Pfarrer Dr. Wolfgang Picken, Stadtdechant von Bonn
Pfarrer Dr. Wolfgang Picken, Stadtdechant von Bonn

31.01.2020

Bonner Stadtdechant Picken zur Synodalversammlung "Da ist viel Musik drin"

In Frankfurt begibt sich die katholische Kirche auf den Synodalen Weg. Mit als Delegierter des Erzbistums Köln dabei ist auch der Bonner Stadtdechant Wolfgang Picken. Sein erstes Fazit der Synodalversammlung: "Da ist viel Musik drin".

DOMRADIO.DE: Sie sind delegiert vom Priesterrat. Wie ist Ihr erster Eindruck von der ersten Synodalversammlung des Synodalen Weges?

Pfarrer Dr. Wolfgang Picken (Bonner Stadtdechant und Delegierter des Erzbistums Köln auf dem Synodalen Weg): Es ist schon mal sehr beeindruckend zu sehen, wenn ein Querschnitt der gesamten katholischen Kirche in Deutschland zusammenkommt. Es ist sehr vielfältig, sehr bunt.

Es machte schon Eindruck, als man gestern zum Gottesdienst in den Frankfurter Dom eingezogen ist. Gemeinsam mit dieser Kirche zu gehen und sich bei diesem Weg dann langsam auch bewusst zu werden, welch eine große Verantwortung in diesem Dialogprozess liegt – und welche Chancen er bringt – ist die Herausforderung. Beim Gottesdienst haben wir einen sehr energischen, und ich glaube auch mit Zielen in diesen Prozess gehenden Kardinal Marx als Zelebranten erlebt.

Was für viele ganz interessant war: Am Ende gab es sechs Mitglieder aus der Synode, die aus Ihrer persönlichen Sicht deutlich gemacht haben, was sie mit der Synode verbinden, warum sie hier sind oder warum sie überhaupt noch mit Kirche unterwegs sind. Das hat ein sehr breites Feld von Themen, Erwartungen und Generationen abgebildet. Aber auch von unterschiedlichen Aufgaben, denn es war beispielsweise auch ein Bischof dabei, der das Wort ergriffen hat. Das machte deutlich: Da ist viel Musik in diesem Synodalen Weg.

DOMRADIO.DE: Musik ist nicht immer harmonisch. Es ist ein sehr breites Spektrum, das wir hier sehen. Auf der einen Seite gibt es Ordensfrauen, die gesagt haben, dass sie schon seit über tausend Jahren Erfahrung mit Frauen in Leitung haben. Auf der anderen Seite Bischof Oster, der signalisiert hat: Es muss auf Gott selber ankommen, er muss in unserer Mitte sein. Kriegt man das zusammen?

Picken: Ich fand, das war schon ein schöner Blumenstrauß. Das hat sich gar nicht unbedingt widersprochen – die verschiedenen Ideen, die die Menschen mit der Synode verbinden. Die Frage ist: Wird man die Großzügigkeit haben, dass das gut nebeneinander stehen kann – und findet man Wege, in denen dieses Miteinander auch möglich bleibt? Aber wenn man in so einem Dom versammelt ist und einfach spürt, dass es etwas gibt, das uns von außen und von innen zusammenhält, glaube ich, könnte das möglich sein. Man kann das jetzt natürlich noch nicht prognostizieren. Gestern war man irgendwie so in "Hab acht"-Stellung, und man hat freundlich, mehr oder weniger überzeugt applaudiert.

Ich denke, heute wird es sehr darauf ankommen, ob die Geschäftsordnung, also die Dinge, wie wir miteinander reden, so gestaltet sein wird, dass jeder im synodalen Prozess auch den Eindruck hat, er kann sich so beteiligen, wie er sich das vorgestellt hat. Da, glaube ich, gibt es schon ein bisschen Rumoren in der synodalen Versammlung, was ich so mitbekomme. Und deshalb sind wir sehr gespannt auf den weiteren Verlauf.

DOMRADIO.DE: Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat gestern gesagt, man müsse einander immer im gegenseitigen Respekt begegnen, aufeinander zugehen und immer auch daran denken, Gott selber sei ja auch in der Mitte.

Picken: Ja, genau das, denke ich, ist das Entscheidende. Aber respektvoll Zuhören heißt eben auch: Wir haben 230 Delegierte, die sich an diesem Prozess beteiligen, die reden wollen, die hierher gekommen sind, um diese Diskussionen mit anzustoßen. Ich weiß, dass das nicht einfach ist, 230 Leute ins Gespräch zu bringen. Das wird aber wichtig sein, sodass nicht die Hälfte oder mehr der Delegierten den Eindruck haben: Wir kommen nicht zu Wort, wir können uns in diesen Foren, dort wird ja die entscheidende Musik stattfinden, nicht beteiligen.

Wie kann das sichergestellt werden? Die Vorgaben, die wir gegenwärtig haben, zeigen nicht, dass das möglich sein wird – und das wird enttäuschend für manche. Es hat ja jeder gesagt, welchem Forum er eigentlich beitreten will. Wenn aber wirklich die Foren sich nur aus 30 Leuten zusammensetzen, könnte das für manche heute eine Überraschung werden. Zudem sind bedauerlicherweise die Listen derer, die in diese vier Foren kommen, irgendwie geheime Verschlusssache. Wir kennen die alle nicht. Aber die synodale Versammlung soll am Ende ja entscheiden, wer denn in diese Runden kommt.

Wenn man aber die Namen nicht kennt, sich mit den Personen nicht hat auseinandersetzen können und viele da nicht dabei sind, dann könnte das schwierig sein. Wenn wir davon ausgehen, dass 120 Leute dann in etwa in den Foren drin sind und zudem noch die Fachleute mit drin sind, dann wäre die Hälfte der Delegierten außen vor. Das könnte ein bisschen infrage stellen, ob man wirklich gut hinhören will.

Das Interview führte Ingo Brüggenjürgen.

(DR)

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