Ahmad al-Tayyeb und Papst Franziskus
Ahmad al-Tayyeb und Papst Franziskus

05.02.2019

Auszüge der Erklärung von Papst und Großimam Al-Tayyeb "Für den Weltfrieden und das Zusammenleben"

Papst Franziskus und Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb haben am Montag in Abu Dhabi eine historische gemeinsame Erklärung zum Thema "Menschliche Brüderlichkeit" unterzeichnet. Einige Auszüge aus dem Dokument.

Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) dokumentiert Auszüge aus dem Dokument in eigener Übersetzung:

Dokument über die Geschwisterlichkeit unter den Menschen für den Weltfrieden und das Zusammenleben

Vorwort

Der Glaube führt den Religiösen dazu, im Nächsten einen Bruder zu sehen, der unterstützt und geliebt wird. Aus dem Glauben an Gott, der das Universum, die Kreaturen und alle Menschen geschaffen hat - die gleichgestellt sind in Seiner Barmherzigkeit -, ist der Gläubige aufgerufen, diese menschliche Brüderlichkeit auszudrücken, die Schöpfung und das gesamte Universum zu schützen und jeden Menschen zu unterstützen, besonders die Armen und die Bedürftigsten.

Dieser transzendente Wert diente uns als Ausgangspunkt in verschiedenen Begegnungen, die von einer Atmosphäre der Brüderlichkeit und Freundschaft geprägt waren, in denen wir die Freuden, Sorgen und Probleme der heutigen Welt teilten, auf der Ebene des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts, der therapeutischen Leistungen, des digitalen Zeitalters, der Massenmedien und der Kommunikation; auf der Ebene der Armut, der Kriege und der Bedrängnisse vieler Brüder und Schwestern in verschiedenen Teilen der Welt aufgrund des Wettrüstens, der sozialen Ungerechtigkeit, der Korruption, Ungleichheit, moralischer Erniedrigung, Terrorismus, Diskriminierung, Extremismus und vieler anderer Gründe.

Aus diesem brüderlichen und aufrichtigen Austausch, den wir hatten, und aus dem Treffen voller Hoffnung für eine glänzende Zukunft der Menschheit, entstand die Idee dieses "Dokuments über die menschliche Brüderlichkeit". Dieses Dokument, das in Aufrichtigkeit und Ernst entstand, ist eine gemeinsame Erklärung guter und friedlicher Absichten. Es lädt alle Menschen ein, die an Gott und die menschliche Gemeinschaft glauben, sich zusammenzuschließen und zu arbeiten, damit es ein Leitmotiv für die neuen Generationen werde, zu einer Kultur des gegenseitigen Respekts, im Verständnis der großen göttlichen Gnade, die alle Menschen zu Brüdern und Schwestern macht.

Erklärung

Im Namen Gottes, der alle Menschen in Rechten, Pflichten und Würde geschaffen hat, und sie aufrief, als Brüder untereinander zu leben, die Erde zu bevölkern und darin die Werte des Guten, der Nächstenliebe und des Friedens zu verbreiten. (...) Im Namen Gottes und all dieser, Al-Azhar al-Sharifs - mit den Muslimen des Ostens und des Westens - zusammen mit der katholischen Kirche - mit den Katholiken des Ostens und des Westens - erklären wir die Kultur des Dialogs als den Weg; die Zusammenarbeit als Richtschnur; das gegenseitige Kennenlernen als Methode und Kriterium. Wir - Glaubende an Gott, an die letzte Begegnung mit ihm und sein Urteil - ausgehend von unserer religiösen und moralischen Verantwortung und durch dieses Dokument, verpflichten uns selbst und rufen die Führer der Welt, die Verantwortlichen im Bereich der internationalen Politik und der Weltwirtschaft auf, sich mit Nachdruck für die Verbreitung der Kultur der Toleranz, des Zusammenlebens und des Frieden einzusetzen und so schnell wie möglich einzugreifen, um das Vergießen von unschuldigem Blut zu stoppen und Kriegen, Konflikten, Umweltzerstörung und dem moralischen und kulturellen Niedergang, den die Welt heute erlebt, ein Ende zu setzen.

(...)

Diese Erklärung geht von einer tiefgehenden Reflexion unseres zeitgenössischen Geschehens aus, nimmt seine Erfolge und sein Leiden wahr, erlebt Unheil und Nöte mit und glaubt fest daran, dass eine der wichtigsten Ursachen der Krise in der modernen Welt das betäubte menschliche Gewissen und die Entfremdung von religiösen Werten ist, ebenso wie die Dominanz des Individualismus und materialistischer Philosophien, die die Menschen vergöttern und flüchtige und weltliche Werte setzen, anstelle von höchsten und transzendenten Prinzipien.

(...) Wir bescheinigen auch, dass die schweren politischen Krisen, Ungerechtigkeiten und der Mangel einer gerechten Verteilung der natürlichen Ressourcen - von denen nur eine Minderheit der Reichen profitiert, zum Schaden der Mehrheit der Erdenbürger - extrem viel Kranke, Hilfsbedürftige und Tote gefordert haben und dies weiter tun.

(...) Angesichts dieser Krisen, die tausende Kinder den Hungertod sterben lassen (...) herrscht international ein inakzeptables Schweigen. (...) Das erste und wichtigste Ziel der Religionen ist der Glaube in Gott, Ihn zu loben und alle zum Glauben daran aufzurufen, dass dieses Universum von Gott abhängt, der es regiert,(...) und der uns das Geschenk des Leben gewährt hat, um dafür Sorge zu tragen.

