Bischof Rudolf Voderholzer
Bischof Rudolf Voderholzer
Wolfgang Picken
Dr. Wolfgang Picken

03.09.2021

Bischof Voderholzer sucht Alternativen Kritik am Synodalen Weg

Synodaler Weg ja - aber nicht so! So könnte man den überraschenden Vorstoß des Regensburger Bischofs Voderholzer kurz zusammenfassen. Auf einer neuen Plattform sammelt er Alternativ-Vorschläge zum offiziellen Reformdialog.

Aus Unzufriedenheit mit dem Fortgang des katholischen Reformprojekts Synodaler Weg hat der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer am Freitag eine neue Internetplattform für alternative Reformvorschläge gestartet. "Wir gehen den Synodalen Weg mit, kommen aber mehr und mehr zu der Überzeugung, dass er in den bisher gefahrenen Gleisen nicht ans Ziel führen kann", betonte der Bischof auf www.synodale-beitraege.de: "Wir sind der Überzeugung, dass nur ein Synodaler Weg gut und zielführend ist, der mit und in der ganzen Kirche gegangen wird."

Voderholzer gehört zusammen mit dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki zu den prominentesten Kritikern des Projekts, das die Bischofskonferenz und die Laienvertretung ZdK (Zentralkomitee der deutschen Katholiken) 2019 gestartet haben - vor allem als Reaktion auf den Missbrauchsskandal und die daraus resultierende Vertrauenskrise. In vier thematischen Foren diskutieren die mehr als 200 Delegierten über die Themen Sexualmoral, priesterliche Lebensform, Macht und Gewaltenteilung sowie die Rolle von Frauen in der Kirche.

Neue Internetplattform

"Die Zusammensetzung der Foren der Synode und ihre Diskussionskultur erschweren einen angemessenen Dialog", heißt es in einer Mitteilung des Bistums Regensburg. Voderholzer ergänzte, die auf der neuen Plattform gesammelten Argumente seien auch in den offiziellen Debatten vorgebracht worden: "Aufgrund der dort herrschenden Mehrheitsverhältnisse wurden und werden sie aber bislang nicht berücksichtigt."

Auf der neuen Seite wurde zunächst ein Diskussionsbeitrag zum Forum "Macht und Gewaltenteilung" vorgelegt von Synodalen, die mit dem Inhalt des in ihrem Gremium verabschiedeten Textes unzufrieden sind und beklagen, dass ihre "inhaltlichen Eingaben keine angemessene Beachtung gefunden haben". Autoren sind die Journalistin Alina Oehler (30), die Wiener Theologieprofessorin Marianne Schlosser (61), Augsburgs Weihbischof Florian Wörner (53) und der Bonner Stadtdechant Wolfgang Picken (54).

Weitere Veröffentlichungen geplant

Im Mittelpunkt stehe das Bemühen um die Einheit mit der Weltkirche und dem Papst, betonte Picken: "Uns ist es wichtig, dass der synodale Prozess nicht in Frustration endet und in eine Spaltung führt, sondern konstruktive Ergebnisse entwickelt." Der Text empfehle daher im Hinblick auf kirchliche Entscheidungsprozesse ein höheres Maß an Transparenz und Kommunikation sowie eine verlässliche Beteiligung von Laien. Zudem fordere man einen kooperativen Leitungsstil und eine Delegation von Verantwortung.

In seinem aktuellen Podcast bekräftigte Picken seine Kritik am Synodalen Weg. Schon die Zusammensetzung der vier Synodalforen sei "einseitig" und ein "Musterbeispiel für fehlende Demokratie und Mitbestimmung". Reformkritische Stimmen würden übergangen oder ausgebremst.

Voderholzer kündigte an, man plane weitere Veröffentlichungen beispielsweise über die "Bewahrung der Schöpfung", über eine "Missionarische Pastoral" und das "Kirchesein in postpandemischen Zeiten". Bereits jetzt auf der Seite zu lesen sind unter anderem der Brief von Papst Franziskus an die Katholiken in Deutschland sowie etliche kritische Anmerkungen aus Deutschland und der Weltkirche, darunter auch der alternative Satzungsentwurf zum Synodalen Weg von Woelki und Voderholzer.

Kein Kommentar von DBK und ZdK

Die Deutsche Bischofskonferenz und das ZdK wollten den Vorstoß auf Anfrage nicht kommentieren. Es stehe jedem frei, über die Themen des Synodalen Wegs zu diskutieren und Beiträge dazu zu veröffentlichen, betonte eine ZdK-Sprecherin.

Die Initiative "Wir sind Kirche" kritisierte die neue Internetplattform als gezielten Angriff gegen das innerkirchliche Reformvorhaben. Voderholzers Vorgehen sei ein "starker Affront gegen die anderen deutschen Bischöfe". Diese müssten sich deshalb "erneut und mit aller Kraft" zum Reformprozess bekennen, wenn dieser nicht zur Farce werden solle.

Gottfried Bohl
(KNA)

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