Nach dem Konklave 2013
Nach dem Konklave 2013
Kardinal Luis Antonio Tagle
Kardinal Luis Antonio Tagle
Beginn des Heiligen Jahres: Franziskus durchschreitet am 8. Dezember 2015 die Heilige Pforte am Petersdom
Beginn des Heiligen Jahres: Franziskus durchschreitet am 8. Dezember 2015 die Heilige Pforte am Petersdom
Zunächst ein ungewohntes Bild
Papst Franziskus und Benedikt XVI.
Papst Franziskus in der Menge
Papst Franziskus in der Menge
Papst Franziskus verlässt die Synodenaula zum Abschluss der Amazonas-Bischofssynode
Papst Franziskus verlässt die Synodenaula zum Abschluss der Amazonas-Bischofssynode
Ein Bischof fotografiert während des Anti-Missbrauchsgipfels am 23. Februar 2019 im Vatikan.
Ein Bischof fotografiert während des Anti-Missbrauchsgipfels am 23. Februar 2019 im Vatikan.
Papst Franziskus in Auschwitz
Papst Franziskus in Auschwitz

13.03.2020

Sieben Jahre Papst Franziskus "Brüder und Schwestern, guten Abend!"

Sieben Jahre Franziskus: Am 13. März 2013 fand das Konklave statt, aus dem Jorge Mario Bergoglio als Papst hervorging. Anlässlich des Jubiläums blickt Kardinal Luis Antonio Tagle auf das bisherige Pontikat des Papstes aus Argentinien.

"Brüder und Schwestern, guten Abend!" So stellte sich am 13. März 2013 Jorge Mario Bergoglio den Gläubigen in Rom und der Weltkirche vor. Einfache Worte mit großer Wirkung: Viele Menschen fühlten sich angesprochen von diesem neuen Papst, der bescheiden lächelte und scherzte, er sei "vom anderen Ende der Welt" gekommen.

Der Reichtum der Lehre und Gesten

Es gebe einen "großen Reichtum der Lehre und Gesten, die wir von Papst Franziskus in diesen letzten sieben Jahren erhalten haben", würdigt Kardinal Luis Antonio Tagle Franziskus’ bisheriges Pontifikat. Eine Gabe dieses Papstes habe ihn persönlich besonders beeindruckt: Franziskus’ Fähigkeit, Nähe herzustellen. Da habe er als "Hirte von Manila" selbst viel lernen können, so der Kardinal, der bis vor wenigen Wochen noch als Erzbischof in der Mega-Metropole auf den Philippinen wirkte.

"Einzelnen Menschen inmitten großer Menschenmengen Aufmerksamkeit schenken. Den persönlichen Kontakt inmitten einer großen Organisation oder der kirchlichen Bürokratie halten. Die eigenen Grenzen akzeptieren und die Notwendigkeit, Mitarbeiter zu haben, inmitten von übermenschlichen Erwartungen, und zu wissen, dass du ein Diener bist und nicht der Retter..."

Diesen Stil habe Jorge Mario Bergoglio in das Papstamt mitgenommen, so Tagle, der Bergoglio schon vor der Papstwahl näher kennengelernt hat.

Der Stil von Papst Franziskus

"Kardinal Bergoglio und ich haben gemeinsam von 2005 bis 2008 im Sekretariat der Bischofssynode gearbeitet. Mich beeindruckt, dass er seine Einfachheit, seinen Humor und seine Gewissenhaftigkeit in das Papstamt mitgenommen hat, die ich an ihm immer beobachtet habe. Bei praktisch allen Begegnungen mit ihm fragt er nicht zuerst zum Tagesgeschäft, sondern sagt: ,Wie geht es Ihren Eltern?’ Viele sehen im Papst einen einflussreichen Motor der Menschheit. Ich sehe in ihm und in unseren Gesprächen eine Parabel der Nähe und des Mitleids Gottes. Als eine solche Parabel kann Papst Franziskus die Geschichte verändern."

Kardinal Tagle blickt auf die Papstwahl vor sieben Jahren zurück, an der er im März 2013 selbst teilgenommen hat – "eine einmalige, vielschichtige Erfahrung", wie er sagt. Bergoglio war 2001 von Johannes Paul II. in den Kardinalsstand berufen worden. Im Konklave dann zeichnete sich die Mehrheit für den Erzbischof von Buenos Aires ab.

