Papst Franziskus und König Mohammed VI.
Papst Franziskus und König Mohammed VI.

30.03.2019

Papst und König Mohammed in vielem einig Ein Ziel, unterschiedliche Wege

Süße Datteln gab es zur Ankunft des Papstes in Marokko, dann ging es thematisch zur Sache: Religionsfreiheit, Migration, Dialog mit dem Islam - aber auch die Jerusalem-Frage spielte zum Ende des ersten Tags eine Rolle.

Beide fahren gemeinsam vom Flughafen zum Hassan-Turm in Rabat, jedoch jeder im eigenen Gefährt. König Mohammed VI., einer der reichsten Könige der Welt, kommt per Limousine, der Papst im Papamobil. Dass beide auch inhaltlich in einigen Punkten das gleiche Ziel haben, zeigte sich auch in den anschließenden ersten Reden.

Das Wetter ist getrübt, die Stimmung nicht: Schon an den Zufahrtswegen sind Menschen versammelt, trotz des Nieselregens. Beim Hassan-Turm, wo der erste Programmpunkt stattfindet, sind es nach staatlichen Angaben 12.000. Das Publikum ist bunt gemischt:

Migranten, Diplomaten, Marokkaner und Angehörige verschiedener Religionen, etwa des Judentums, sind gekommen, um die Ansprache des Papstes zu hören.

"Ich bin der Führer aller Gläubigen"

In den vorderen Reihen ist es voll, weiter hinten noch etwas Luft, dort funktionieren einige der Zuhörer auch schon mal kurzerhand freie Stühle zum Regenschutz um. Für den Papst und den König gibt es hingegen echte Regenschirme, damit sie die letzten Meter Fußweg zum Hassan-Turm trocken erreichen.

König Mohammed VI., Staatsoberhaupt und religiöser Führer in Personalunion, tritt als Erster ans Rednerpult. Gehüllt in einen schlichten erdfarbenen Kaftan, wechselt er fließend zwischen Arabisch, Spanisch, Französisch und Englisch.

Vier Sprachen, eine klare Botschaft: "Als König von Marokko und Führer der Gläubigen bin ich der Garant der freien Religionsausübung.

Ich bin der Führer aller Gläubigen", sagt er. Als dieser könne er nicht über das Land des Islam reden, als ob dort nur Muslime lebten - so der König, in dessen Land der Islam Staatsreligion ist und 99 Prozent der Bevölkerung dem sunnitischen Islam angehören. Explizit sagt er: "Ich schütze marokkanische Juden, wie Christen aus anderen Ländern, die in Marokko leben."

Vom Publikum bekommt der König großen Applaus für seine Rede, in der er auch Radikalismus verurteilt. Auch Papst Franziskus stimmt ihm in seiner anschließenden Rede in diesem Punkt zu, verurteilt eine Instrumentalisierung der Religionen um "Mord, Exil, Terrorismus oder Unterdrückung zu rechtfertigen".

Papst mahnt Religionsfreiheit an

Was die Religionsfreiheit angeht, macht der Papst hingegen deutlich, dass sich Gewissens- und Religionsfreiheit "nicht auf die Kultfreiheit allein beschränkt, sondern jedem erlauben muss, entsprechend der eigenen religiösen Überzeugung zu leben". In Marokko gibt es bei der Religionsfreiheit nämlich noch Luft nach oben, besonders Konvertiten werden geächtet.

Dennoch spendet auch der König zum Ende der Papst-Rede leisen Beifall.

Einigkeit in der Jersualemfrage

Bei einem anderen wichtigen Thema zeigen sich Franziskus und Mohammed VI. hingegen sehr einig: In der Jerusalemfrage. Beide unterzeichnen am Nachmittag im Palast eine Erklärung, die den Sonderstatus Jerusalems als heilige Stätte betont. Der spezifisch "multireligiöse Charakter" müsse gewahrt werden, friedliches Zusammenleben, gegenseitiger Respekt und Dialog der drei Weltreligionen gefördert.

In der Erklärung fordern beide daher auch freien Zugang aller Gläubigen und freie Glaubensausübung. Gerade angesichts der erneut angespannten Situation im Nahen Osten setzen beide damit ein deutliches Zeichen für interreligiösen Dialog und Frieden.

Welche Bedeutung dabei Bildung spielt, hatte der König in seiner Rede auch betont. Umsetzen will er dies mit einem 2015 eröffneten Ausbildungszentrum für Imame, Prediger und Predigerinnen in Rabat, das beide im Anschluss besuchten. Papst Franziskus hatte bereits am Nachmittag bei seiner ersten programmatischen Rede auch das Thema Migration angesprochen: Marokko sei "natürliche Brücke Afrikas nach Europa".

Die Kirche in Marokko ist stark von Migranten geprägt, zudem ist der Mahgreb-Staat sowohl Ziel- und Transit- wie auch Ursprungsland von Migranten.

Zum Ende seines ersten Besuchstages zeigt Franziskus, wie wichtig ihm das Thema ist - da trifft er am Sitz der Caritas des Erzbistums Rabat mit Migranten zusammen. Allein das ist ein erneutes Zeichen von Solidarität. Mehrfach gab der Papst schon in der Vergangenheit seine Maxime für den Umgang mit Migranten aus: aufnehmen, schützen, fördern und integrieren.

Stefanie Stahlhofen
(KNA)

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