24.04.2016 - 08:00

Wort des Bischofs "Solche Alternativen für Deutschland brauchen wir nicht!"

Die "Alternative für Deutschland" sorgt mit ihren Aussagen für Diskussionsstoff - und bezeichnet den Islam jetzt sogar als "Fremdkörper". In seinem Bischofswort geht Kardinal Woelki der Frage nach, ob man die AfD überhaupt ernst nehmen sollte - und bietet eine Antwort an.

Muss man die AfD wirklich ernst nehmen? Ich bin ja bereit, die Sorgen und Ängste ernst zu nehmen, von denen, die der selbsternannten "Alternative für Deutschland" ihre Stimme gegeben haben. Die jüngsten Vorschläge der AfD-Parteispitze aber – finde ich –  kann man nicht wirklich ernst nehmen. Diese nennt den Islam eine "politische Ideologie", die nicht mit unserem Grundgesetz vereinbar sei.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Eine ganze Religion, ja, eine der großen Weltreligionen wird hier in gehässiger Absicht an den Pranger gestellt. Ein Blick gerade in das Grundgesetz hätte doch gereicht, um festzustellen, dass wir in unserem Land "Religionsfreiheit" haben. Niemand darf bei uns aufgrund seines Glaubens diskriminiert oder verfolgt werden. Weder Christen noch Muslime. Wer Muslime, so wie die AfD-Parteispitze, verunglimpft, der sollte sich klar machen, dass Gebetshäuser und Moschen hier genauso durch das Grundgesetz geschützt sind, wie unsere Kirchen und Kapellen. Wer "Ja" zu Kirchtürmen sagt, der muss auch "Ja" sagen zum Minarett. Auch wenn die Wiege des Islam genau so wenig in Europa liegt, wie die Wiege des Christentums, so sind beide Weltreligionen in ihrem friedlichen Miteinander hier in Deutschland und Europa inzwischen beheimatet.

Die Religion des Islam ist hier in Deutschland also genauso mit dem Grundgesetz vereinbar, wie das Judentum oder das Christentum. Hier lassen gläubige Muslime, Juden und Christen sich nicht auseinanderdividieren. Jene aber, die die von unserem Grundgesetz garantierte Glaubens- und Religionsfreiheit in Frage stellen, müssen sich selber die Frage stellen, ob sie mit ihren angstschürenden Forderungen den Boden des Grundgesetzes nicht längst verlassen haben. Nein, solche Alternativen für Deutschland brauchen wir nicht! Die Freiheit der Religionen in unserem Land ist ohne Alternative. Gerade unsere leidvolle deutsche Geschichte verpflichtet uns hier ganz besonders: Nie wieder dürfen bei uns Menschen aufgrund ihrer Rasse, Herkunft oder Religion ausgegrenzt und verfolgt werden!

Ihr Rainer Woelki
Erzbischof von Köln