Kardinal Jorge Mario Bergoglio am 7. März 2013 im Vatikan
Kardinal Jorge Mario Bergoglio am 7. März 2013 im Vatikan
Jorge Mario Bergoglio nach seiner Ernennung zum Kardinal am 21. Februar 2001
Jorge Mario Bergoglio nach seiner Ernennung zum Kardinal am 21. Februar 2001

13.12.2019

Erinnerungen zum Goldenen Priesterjubiläum von Papst Franziskus Er kam auch mal mit Kuchen vorbei

Vor 50 Jahren wurde der heutige Papst - Jorge Mario Bergoglio - in Argentinien zum Priester geweiht, später wurde er Erzbischof von Buenos Aires. Thomas Wieland vom Adveniat erinnert sich an einen zurückhaltenden, offenen und nahbaren Geistlichen.

DOMRADIO:DE: Sie waren zwischen 2003 und 2008 Argentinien-Referent bei Adveniat - in der Zeit, in der Jorge Mario Bergoglio Erzbischof von Buenos Aires war. Welche Erinnerung haben Sie an den damaligen Erzbischof? 

Thomas Wieland (Projektleiter beim katholischen Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat; von 2003 bis 2008 Argentinien-Referent): Ich bin ihm einmal begegnet, am Rande der Bischofskonferenz. Es war eine Begegnung im informellen Bereich. Er war sehr konzentriert. Es fiel mir auf, dass er nicht sonderlich groß ist, als ich ihm begegnete. Er hatte eine sehr ruhige Ausstrahlung, das war einnehmend.

Ich bin auch deswegen mit ihm ins Gespräch gekommen, weil wir in Buenos Aires einige Projekte unterstützen, die von Bergoglio als zuständigem Erzbischof empfohlen wurden: Eines zum Beispiel, wo sich Ordensfrauen um Kinder und Jugendliche an staatlichen Schulen kümmerten, mit ihnen Hausaufgabenbetreuung machten, sie sozialarbeiterisch betreuten. Das waren dann auch Frauen, die eine psychologische Qualifikation hatten, um das gut tun zu können.

Das Ganze war in der Zeit nach der großen argentinischen Währungs- und Wirtschaftskrise von 2002 und 2003. Die Kinder und Jugendlichen, um die sich die Ordensfrauen kümmerten, lebten in den U-Bahn-Schächten oder mit ihrer gesamten Familie in einem einzelnen Zimmer in der Innenstadt von Buenos Aires.

Die Innenstadt sah von außen recht schön aus, aber man sah nicht, welches Elend sich dahinter verbarg. Doch Bergoglio hat ein Auge genau für solche Situationen, für Menschen in Armut, die nicht sichtbar sind.

DOMRADIO.DE: Wie haben Sie den heutigen Papst damals erlebt? Was war er für ein Mensch?

Wieland: Ein Mensch, der sehr gut zuhört, der nicht dominant auftritt, sondern zurückhaltend wirkt. Er wirkte sehr konzentriert, fast ein bisschen ernst, würde ich sagen. Er war jemand, der eine große Nähe in der Begegnung herstellen konnte. Und er war jemand, der ganz einfach war - also Geschirr abräumte - und in den alltäglichen Sachen zupackend und handfest war.

DOMRADIO.DE: Das ist ja auch ein bisschen das Bild, was wir heute von ihm als Papst haben. Wie ist das denn intern gewesen, damals im Erzbistum Buenos Aires? Was hatte er für einen Ruf als Chef?

Wieland: Er war jemand, der den Kontakt zu den Leuten suchte. Sein Vorgänger, Kardinal Antonio Quarracino, war ja eher ein Kirchenfürst. Wer bei ihm zu Besuch war, hatte genau eine Viertelstunde Zeit. Dann kam der Sekretär rein - so erzählten mir die Priester - und das Gespräch war vorbei.

Bei Bergoglio konnte es sein, dass er mit einem Blumenstrauß oder mit Kuchen vor der Pfarrhaustür stand und erstmal fragte, wie es einem geht. Dieser Kurswechsel wurde in Buenos Aires sehr stark wahrgenommen. Was außerdem sein Leben und Wirken in der Hauptstadt Buenos Aires auszeichnete, war, dass er nicht nur der Bischof für die Katholikinnen und Katholiken war, sondern sehr gute Beziehungen zur jüdischen Gemeinde und zum dortigen Rabbi pflegte. Buenos Aires ist nach New York außerhalb Israels die größte jüdische Gemeinde weltweit. Mit dieser Offenheit hat er die Erzdiözese geprägt.

DOMRADIO.DE: Dann kam der große Moment. 2013 ist er Papst geworden, der erste Papst aus Lateinamerika. Wie hat sich denn die Kirche durch diesen besonderen Papst verändert?

Wieland: Das Entscheidende ist, dass er die Kirche in Bewegung setzt, dass durch sein Wirken versteinerte Strukturen in Bewegung kommen und dass eine größere Freiheit innerhalb der Kirche entsteht. Es ist jetzt möglich, viel mehr und viel offener zu diskutieren, Probleme anzusprechen. Das verdanken wir auf alle Fälle Papst Franziskus, der einlädt und auffordert, offen zu sprechen.

Ein zweiter Punkt ist, dass er keine Angst hat. Er ist ein mutiger Mann. Er ist nicht einzuschüchtern, er ist unabhängig.

Und der dritte Punkt: Das Ganze ist von einer tiefen Spiritualität und von einer sehr authentischen Beziehung zu Jesus Christus geprägt. So ist es ihm möglich, dass er frei sein kann und dass er diese Bewegung in der Kirche auch mit anstoßen kann. 

Das Interview führte Ina Rottscheidt.

(DR)

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