Bischof Wiesemann zum Synodalen Weg

"Hohe moralische Verbindlichkeit"

An diesem Freitag geht die Synodalversammlung in Frankfurt mit ihrer inhaltlichen Arbeit weiter. Vorab betont der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann die seiner Ansicht nach hohe Verbindlichkeit im Reformdialog "Synodaler Weg".

Bischof Karl-Heinz Wiesemann im Portrait / © Elisabeth Schomaker (KNA)
Bischof Karl-Heinz Wiesemann im Portrait / © Elisabeth Schomaker ( KNA )

"Mehrheitsentscheidungen müssen von zwei Dritteln der Versammlung und von zwei Dritteln der Bischöfe getragen werden. Solche Entscheidungen haben für mich eine sehr hohe moralische Verbindlichkeit", sagte er im Interview der "Rheinpfalz" (Freitag).

In der Satzung zum Synodalen Weg heißt es dazu: "Beschlüsse der Synodalversammlung entfalten von sich aus keine Rechtswirkung." Die "Vollmacht der Bischofskonferenz und der einzelnen Diözesanbischöfe", im Rahmen ihrer jeweiligen Zuständigkeit Rechtsnormen zu erlassen und ihr Lehramt auszuüben, bleibe "durch die Beschlüsse unberührt".

"Alle deutschen Bischöfe gehen diesen Weg mit"

Zum Hinweis, manche Bischöfe warnten vor einer Spaltung und seien nicht glücklich über den Synodalen Weg, merkte Wiesemann an: "Alle deutschen Bischöfe gehen diesen Weg mit. Auch wenn einzelne im Vorfeld gesagt haben, dass sie, sollte der Prozess aus ihrer Sicht fehllaufen, überlegen wollen, auszusteigen." Man solle versuchen, Entscheidungen mit großen Mehrheiten zu treffen - "einmütig. Was aber nicht einstimmig bedeutet."

Kirche könne nie darauf aus sein, Spaltung zu produzieren, ergänzte der Bischof: "Auf der anderen Seite darf sie aber nicht wichtigen Fragen und Debatten, die aus dem Kirchenvolk eingebracht werden, ausweichen. Wir können nicht einfach sagen: Es ist Schluss der Diskussion."

"Es wird keinen deutschen Sonderweg geben"

Auch wenn die Kirche in Deutschland bei manchen Themen keine Beschlüsse fassen könne, sei es wichtig, auch über Frauen in der Kirche, den Zölibat und die katholische Sexualmoral zu diskutieren: "Es wird keinen deutschen Sonderweg geben, wie manche befürchten. Aber wir haben die Pflicht, diese Themen und unsere Erkenntnisse in die Weltkirche einzubringen."

Zum vorbereitenden Forum "Macht und Gewaltenteilung", das er selbst geleitet hatte, sagte Wiesemann, er nehme grundsätzlich alle Gremien in seinem Bistum und deren Beschlüsse sehr ernst und fühle sich auch daran gebunden. Bei der Diözesanversammlung in Speyer etwa sei festgeschrieben: "Sollte ich von Entscheidungen des Gremiums abweichen, bin ich verpflichtet, dies zu begründen."

Es gehe bei dem Forum im Rahmen des Synodalen Wegs keinesfalls um die Abschaffung des Bischofsamtes, ergänzte der Bischof: "Es geht darum, es einzubinden in durchschaubare Entscheidungsprozesse, die einerseits der Verantwortung des Amtes entsprechen und andererseits modernen Transparenz- und Kontrollvorstellungen Genüge tun." Die Vertuschung des sexuellen Missbrauchs zum Beispiel sei auch "entstanden, weil es zu wenig Beteiligung und Kontrolle gab".

Quelle:
KNA
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