Papst reist zu kirchlicher Mittelmeer-Konferenz nach Bari
Papst Franziskus verlässt Flugzeug
Papst Johannes Paul II. im Marienwallfahrtsort Tschenstochau 1979
Papst Johannes Paul II. im Marienwallfahrtsort Tschenstochau 1979
Papst Benedikt XVI. 2009 mit Prinz Charles und Ehefrau Camilla
Papst Benedikt XVI. 2009 mit Prinz Charles und Ehefrau Camilla
Wieder auf Reisen: Papst Franziskus besucht Bulgarien und Nordmazedonien
Papst Franziskus im Flugzeug
Papst Franziskus in Abu Dhabi
Papst Franziskus in Abu Dhabi
Patriarch Kyrill I. und Papst Franziskus
Patriarch Kyrill I. und Papst Franziskus

28.04.2020

Wie das Coronavirus den Vatikan ausbremst Ende der Papstreise

Kaum ein Staatsmann tritt bei Auslandsbesuchen mit solchem Rückhalt der Massen auf; kein Popstar genießt solche protokollarischen Rechte: Der Papst reist wie kein Zweiter. Doch jetzt lähmt ihn die Pandemie.

Das Virus dünnt den päpstlichen Kalender aus. Nachdem schon die Osterfeiern statt mit Zehntausenden in einem leeren Petersdom stattfanden, verschob der Vatikan den für September geplanten Eucharistischen Weltkongress in Budapest, das katholische Weltfamilientreffen 2021 in Rom und selbst den Weltjugendtag 2022 in Lissabon. Betroffen sind auch Pastoralbesuche im Ausland. Voraussichtlich wird 2020 das erste Jahr ohne Papstreise seit 1979.

Kombination aus Staatsbesuch und religiösem Massenereignis 

Eine Visite in Malta Ende Mai ist bereits abgesagt. Im September sollte Franziskus neben Osttimor und Papua-Neuguinea auch Indonesien besuchen, das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt; doch örtliche Organisatoren baten um Verschiebung. Auch im Irak hofft man dieses Jahr nicht mehr auf den Papst - und an die ökumenische Friedensreise in den Südsudan mit Anglikaner-Primas Justin Welby, zugesichert im November, ist ohnehin derzeit nicht zu denken.

Die Pandemie lähmt ein bedeutendes Instrument des Heiligen Stuhls; eine einzigartige Kombination von Staatsbesuch und religiösem Massenereignis. Als Souverän des Vatikanstaates betritt der Papst ausländisches Terrain stets nur auf offizielle Einladung und mit allen Ehren. Zugleich kommt er als Hirte seiner Kirche und bewirkt in der Regel eine erhebliche Mobilisierung.

Selbst wenn man Teilnehmerzahlen realistisch eindampft, bringt ein Papstbesuch Hunderttausende, ja manchmal Millionen Menschen auf die Beine und dominiert über Tage das Mediengeschehen. Seine Fahrten tragen teils Züge eines Triumphzugs. Als Staatsgast kann er seine Anliegen auch dort adressieren, wo die katholische Lehre nicht gern gehört wird. Große Gottesdienste dienen dazu, die Vitalität der Ortskirche zu demonstrieren.

Regelmäßige Papstreisen erst seit den 1960er Jahren 

Welchen religionspolitischen Hebel und welche Ausdrucksform kirchlicher Identität Päpste mit dem Reisen in der Hand hielten, entdeckten sie erst in den 1960er Jahren. Davor hatte zuletzt Pius VII. eine längere Kutschfahrt unternommen - 1812 als Gefangener Napoleons nach Fontainebleau. 1964 eröffnete Paul VI. die Reihe der Papstreisen mit einem ökumenischen Versöhnungstreffen in Jerusalem. Johannes Paul II. war es dann, der das besondere Format von politischen Missionen und massenwirksamen Events schuf.

