Ein Gottesdienst in Chisinau, der Hauptstadt der Republik Moldau
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Blick auf Chisinau, die Hauptstadt der Republik Moldau
Blick auf Chisinau, die Hauptstadt der Republik Moldau

27.10.2021

Moldawien kämpft mit sich und der Corona-Pandemie Ein Land in der Dauerkrise

Moldawien leidet sehr unter der Pandemie. Stefan Schocher hat mit seinem Bericht über das Land den Recherchepreis Osteuropa des Hilfswerkes Renovabis gewonnen. Impfstoff sei genug da, sagt der Journalist. Das Problem sei ein anderes.

DOMRADIO.DE: Wie haben Sie das Land und die Menschen in Moldawien erlebt?

Stefan Schocher (Journalist und Buchautor): Das ist ein Land, das sich momentan sehr, sehr intensiv entwickelt und in dem sich sehr viel tut, sowohl gesellschaftlich als auch politisch. Es ist aber doch nach wie vor ein Land mit einem extremen Stadt-Land-Gefälle und natürlich auch mit regionalen Konfliktfeldern - Stichwort Transnistrien (Auf dem vollständig innerhalb der Grenzen der Republik Moldau gelegenen Gebiet leben rund eine halbe Million Menschen, Anm. d. Red.).

DOMRADIO.DE: Warum ist denn die Impfquote in Moldawien so niedrig?

Schocher: Die Pandemie in Moldawien ist mit einem ganz intensiven innenpolitischen Konflikt einhergegangen. Da ging es auch um die Ausrichtung des Landes. Impfungen beziehungsweise auch ausländische Spenden waren da durchaus ein Politikum; Russland hat gespendet, Rumänien ebenfalls. Viele Spenden kamen aber auch von EU-Staaten. Und diese Spenden wurden vor allem von der alten Regierung instrumentalisiert und politisiert. Das hat zu einem sehr weitverbreiteten Misstrauen geführt und das Ganze dann noch gewürzt mit Verschwörungstheorien, die im Internet kursieren - das kennen wir ja auch Deutschland und Österreich. Die neue Regierung versucht aber, die Pandemie zu entpolitisieren.

DOMRADIO.DE: Also, das Vertrauen ist nicht da ist in die Politik. Wie sieht es mit dem Impfangebot aus?

Schocher: Das Angebot ist an und für sich vorhanden. An Impfstoffen mangelt es nicht. Man kann sich auch im kleinsten Dorf impfen lassen. Das Vertrauen in die Institutionen ist sicher eine Sache, aber wie gesagt, von politischer Seite aus gab es durchaus geschürte Agitation gegen einzelne Impf-Produkte, die da am Markt sind. Da wurden einige Impfstoffe gezielt präferiert. Die ehemalige Regierung hat ganz massiv auf den russischen Impfstoff Sputnik V gesetzt und die anderen Produkte diskreditiert. Das hat schon Wirkung gezeigt.

DOMRADIO.DE: Selbst bei uns in Deutschland waren die Kliniken zeitweise an ihren Belastungsgrenzen. Wie sieht das in Moldawien aus?

Schocher: Die Pandemie hat sich zu einer Dauerkrise in Moldawien entwickelt. Die Kliniken waren immer an der Belastungsgrenze, das war von Anfang an so und das zieht sich halt jetzt weiter. Es ist aber auch ein Land, wo die großen Spitäler in wenigen Städten des Landes sind und viele Dörfer zum Beispiel schlicht und ergreifend nicht die medizinische Abdeckung haben.

DOMRADIO.DE: Moldawien gilt als eines der ärmsten Länder in Europa und innerhalb des Landes gibt es Regionen, die besonders arm sind. Wie ist die Situation der Menschen dort?

Schocher: Das medizinische Grundangebot ist einigermaßen flächendeckend. Wenn wir zum Beispiel von Polikliniken sprechen, da gibt es auch ein Impfangebot. Wenn es aber um eine medizinische Intensivversorgung geht, ist das sehr dürftig. Das liegt schlicht und ergreifend an den entlegenen Gebieten und da sind vor allem auch Dörfer von Abwanderung geprägt, Dort bleiben überwiegend nur ältere Menschen. Das hat natürlich massive Auswirkungen.

DOMRADIO.DE: Was muss Europa tun, um Moldawien zu helfen?

Schocher: Ich glaube, was sich in dieser Pandemie vor allem in Moldawien gezeigt hat, ist, dass es ganz klare politische Ansagen braucht. Es braucht klare Perspektiven und eine eindeutige, klare und durchaus selbstkritische Rhetorik. Ich glaube, das ist wahrscheinlich das, was, nachdem der politische Schaden in Moldawien angerichtet worden ist, das Wichtigste ist: klare Ansagen, klare Botschaften.

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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