Kardinal Woelki spricht ein Grußwort am Reformationstag
Kardinal Woelki spricht ein Grußwort am Reformationstag

31.10.2014

Erstmals nimmt Kölner Erzbischof an Reformationsgedenken teil Ökumenische Verbundenheit "auch in kritischen Zeiten"

Es war eine Premiere: Zum ersten Mal war ein Kölner Erzbischof beim Reformationsgedenken der Evangelischen Kirche in Köln zu Gast. Rainer Maria Kardinal Woelki sprach ein aufrüttelndes Grußwort.
 

Ökumenische Fortschritte sind nach Ansicht des Kölner Erzbischofs Rainer Maria Kardinal Woelki derzeit vor allem durch gemeinsame Glaubenserfahrungen der Kirchen zu erzielen. Dies "könnte manche Blockade in gegenseitiges Vertrauen wandeln", sagte der Erzbischof am Freitagabend in Köln. Im September 2011 habe der damalige Papst Benedikt XVI. im Augustinerkloster in Erfurt es als zentrale ökumenische Aufgabe der Kirchen bezeichnet, sich gegenseitig zu helfen, "tiefer und lebendiger zu glauben". Diese Aussage gewinne jetzt an "Prägnanz und Brisanz", sagte Woelki.

Der Erzbischof äußerte sich in einem Grußwort beim zentralen Gottesdienst der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) zum Reformationstag auf Einladung von Präses Manfred Rekowski. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit als Erzbischof in Köln sei dies eine "große Freude und Ehre", sagte Woelki. "Ich sehe darin ein Zeichen ökumenisch gewachsener und bewährter Verbundenheit auch in kritischen Zeiten."

Für Katholiken sei der Reformationstag "kein Tag unbeschwerter Freude", sagte der Kardinal. "Das Zerbrechen der Einheit und die darauf folgende Konflikt- und Entfremdungsgeschichte innerhalb des Christentums können für uns kein Grund zum Feiern sein." Doch sei mit Verabschiedung der gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre 1999 der 31. Oktober auch ein Tag der Überwindung gegenseitiger Lehrverurteilungen und des gemeinsamen Bekenntnisses zwischen Lutheranern, Katholiken und inzwischen auch den Methodisten.

Dennoch müsse man nüchtern zur Kenntnis nehmen, dass die jeweiligen Kirchen- und Amtsverständnisse zurzeit nicht miteinander vereinbar seien und teils auf beiden Seiten sogar gegeneinander profiliert würden, so Woelki. Dies gelte auch für Ziel und Weg der Ökumene. Die katholische Seite habe sich von einer "Rückkehr-Ökumene" verabschiedet, strebe aber eine Einheit nach vorheriger Lösung der Kontrovers-Themen an. Die evangelische Seite werbe dagegen immer stärker für eine wechselseitige Anerkennung bei bleibenden Differenzen. Zu hoffen, dass die jeweils andere Seite die eigene Denkweise übernehme, "führt uns alle und die Ökumene insgesamt in eine Sackgasse", mahnte der Erzbischof.

Nach menschlichem Ermessen sei der Weg zur vollen Kirchengemeinschaft und "zu einer wie auch immer gefassten Einheit in Vielfalt" noch weit, so Woelki. Doch könnten sich die Christen schon jetzt im gemeinsamen Beten und Handeln als Einheit in Christus zu erfahren.

Rekowski: Kirchen sollen sich in öffentlichen Diskurs einbringen

Nach Worten des rheinischen Präses Manfred Rekowski müssen sich die Kirchen politisch einmischen, an Gottes Gebote erinnern und für Gerechtigkeit eintreten. "Glaube hat Bodenhaftung und Lebensbezug, oder er ist frömmelnde Spinnerei", sagte der leitende Geistliche der Evangelischen Kirche im Rheinland am Freitag in seiner Predigt zum Reformationstag in Köln. Dabei wolle die Kirche in ihrem Verhältnis zum Staat nicht dominieren, sondern sich in einer pluralen Gesellschaft mit ihren Anliegen in den öffentlichen Diskurs einbringen.

Die Kirche wolle nicht das weltliche Regiment übernehmen, betonte Rekowski. "Einen Gottesstaat anzustreben, ist unvorstellbar." Wo immer das versucht würde, entstünde über kurz oder lang nichts anderes als eine "Hölle auf Erden", egal in welcher Religion. Rekowski verwies auf die Gräueltaten der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). "Da toben Terrorgruppen durch den Irak, versuchen einen Gottesstaat zu schaffen, der, wenn dies nur irgendetwas mit Religion und Glaube zu tun hätte, uns wohl alle hier in dieser Kirche schlagartig zu Atheisten machen würde."

Die Kölner Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes (SPD) würdigte die Kirchen und ihre Mitglieder als "verlässliche Träger unserer Zivilgesellschaft - auf Augenhöhe mit Parteien, Gewerkschaften, Sozial- und Umweltverbänden". Die Kirchen vermittelten Tugenden und Werte, von denen die Demokratie lebe, sagte sie laut Redetext in ihrem Grußwort bei der Reformationsfeier in der Kölner Trinitatiskirche. "Meine persönliche Wahrnehmung ist die, dass gerade die Evangelischen ihren Platz mitten in unserer Gesellschaft immer wieder fest behaupten, indem sie sich streitbar in 'Politisches' einmischen."

Mit dem Reformationstag erinnern evangelische Christen aus aller Welt an den Beginn der Reformation. Vor fast 500 Jahren, am 31. Oktober 1517, verbreitete Martin Luther (1483-1546) in Wittenberg seine 95 Thesen gegen die kirchlichen Missstände seiner Zeit.

(KNA, dr, epd)

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