Homosexuelles Paar mit Regenbogenfahne
Homosexuelles Paar mit Regenbogenfahne
Bischof Genn, Vorsitzender des Synodalforums "Priesterliche Existenz heute"
Bischof Felix Genn

01.07.2021

Bischof Genn zeigt Verständis für Homosexuelle Viele fühlten sich verletzt

Der katholiche Bischof von Münster, Felix Genn, hat Verständnis für die Proteste gegen das vatikanische Nein zum Segen für Homosexuelle. Äußerungen der Kirche in den letzten Jahren hätten die Menschen verletzt.

Es stelle sich die Grundfrage, wie die Kirche mit Menschen umgeht, sagte er am Donnerstag im Interview des Münsteraner Portals kirche-und-leben.de. "Das gilt grundsätzlich, aber noch einmal besonders mit Blick auf homosexuelle Menschen, die über Jahre und Jahrzehnte durch Äußerungen der Kirche verletzt wurden." Die vatikanische Glaubenskongregation hatte Mitte März erklärt, die Kirche habe keine Vollmacht, Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts zu segnen.

Diskussionen beim Reformdialog

Genn erinnerte daran, dass bei der Familiensynode 2014 und 2015 im Vatikan aus der deutschsprachigen Gruppe ein Text für das Synodendokument eingebracht wurde. Darin werde vorgeschlagen, dass sich die Verantwortlichen der Kirche für ihren Umgang mit homosexuellen Menschen entschuldigen sollen. Dieser nicht in das Abschlussdokument aufgenommene Text sollte nach Ansicht des Bischofs Thema beim aktuellen Reformdialog Synodaler Weg der katholischen Kirche in Deutschland werden.

Widerstände in der Gesellschaft

Nach den Worten des Bischofs stößt in einer Gesellschaft, die stark vom Gedanken der Gerechtigkeit und Gleichberechtigung geprägt sei, auch die kirchliche Lehre über den Ausschluss der Frauen vom Weiheamt auf Widerstand. Unter dem Aspekt der Gerechtigkeit sei er "ganz und gar auf der Seite der Frauen und auch auf der Seite der homosexuellen Menschen." An verschiedenen Stellen im Vatikan habe er deutlich gesagt, dass es bei diesen Fragen nicht nur um Moral und Dogmatik gehe. Doch bleibe auch die berechtigte Frage, ob es über den Aspekt von Gerechtigkeit und Diskriminierung hinaus eine Ebene gebe, "die verstehen lässt, warum die Kirche an diesem Punkt lehrt, was sie lehrt". Die Spannung sei übergroß.

Offener Suchprozess

Nach den Worten Genns befindet sich die Kirche momentan in einem offenen Suchprozess, "der schlichtweg alles betrifft". Auf die Frage, ob es ein Konzil brauche, sagte er, dass ein Papst und vielleicht auch schon Franziskus zur Überzeugung kommen könne, dass es einer solchen Versammlung oder zumindest einer repräsentativen Synode für einen weltkirchlichen Austausch bedürfe. Auf jeden Fall sei es großartig, dass Franziskus mit der von ihm angekündigten "Welt-Synode" einen "ganz offenen Raum" eröffnet habe und den deutschen Synodalen Weg für die ganze Welt geweitet habe.

Zugleich warnte Genn vor der Gefahr, dass die Deutschen in der Weltkirche als Besserwisser wahrgenommen werden. "Wenn der Eindruck entstünde: Wir deutschen Katholiken wissen es schon und machen es schon mal, und ihr anderen werdet vielleicht auch irgendwann dahin kommen - das wäre fatal und ist hochgefährlich."

(KNA)

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