"Als Kardinal Bergoglio die erforderliche Stimmenzahl für die Wahl zum Papst erhielt, gab es Freude unter den Kardinälen, sie applaudierten und dankten Gott, der uns erneut gezeigt hatte, dass Er seine Kirche nicht im Stich lassen würde. Kardinal Bergoglio aber saß da mit gebeugtem Kopf. Mein Überschwang wurde zu Pathos. Ich nahm in der gebeugten Haltung des neuen Papstes das ganze Gewicht des Gehorsams wahr, ein Niederknien vor dem mysteriösen Willen Gottes. Als wir uns dann dem Papst anschlossen, um die Menge auf der Piazza San Pietro zu grüßen, wurde mir klar, dass der neue Papst ein Geschenk war, das uns Gott im Laufe dieses Pontifikates langsam enthüllen würde."

Eine arme Kirche für die Armen

Mit Franziskus’ Wunsch, eine "arme Kirche für die Armen" zu schaffen, setze der Papst den Weg Jesu und ein Grundanliegen der Kirche um, erinnert Kardinal Tagle. Die "besondere Liebe, die Christen für die Letzten der Gesellschaft haben müssen" sei "keine Erfindung von Papst Franziskus". Diesen Weg gelte es weiter zu beschreiten, richtet Tagle einen Appell an alle Christen:

"Die Bibel, die Praxis der Kirche seit ihren Anfängen, die Soziallehren der Kirche, das Zeugnis von Märtyrern und Heiligen sowie die beständige Mission der Kirche für die Armen und Verstoßenen im Laufe der Jahrhunderte sind eine Symphonie, die wir hören und in die wir einstimmen sollten, an die wir uns anschließen sollten mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln. Wir sollten hier uns selbst, unsere Zeit, unsere Talente, unseren Reichtum einbringen Ich schlage vor, mehr persönliche Kontakte und Begegnungen mit verletzlichen und armen Menschen zu haben. Doch wir müssen bei solchen Begegnungen zulassen, unser Herz anrühren zu lassen und uns zum Gebet führen lassen, damit wir Jesus hören können, der zu den Armen spricht."

Eine missionarische Kirche

Als ein weiteres wesentliches Element im Pontifikat des argentinischen Papstes sieht der neue Präfekt der Missionskongregation Franziskus’ Anliegen einer "missionarischen Kirche", die zu den Menschen geht und in "konkreten Situationen der Welt" ihre Wirkung entfaltet, "um die Frohe Botschaft durch Worte und Taten zu überbringen", wie Tagle formuliert:

"Mission oder Evangelisierung ist der Daseinsgrund der Kirche. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass Papst Franziskus auch betont, dass Mission von einer echten Begegnung mit Jesus herrühren muss, von einer Erfahrung des Glaubens und der Überzeugung, dass Jesus uns liebt und rettet, und von einem freudigen Herzen, das vom Heiligen Geist dazu bewegt wird, mit den anderen zu teilen, damit unsere Freude vollkommen sein möge (vgl. 1 Joh 1,4). Ohne Jesus und den Heiligen Geist ist Mission kein Hinausgehen, das beim Vater ankommt. Es wird ein menschliches Projekt, ein soziales oder ziviles Programm, das an sich gut sein kann, das aber keine christliche oder kirchliche Mission im wahren Sinne des Wortes Mission ist. Eine authentische christliche Mission braucht authentische Zeugen! Wir brauchen authentische Missionare, nicht nur Arbeiter. Wir hoffen, dass wir diese Orientierung in der Missionskongregation beibehalten und fördern können."

Anlässlich des Pontifikatsjubiläums wünscht Kardinal Tagle dem Papst, "dass er heute weiter die Gaben und das Versprechen Gottes an die Kirche entdecken und bezeugen kann. Möge Papst Franziskus im Gebet und der Liebe vieler Menschen getröstet werden. Heiliger Vater, bleiben Sie gesund und voll Freude!"

Information der Redaktion: Diesen Artikel veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung von "Vatican News".

Anne Preckel und Alessandro Gisotti
(VN)

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