Papst Franziskus besucht Mosambik
Papst Franziskus besucht Mosambik

05.09.2019

Papst Franziskus betritt in Südostafrika sensibles Feld Frieden für Mosambik

Kurz vor den Wahlen empfängt Mosambik das Kirchenoberhaupt. Regierung und Opposition erhoffen von ihm Stärkung für einen Versöhnungsprozess, der schon mehrfach gescheitert ist. Für Franziskus wird es nicht einfach.

Papst Franziskus hat eine einwöchige Südostafrika-Reise begonnen. Zu seiner ersten Etappe begrüßte ihn am Mittwochabend Mosambiks Präsident Filipe Nyusi in Maputo. Doch der Empfang mit militärischem Pomp und spontaner Herzlichkeit kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass schwierige Tage vor dem Kirchenoberhaupt liegen.

Dabei scheinen die Umstände günstig: Vor gerade fünf Wochen zogen die sozialistische Regierungspartei Frelimo und die bewaffnete Opposition der Renamo einen Schlussstrich unter ein langes, blutiges Kapitel. In den Gorongosa-Bergen besiegelten Präsident Nyusi und Renamo-Chef Ossufo Momade ein Ende der Gewalt. Rund 5.200 Milizen sollten die Waffen abgeben.

Mitte Oktober sind Wahlen, Nyusi hofft auf eine zweite Amtszeit.

Neuer Anlauf zum Frieden

Erstmals sollen die Bürger auch die Gouverneure der zehn Landesprovinzen bestimmen können. Zuvor wurden sie von der Zentralregierung in Maputo eingesetzt. Weil seit der Unabhängigkeit Mosambiks 1975 Frelimo ununterbrochen am Ruder war, fand sich die vor allem auf dem Land starke Renamo strukturell benachteiligt und befeuerte nicht zuletzt daraus ihren Widerstand.

Jetzt unternehmen die politischen Feinde einen neuen Anlauf zum Frieden, den sie schon einmal, 1992 in Rom, feierlich geschlossen hatten. Zur ersten Rede von Franziskus, die er am Donnerstagvormittag im Präsidentenpalast vor Politikern und Diplomaten im Präsidentenpalast halten will, wird auch Oppositionsführer Momade erwartet. Er und Nyusi setzen für die Dauer des Papstbesuchs bis Freitag ihren Wahlkampf aus.

Den Bürgern der Hauptstadtprovinz beschert die Regierung einen arbeitsfreien Tag. Der Aufenthalt des geistlichen Oberhaupts von 28 Prozent der Mosambikaner soll ein Fest für alle werden - oder wenigstens für die, die es sich erlauben dürfen. Um die 46 Prozent leben unterhalb der Armutsgrenze; sie werden auf den Kampf ums tägliche Brot nicht verzichten können.

Knapp die Hälfte unter Armutsgrenze

Rangiert Mosambik bei der Geburtenrate weltweit auf den ersten Plätzen, so steht es hinsichtlich der

Perspektiven für Jugendliche am Ende der Skala. Im Human Capital Index der Weltbank, der die Chancen für den Start ins Erwachsenenleben bemisst, belegt das Land Platz 148 von 157. Hinzu kommt die Geißel Aids - jeder achte Erwachsene ist Träger des HI-Virus. Dieses Problem will der Papst eigens bei einem Besuch eines Aids-Zentrums am Freitag adressieren.

Nicht nur politisch, auch wirtschaftlich sucht Mosambik einen Neustart. Ein zwei Milliarden US-Dollar schwerer Kreditskandal 2016 beschädigte das Vertrauen der Geber und Finanzmärkte und trieb die Inflationsrate in die Höhe; nach Jahren soliden Wachstums ging das Land, auch durch ungünstige Entwicklungen auf dem Weltmarkt, faktisch bankrott. Zuletzt warfen die Zyklone im Frühjahr die Entwicklung zurück.

Starker Einfluss Evangelikaler

Einen Abstecher in die zyklongeschädigte Region um Beira wird Franziskus indessen nicht unternehmen - ein Vertreter des dortigen Erzbistums gab als Grund an, die Reise sei schon vor der Naturkatastrophe festgezurrt gewesen; ein Vatikansprecher erklärte, man wolle die geschwächte Infrastruktur nicht durch ein Großereignis belasten.

Auch kirchlich trifft Franziskus auf eine sensible Situation. Nach der Unabhängigkeit Mosambiks haftete der Kirche der Geruch der früheren Kolonialmacht Portugal an, und die damals marxistische Frelimo war auf Religion generell nicht gut zu sprechen. Nachdem sich die Partei 1989 von der Doktrin verabschiedete, wurden Enteignungen von Kirchengütern zumindest teilweise rückgängig gemacht. Zwar stellen die Katholiken nach Vatikanangaben mit 28,1 Prozent die größte Bevölkerungsgruppe, aber die Gesamtheit der anderen christlichen Gemeinschaften hat sie inzwischen überrundet. Lebhafte Konkurrenz besteht durch evangelikale Missionare aus Brasilien, die mit der portugiesischen Sprachverwandtschaft und wirtschaftlichen Heilsversprechen punkten.

Mosambik, mit seiner Diskrepanz von reichen Ressourcen und extremer Armut, gilt als politisch korrupt. Aber selbst Nicht-Parteigänger von Präsident Nyusi rechnen ihm als Zeichen der Redlichkeit an, dass er den aktuellen Friedensprozess voranbrachte und den im Mai 2018 verstorbenen Renamo-Führer Afonso Dhlakama mit einem Staatsbegräbnis ehrte. "Nyusi hat Sicherheit gebracht", sagt ein Franziskanerpater aus der Provinzstadt Xai-Xai.

Auch dem Papst ist klar, dass Stabilität der Wurzelgrund für jede weitere Entwicklung ist. "Hoffnung, Friede und Versöhnung" lautet nicht umsonst das Motto seiner Reise. "Hoffen wir, dass diese etwas lange Reise Früchte bringt", sagte Franziskus auf dem Flug nach Maputo. Er weiß, dass es nicht allein in seiner Hand liegt.

Burkhard Jürgens
(KNA)

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