungsgesprächen in Berlin. Was ist denn Ihre konkrete Forderung an die Politik?

Marten: Es mangelt hauptsächlich an der nationalen Umsetzung der Ziele. Wir müssen an den Zielen, die bereits da sind, festhalten. Der Klimaschutzplan 2050 sieht darüber hinaus auch verschiedene Sektorziele vor. Also, dass jeder Sektor seine eigenen Ziele hat, zum Beispiel in Sachen Emissionsreduktion. Diese müssen dringend mit Maßnahmen zur konkreten Umsetzung hinterlegt werden. Außerdem ist Deutschland immer noch Kohleverbrennungs-Weltmeister. Das heißt, wir brauchen unbedingt ein Fahrplan für einen Kohleausstieg.  

Das Interview führte Uta Vorbrodt

(DR)

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