Der Papst aus Polen besuchte bei 104 Reisen 129 Länder, legte fast 1,2 Millionen Kilometer zurück. Seine Weltjugendtagsmesse in Manila 1995 vor einer unübersehbaren Menschenmenge sprengte alle bis dahin bekannten Dimensionen. Als er zu Pfingsten 1979 vor Hunderttausenden in Warschau um eine Erneuerung "dieser Erde" betete, wurde das zum Auftakt jener Bewegung, die zum Untergang des Kommunismus im "Ostblock" führte.

Diese Besuchspolitik setzten seine Nachfolger fort, auch wenn sie bei Amtsantritt jeweils anderes erwarten ließen. Benedikt XVI. liegt mit 3,5 Visiten pro Jahr nicht sehr weit unter dem Schnitt des polnischen Reisepapstes, Franziskus mit 4,5 sogar darüber. Ob es den Oberhirten persönlich in den Reiseschuhen juckt oder nicht: Alle paar Monate in ein Charterflugzeug zu steigen - einen eigenen Jet besitzt der Vatikan nicht - gehört inzwischen zum päpstlichen Leitungsdienst.

Reise nach Indonesien wäre wichtiges Signal 

Gerade auf diplomatisch schwierigem Terrain erwies sich immer wieder als hilfreich, wenn sich der Chef selbst in Bewegung setzte. In Großbritannien konnte Benedikt XVI. die traditionell kühle Stimmung gegenüber dem Katholizismus zum Besseren wenden. Das historische Treffen zwischen Papst Franziskus und dem russischen Patriarchen Kyrill I. war weder in Rom noch in Moskau möglich, aber in Kuba. Dass der Vatikan auf die Arabische Welt zugehen will, erhielt Nachdruck durch den Papstbesuch in Abu Dhabi.

Ein Signal wäre im Herbst die Reise nach Indonesien gewesen, mit 227 Millionen Muslimen das größte islamische Land der Welt. Die Kardinalsernennung von Jakartas Erzbischof Ignatius Suharyo Hardjoatmodjo im Oktober deutete an, dass Franziskus aufmerksam auf diese Region schaut.

Wann er wieder zu solchen Missionen aufbrechen kann, steht dahin. Ihre zwangsläufige Verbindung mit Großereignissen, sonst eine Stärke, zeigt sich in Corona-Zeiten als Schwachpunkt - umso mehr in Ländern ohne solides Gesundheitssystem. Und das sind die meisten, für die sich der Papst interessiert, und größtenteils die Wachstumsregionen der katholischen Kirche in Afrika und Asien.

Von Burkhard Jürgens

(KNA)

Sommeraktion: Meine Heimatkirche

Die Sommeraktion von DOMRADIO.DE: Wir suchen Ihre Heimatkirche. Laden Sie ein Bild hoch und erzählen Sie uns Ihre Geschichte!

Gottesdienste auch auf Facebook und Youtube

DOMRADIO.DE überträgt alle Gottesdienste auch auf Facebook und Youtube und Periscope.

Wichtig: Kein DAB+ mehr in NRW ab Juli

Leider sendet DOMRADIO ab Juli nicht mehr über DAB+ in NRW. Laden Sie sich doch unsere App herunter – kostenlos in den Stores. DOMRADIO hören Sie auch übers Internetradio, Smartspeaker, andere gängige Radio-Apps, in Köln auf UKW 101,7, in Berlin/Brandenburg über DAB+ und natürlich auf DOMRADIO.DE.

Himmelklar Podcast

durchatmen – Der Seelsorge Podcast

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

Messenger-Gemeinde

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

 11.07.2020
06:30 - 11:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • Stadionpfarrer Frankfurt - Fußball ohne Gesang und Emotionen?
  • Anno Domini: Der Schutzpatron Europas
10:15 - 10:20 Uhr

Alle Wetter!

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • Colonia Latina Tour: Interview mit Kim Moralles
  • Sang und Klangfestival startet heute digital
  • 50 Jahre Trennung der Beatles
11:11 - 11:15 Uhr

Wort zum Samstag

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • Colonia Latina Tour: Interview mit Kim Moralles
  • Sang und Klangfestival startet heute digital
  • 50 Jahre Trennung der Beatles
Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…