Niemand hat das Recht, uns dieses Geschenk zu nehmen, es zu bedrohen oder nach seinem Belieben zu manipulieren. (...) Daher verurteilen wir sämtliche Praktiken, die das Leben bedrohen, wie Genozide, terroristische Attentate, Zwangsvertreibungen, Organhandel, Abtreibung, Euthanasie, sowie eine Politik, die all dies unterstützt.

Ebenso erklären wir - nachdrücklich -, dass Religionen niemals Kriege anstacheln, keinen Hass, Feindseligkeit, Extremismus antreiben oder zu Gewalt und Blutvergießen einladen.

(...)

Diese Erklärung, im Einklang mit vorhergehenden internationalen Erklärungen, welche die Bedeutung der Rolle der Religionen für die Schaffung des Weltfriedens betonen, attestiert das Folgende:

(...) - Freiheit ist ein Recht jedes Menschen: Jeder genießt Glaubensfreiheit, Gedankenfreiheit, Meinungs- und Handlungsfreiheit.

Der Pluralismus und die Verschiedenheit von Religion, Hautfarbe, Geschlecht, Rasse und Sprache sind ein weiser göttlicher Wunsch, mit dem Gott die Menschen geschaffen hat. Diese göttliche Weisheit ist der Ursprung, aus dem das Recht zur Religionsfreiheit und zur Freiheit, unterschiedlich zu sein, hervorgeht. Deshalb wird die Tatsache, Menschen zu zwingen, einer bestimmten Religion oder Kultur anzugehören verurteilt, ebenso wie die Auferlegung eines Stils der Zivilisation, den die anderen nicht akzeptieren.

(...) - Der Schutz von Kultusorten - Tempeln, Kirchen und Moscheen - ist eine von den Religionen, menschlichen Werten sowie gesetzlich und durch internationale Abkommen garantierte Pflicht. Jeglicher Versuch, Kultusorte anzugreifen oder sie durch Attentate, Explosionen oder Demolierung zu bedrohen, weicht von den Lehren der Religionen ab und verletzt ebenso klar internationales Recht. - Der verabscheuenswerte Terrorismus, der im Orient und Okzident die Sicherheit der Menschen bedroht, im Norden, wie Süden, indem er Panik, Terror und Pessimismus verbreitet, ist nicht in der Religion begründet - auch wenn die Terroristen diese instrumentalisieren - sondern liegt an gehäuften Falschinterpretationen religiöser Texte, in Politiken des Hungers, der Armut, der Ungerechtigkeit, der Unterdrückung, der Arroganz.

Daher ist es nötig, die Unterstützung terroristischer Bewegungen durch Geld, Waffen, Pläne oder Rechtfertigungen und auch mediale Berichterstattung, zu stoppen. All dies muss als internationales Verbrechen gesehen werden, das die Sicherheit und den Frieden auf der Welt bedroht. Es ist nötig, solchen Terrorismus in all seinen Formen und Erscheinungsarten zu verurteilen.

- Das Konzept der Staatsbürgerschaft basiert auf der Gleichheit der Rechte und Pflichten in deren Schatten alle Gerechtigkeit genießen.

Daher ist Einsatz nötig, um in unseren Gesellschaften das Konzept der vollständigen Bürgerrechte zu beschließen und auf den diskriminierenden Gebrauch des Begriffs Minderheiten zu verzichten.

Dieser trägt den Samen der Isolation und von Minderwertigkeitsgefühlen in sich und ebnet den Boden für Feindseligkeit und Zwietracht und entzieht einigen Bürgern die Errungenschaften der Religionsfreiheit und der Zivilrechte und diskriminiert diese.

(...)

- Es ist unabdingbar nötig, das Recht der Frau auf Arbeit, Bildung und Ausübung der eigenen politischen Rechte anzuerkennen. (...) Daher müssen sämtliche unmenschlichen Praktiken gestoppt werden und vulgäre Sitten, die die Würde der Frau verletzen, und es muss für die Änderung von Gesetzen gearbeitet werden, die Frauen hindern, vollständig ihre Rechte zu genießen.

(...)

Schlussfolgernd hoffen wir:

Dass diese Erklärung eine Einladung zu Versöhnung und Brüderlichkeit unter allen Gläubigen, sogar unter Gläubigen und Nichtgläubigen, und allen Menschen guten Willens sein möge. Sie sei ein Aufruf an jedes lebendige Gewissen, das abnormale Gewalt und blinden Extremismus verwirft; ein Aufruf an jene, die die Werte Toleranz und Brüderlichkeit lieben, gefördert und ermutigt von den Religionen. Sie sei ein Zeugnis der Größe des Glaubens an Gott, der die geteilten Herzen vereint und den Geist der Menschen erhöht. Sie sei ein Symbol der Umarmung zwischen Orient und Okzident, zwischen Nord und Süd und allen, die glauben, dass Gott uns zum gegenseitigen Kennenlernen geschaffen hat, um miteinander zusammenzuarbeiten und als Brüder zu leben, die sich lieben. Dies ist unsere Hoffnung und das, was wir zu verwirklichen suchen, mit dem Ziel einen universellen Frieden zu erreichen, den alle Menschen in diesem Leben genießen können.

Abu Dhabi, 4. Februar 2019

Seine Heiligkeit Papst Francesco

Großimam von Al-Azhar Ahmad Al-Tayyib

(KNA)

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