Reformdebatten: Kirche auf dem Weg
Symbolbild Kirche auf dem Weg
Didier Norman Raymond Berthet, Bischof von Saint-Dié
Didier Norman Raymond Berthet, Bischof von Saint-Dié

25.01.2020

Französischer Beobachter äußert sich zur Kirche in Deutschland "Brüderlicher Delegierter"

Didier Berthet ist Bischof von Saint-Dié am Fuße der Vogesen. Als "brüderlicher Delegierter" beobachtet er im Auftrag der Französischen Bischofskonferenz den Synodalen Weg in Deutschland. Er zeigt sich optimistisch und skeptisch zugleich.

Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA): Bischof Berthet, wie kam es, dass Sie als Beobachter der Französischen Bischofskonferenz am Synodalen Weg in Deutschland teilnehmen?

Bischof Didier Berthet (Bischof von Saint-Dié): Ich bin seit einiger Zeit der offizielle Verbindungsmann zwischen Deutscher und Französischer Bischofskonferenz, vor allem, weil ich recht gut Deutsch spreche. Und da war es logisch, dass ich auch als Beobachter zum Synodalen Weg entsandt wurde.

KNA: Was erwarten Sie vom Synodalen Weg?

Berthet: Als Delegierter der Kirche im größten Nachbarland sehe ich meine wichtigste Aufgabe darin, dieses Ereignis mitzuerleben und aufmerksam zuzuhören. Es gibt auch in Frankreich katholische Laien, die fragen, wie das Leben der Kirche synodaler werden kann. Bei unserer letzten Bischofs-Vollversammlung hatten wir Laien dabei aus unterschiedlichen Bewegungen und Gemeinschaften. Sie haben sich unter dem Namen "Promesse d'Eglise" (Kirche als Verheißung) versammelt.

Auch dort gibt es Forderungen nach einer weniger klerikalen und weniger autoritär agierenden Kirche. Und da können wir vielleicht einige Anregungen aus Deutschland erhalten, selbst wenn es bei uns nicht in Richtung einer nationalen Synodenversammlung geht.

KNA: Welche Unterschiede gibt es zwischen der katholischen Kirche in Deutschland und in Frankreich?

Berthet: Es gibt Gemeinsamkeiten: Auch bei uns hat der Missbrauchsskandal dazu geführt, dass wir darüber nachdenken, wie Autorität in der Kirche anders gelebt werden kann. Aber unsere kirchliche Kultur ist anders, und auch das kirchliche Klima. Bei uns gibt es eher spirituelle Bewegungen und Gemeinschaften, das ist personell eher überschaubar, solche Strukturen wie das ZdK gibt es in Frankreich nicht. Und vom ZdK kommen ganz konkrete kirchenpolitische Forderungen, das gibt es bei uns so nicht.

KNA: Kommen wir zurück zum Synodalen Weg. Welche Ergebnisse erwarten Sie?

Berthet: Für mich sind die Resultate weniger wichtig, entscheidend ist der Weg. Ich glaube fest daran, dass der Heilige Geist in einer synodalen Versammlung wirkt, und deshalb sollte man ihn nicht behindern, indem man bestimmte Ergebnisse von vorneherein fixiert.

KNA: In Deutschland gibt es aber schon einige sehr klare Positionierungen, was man erreichen will, etwa bei der Weihe von Frauen.

Berthet: Da würde ich unterscheiden. Die deutsche Synode sollte durchaus diese Fragen stellen, das ist wirklich interessant und wichtig, aber sie hat nicht die Kompetenz sie zu entscheiden. Diese großen Fragen wie die Frauenweihe können nur auf der Ebene der Weltkirche entschieden werden. Mir scheint, dass auch Papst Franziskus in seinem Brief an das Volk Gottes in Deutschland das so geschrieben hat.

KNA: Mal angenommen, der Synodale Weg votiert für die Frauenweihe, würde das auch unter Frankreichs Katholiken Zustimmung finden?

Berthet: Einige würden sich dem sicher anschließen, aber ich weiß nicht, ob große Teile der katholischen Kirche in Frankreich hinter einer solchen Forderung stehen würden. In Gesprächen mit Gläubigen in meinem Bistum wird auch immer wieder diese Frage nach den Frauenrechten gestellt, aber eher als Frage, nicht als konkrete Forderung. Aber vielleicht ändert sich das ja auch unter dem Eindruck der deutschen Synodalversammlung, man wird sehen (lacht).

KNA: Zu den großen Problemen der Kirche in Westeuropa zählt die wachsende innere Entfernung der Katholiken von ihrer Kirche...

Berthet: Ich war früher im Großraum Paris als Seelsorger tätig, da habe ich das Phänomen nicht ganz so dringend erlebt, da gibt es viele engagierte Christen, auch junge Familien. Aber jetzt, in der eher ländlichen Diözese Saint-Dié am Fuß der Vogesen merke ich das mit voller Wucht, dass viele Menschen, vor allem viele junge Menschen, der Kirche einfach fernbleiben, dass sie nichts mehr mit der Kirche verbindet. Das ist in ländlichen Gebieten besonders stark zu spüren.

KNA: Und was kann man dagegen tun?

Berthet: Die Pfarreien müssen viel mehr zu echten, geschwisterlichen Gemeinschaften werden. Im Moment halten wir das Netz der Pfarreien noch so eben aufrecht, mit den Gottesdiensten und den sakramentalen Angeboten, aber wir müssen uns fragen: Gibt es noch echtes Leben im Leben unserer Pfarreien? Ein Leben, das auch junge Menschen und junge Familien anzieht? Ich glaube, das ist auch der Sinn des Papstbriefes an die Deutschen, dass er ihnen sagt: Das Entscheidende sind nicht die Ämter, die Strukturen, die Machtverteilung etc., worauf es ankommt ist doch das: Dass wir glaubwürdige Zeugen für Christus sind, dass wir missionarische, geschwisterliche Gemeinschaften sind. Solche Gemeinschaften von Glaubenden sind genau konträr zum vorherrschenden Ideal des Individualismus, der auf Konsum ausgerichtet ist. Aber es gibt diese Suche nach einem Sinn im Leben, da müssen wir anknüpfen.

Ludwig Ring-Eifel
(KNA)

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