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Bernd Hagenkord, Theologe und ehemaliger geistlicher Begleiter des Synodalen Wegs
Bernd Hagenkord, Theologe und ehemaliger geistlicher Begleiter des Synodalen Wegs

28.11.2020

Geistlicher Begleiter zu einem Jahr Synodaler Weg "Es ist ganz anders gekommen als gedacht"

Vor einem Jahr hat die katholische Kirche am ersten Advent den Synodalen Weg begonnen. Pater Bernd Hagenkord, geistlicher Begleiter des Reformprozesses, blickt zurück auf eine ereignisreiche kalendarische Etappe.

DOMRADIO.DE: Der erste Geburtstag ist ein Grund zum Feiern, oder?

Pater Bernd Hagenkord SJ (Geistlicher Begleiter des Synodalen Wegs): Auf jeden Fall. Als wir angefangen haben, wussten wir nicht so genau, auf was wir uns da eingelassen haben. Jetzt, am ersten Geburtstag, haben wir festgestellt, die Befürchtung hatten wir zu Recht. Es ist ganz anders gekommen als gedacht. Aber ich glaube, ein erster Geburtstag ist auf jeden Fall ein Grund zum Feiern.

DOMRADIO.DE: Was ist anders gekommen?

Hagenkord: Die Corona-Pandemie. Wir hatten ja einen klaren Ablaufplan, wie etwas passieren sollte, wann was getagt wird und man was vorgelegt wird. Das hat alles nicht passieren können. Das mussten wir alles verschieben.

DOMRADIO.DE: Wo steht denn der Synodale Weg gerade? Auf welcher Etappe, würden Sie sagen, kann man ihn gerade verorten?

Hagenkord: Das weiß ich nicht so genau. Nach dem ursprünglichen Plan sind wir immer noch ganz am Anfang. Aber ich glaube, wir müssen überlegen, ob wir das nicht ganz neu justieren und einen anderen Ablauf planen, weil ja auch nicht absehbar ist, dass jetzt in den nächsten Monaten alles anders wird.

Von daher würde ich sagen: Wir haben einen guten Start hingelegt. Wir haben angefangen, an Texten und zu arbeiten. Es wurden diese vier Foren gebildet. Dann gab es die ersten Rückmeldungen. Es gab Regionalkonferenzen. Es gab Zwischenrückmeldungen dazu. Da sind wir ganz gut. Aber wir sind längst noch nicht so weit, dass ich sagen würde, wir sind kurz davor, irgendwelche Beschlüsse zu fassen, Texte zu verabschieden, Initiativen zu starten.

DOMRADIO.DE: Wichtiges Thema des Synodalen Weges ist natürlich der Skandal um den sexualisierten Missbrauch in der Kirche. Man könnte gerade so ein bisschen den Eindruck gewinnen, die Kirche verstrickt sich da immer weiter, als dass sie sich raus arbeitet.

Hagenkord: Was man nicht machen kann, ist, mit dem Synodalen Weg konkrete Probleme aufarbeiten. Ich sehe das auch genauso fassungslos wie alle anderen auch, obwohl ich das nur aus den Medien mitbekomme, was in Köln beispielsweise passiert.

Auf der anderen Seite reden wir ja über Autorität im Synodalen Weg. Wir reden über Macht in der Kirche, Machtverteilung, Rechenschaftspflicht und so weiter. Das kann man nicht machen, ohne nicht gleichzeitig auch auf den Missbrauch von Macht zu blicken. Ob das nun sexualisierte Gewalt ist oder andere Formen von Missbrauch, von Autorität und Macht. Von daher hat das schon eine ganz wichtige Rolle.

Ich würde Ihnen zustimmen: Es werden immer wieder Beispiele deutlich, wo das in der Vergangenheit oder in der Gegenwart nicht funktioniert. Da müssen wir sehr deutlich drüber reden, denn so kann das ja nicht weitergehen. So ist das ja nicht tragfähig, das, was wir da als christliche Gemeinschaft sein wollen.

DOMRADIO.DE: Schauen wir mal nach Rom. Man hat das Gefühl, auch da wird gemauert. Der Papst zum Beispiel hat am Mittwoch gesagt, dass er von diesem "Synodalen Weg" nicht besonders viel hält. Haben Sie da schlucken müssen, als Sie das gehört haben?

Hagenkord: Ich habe erstmal schlucken müssen, weil er auch ganz klar "Synodaler Weg" sagt. Aber der Papst formuliert manchmal ja auch etwas holzschnittartig. Da muss man genauer hingucken, was er da gesagt hat. Und was er nicht will, ist ein Entscheidungsprozess, der sich von den geistlichen Fundamenten her löst. Dass er da vor allen Dingen das demokratische Entscheiden kritisiert, finde ich auch ein bisschen merkwürdig.

Aber was er will, ist, dass es nicht nur um Mehrheiten geht, dass es nicht nur ums Abstimmen geht, sondern es muss ein geistlicher Weg sein. Es muss ein geistlicher Prozess sein. Es muss mit Gebet zu tun haben. Wenn ich mir das angucke, was wir mit dem Synodalen Weg machen, dann sind wir gar nicht so weit weg von dem Grundanliegen des Papstes. Da würde ich sagen, er sagt zwar "Synodaler Weg" und kritisiert den. Das trifft aber das, was wir in Deutschland machen, nicht so wirklich.

DOMRADIO.DE: Würden Sie also sagen, um den geistlichen Prozess ist es nach wie vor gut bestellt, das heißt, um das Ernstnehmen des Evangeliums zum Beispiel oder der geistlichen Botschaft, die dahinter steckt?

Hagenkord: Auf jeden Fall. Wenn ich mir die Teilnehmerinnen und Teilnehmer angucke, wenn ich mit denen spreche, dann ist das ein riesen Anliegen hinter allem, was wir tun. Das ist kein Verein, der sich da trifft, sondern tatsächlich kommen alle mit einem tiefen geistlichen Anliegen. Das würde ich auf jeden Fall sagen.

Auf der anderen Seite ist es natürlich bleibende Diskussion, wie wir das umsetzen und wie das in die Methodik umgesetzt wird. Da sind wir, glaube ich, noch nicht wirklich an einem Punkt, wo ich sagen würde, wir sind uns einig und das Geistliche ist wirklich fester Bestandteil dessen, was wir tun. Da ist es ja immer so: Kaffeepausen und Gebet, die leiden immer fürchterlich, weil dann noch etwas ganz anderes Wichtiges kommt. Da müssen wir noch lernen, dass zum Beispiel solche Dinge wie Unterbrechungen genauso wichtig sind wie Reden. Da arbeiten wir noch dran. Aber insgesamt gehört das eben auch in den Prozess hinein. Und ich finde es gut, dass das Thema ist, dass darüber gesprochen wird und dass wir das weiterentwickeln.

DOMRADIO.DE: Sind Sie also nach wie vor zuversichtlich, dass dieser Synodale Weg die katholische Kirche in Deutschland auch in eine hoffnungsfrohe Zukunft steuert?

Hagenkord: In dem Sinne, dass wir überhaupt nicht wissen, wo der Synodale Weg kommt. Gerade mit Corona hat uns das ja nochmal alles zerschossen, was wir an Überlegungen hatten. Das ist ein Risiko. Das ist eine Offenheit. Aber ich bin da sehr offen, optimistisch und zuversichtlich.

Das Interview führte Verena Tröster.

(DR)

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