27.04.2016

Ein Kommentar zur Resonanz auf Kölner Bischofswort zur Religionsfreiheit Wer ist hier der Antichrist?

"Woelki, der Antichrist!" So lautete eine Reaktion auf das AfD-kritische Bischofswort Kardinal Woelkis zur Religionsfreiheit. Doch wer ist denn hier unchristlich? Ein Kommentar von domradio.de-Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen.

"Woelki, der Antichrist!" Unter dieser Überschrift beklagt Thomas Böhm in einem Blogbeitrag, dass "Kardinal Woelki nicht nur die christliche Lehre verraten", sondern gleichzeitig "das endgültige Ende der katholischen Kirche verkündet" habe. Was ist passiert? Der Kölner Erzbischof hat am Sonntag in seinem aktuellen Bischofswort Klartext gesprochen. Er nahm die jüngsten Äußerungen der AfD-Spitze – "Der Islam ist nicht mit dem Grundgesetz vereinbar" – zum Anlass und machte klar, dass in Deutschland die Religionsfreiheit gilt. Wer "Ja" zum Kirchturm sage, der müsse auch "Ja" zum Minarett sagen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, so sollte man meinen. Gerade in einem Land, in dem unter der NS-Herrschaft Andersgläubige verfolgt und vernichtet wurden.

Die klaren Worte zur Religionsfreiheit des Kölner Kardinals fanden sich schon am frühen Sonntagmorgen in den Agenturen und Nachrichtenportalen. In den Sozialen Medien verbreitete sich die Botschaft Woelkis im Sekundentakt. Das Video wurde bis dato über 300.000-mal aufgerufen und fast 5000-mal geteilt. Vielfach verbunden mit Dank für die "klaren, wahren Worte" des Kölner Kirchenmanns. Der Kardinal erreichte so auch viele Menschen, die vermutlich noch nie eine Kirche von innen gesehen haben: "Hätte nie gedacht, dass ich mal Worte eines Bischofs teile, aber wo er recht hat, hat er recht!" Klar, dass bei so viel Lob auch Kritiker, wie oben genannt, lautstark aufheulten. In den Kommentaren bei Facebook, in Mails und Briefen ans Bischofshaus oder domradio.de machten sie ihrem Ärger Luft: Der Kardinal sei zu politisch, er verunglimpfe die AfD, er kenne den Islam nicht, er sei nicht mehr katholisch und treibe die treuen Christen aus der Kirche… Dabei hatte der Kardinal nur an die für alle geltenden Grundrechte erinnert.

Nach allem was man hört, ist Woelki übrigens auch nach den Angriffen, von denen sehr viele stark beleidigend und unter der Gürtellinie waren, frohgemut und immer noch gut katholisch: Denn schon Papst Paul VI. sprach von den Muslimen als "Brüder im Glauben". Papst Johannes-Paul II., Papst Benedikt XVI. und natürlich Papst Franziskus hatten und haben immer wieder diesen Dialog mit den "Brüdern und Schwestern" des islamischen Glaubens aufgegriffen und vertieft. Offenbar ist der Kölner Kardinal hier also in allerbester Gesellschaft. Da mag so mancher noch so laut aufheulen. Wer von diesen selbsternannten Rettern des christlichen Abendlandes unbedingt einen Antichristen ausfindig machen möchte, dem hilft vielleicht der Blick in den Spiegel.

Ingo Brüggenjürgen
(dr)

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