Rednerpult von Papst Franziskus während einer interreligiösen Feierlichkeit in Abi Dhabi
Rednerpult von Papst Franziskus während einer interreligiösen Feierlichkeit in Abi Dhabi
Papst Franziskus (Hintergrund) spricht während einer interreligiösen Feierlichkeit
Papst Franziskus (Hintergrund) spricht während einer interreligiösen Feierlichkeit
Papst Franziskus spricht vor Religionsvertretern in Abu Dhabi
Papst Franziskus spricht vor Religionsvertretern in Abu Dhabi
Papst Franziskus in Abu Dhabi
Papst Franziskus in Abu Dhabi

05.02.2019

Auszüge aus der Rede von Papst Franziskus in Abu Dhabi "Frieden braucht Flügel der Bildung und der Gerechtigkeit"

​Papst Franziskus besucht noch bis Dienstag als erstes katholisches Kirchenoberhaupt die Arabische Halbinsel. Die Katholische Nachrichten-Agentur dokumentiert Auszüge aus der Rede des Papstes vor Religionsvertretern am Montagabend, gemäß der Vatikanübersetzung.

Al Salamo Alaikum! Der Friede sei mit euch! (...) Von Ihrem Heimatland aus wende ich mich an alle Länder dieser Halbinsel, an die ich in Freundschaft und Wertschätzung meinen herzlichsten Gruß richten möchte. Mit dankbarem Herzen gegenüber dem Herrn habe ich die Gelegenheit genutzt, zum achthundertsten Jahrestag des Treffens zwischen dem heiligen Franz von Assisi und Sultan al-Malik al-Kamil als nach Frieden dürstender Glaubender hierher zu kommen, als Bruder, der zusammen mit seinen Brüdern den Frieden sucht. Den Frieden wollen, den Frieden fördern, Werkzeuge des Friedens sein: dafür sind wir hier. (...)

Perspektive des Himmels einnehmen

Wahre Religiosität besteht darin, Gott von ganzem Herzen zu lieben und den Nächsten wie sich selbst. Religiöses Verhalten muss daher ständig von der immer wiederkehrenden Versuchung gereinigt werden, andere für Feinde und Gegner zu halten. Jedes Glaubensbekenntnis ist aufgerufen, die Kluft zwischen Freund und Feind zu überwinden, um die Perspektive des Himmels einzunehmen, welche alle Menschen ohne Bevorzugung und Diskriminierung umfasst. (...)

Unter den Freiheiten möchte ich die Religionsfreiheit hervorheben. Sie beschränkt sich nicht nur auf die freie Ausübung der Religion, sondern sieht im anderen wirklich einen Bruder und eine Schwester, einen Sohn und eine Tochter derselben Menschheit, denen Gott Freiheit gewährt und die daher keine menschliche Institution zwingen kann, auch nicht in seinem Namen. (...)

Frieden stirbt, wenn er sich von Gerechtigkeit löst

So kommen wir wieder auf das Bild der Friedenstaube zurück. Auch der Frieden braucht für seinen Aufstieg Flügel, die ihn tragen. Die Flügel der Bildung und der Gerechtigkeit. (...) Gerechtigkeit ist der zweite Flügel des Friedens, der oft nicht durch einzelne Ereignisse beeinträchtigt wird, sondern langsam vom Krebs der Ungerechtigkeit zerfressen wird. (...) Der Frieden stirbt, wenn er sich von der Gerechtigkeit löst, aber die Gerechtigkeit erweist sich als falsch, wenn sie nicht universell ist. Eine Gerechtigkeit, die nur für Familienmitglieder, Landsleute und Gläubige desselben Glaubens gilt, ist eine hinkende Gerechtigkeit, sie ist verschleierte Ungerechtigkeit!

Die Religionen haben auch die Aufgabe, daran zu erinnern, dass die Profitgier das Herz träge macht und dass die Gesetze des gegenwärtigen Marktes, die alles und zwar sofort fordern, nicht förderlich sind für die Begegnung, den Dialog, die Familie - wesentliche Dimensionen des Lebens, die Zeit und Geduld brauchen.

Mögen die Religionen den Geringsten eine Stimme verleihen - denn sie sind keine Statistik, sondern Brüder und Schwestern - und mögen sie an der Seite der Armen stehen; sie seien Wächter der Brüderlichkeit in der Nacht des Konflikts, sie seien wachsame Mahner, damit die Menschheit ihre Augen nicht vor den Ungerechtigkeiten verschließt und sich nie mit den allzu vielen Dramen der Welt abfindet. (...)

Gleiches Recht für alle Bürger

Hier in der Wüste hat sich ein fruchtbarer Weg der Entwicklung aufgetan, der ausgehend von den hier entstandenen Arbeitsplätzen, vielen Menschen verschiedener Völker, Kulturen und Glaubensüberzeugungen Hoffnung gibt. (...) Ich ermutige dazu, diesen Weg fortzusetzen, damit diejenigen, die hier leben oder auch nur für kurze Zeit hier sind, nicht nur das Bild der großen, in der Wüste errichteten Bauwerke bewahren können, sondern auch das Bild einer Nation, die alle einbezieht und annimmt.

Mit diesem Geist hoffe ich nicht nur hier, sondern in der ganzen geliebten und sensiblen Region des Nahen Ostens auf konkrete Begegnungsmöglichkeiten: Gesellschaften, in denen Menschen unterschiedlicher Religionen das gleiche Heimatrecht genießen und in denen nur der Gewalt in all ihren Formen dieses Recht abgesprochen wird.

Ein brüderliches Zusammenleben, das auf Bildung und Gerechtigkeit beruht; eine menschliche Entwicklung, die auf einer bereitwilligen Inklusion und auf gleichen Rechten aller beruht: Das sind Samen des Friedens, die aufkeimen zu lassen, die Religionen aufgerufen sind. Wie vielleicht nie zuvor haben sie in dieser heiklen geschichtlichen Situation eine Aufgabe, die nicht mehr aufgeschoben werden kann: einen aktiven Beitrag zur Entmilitarisierung des menschlichen Herzens zu leisten.

Krieg schafft nichts als Elend, Waffen nichts als Tod

Das Wettrüsten, die Ausweitung der eigenen Einflussbereiche und eine aggressive Politik zum Nachteil anderer werden nie Stabilität bringen. Krieg schafft nichts als Elend, Waffen nichts als Tod! Die Brüderlichkeit aller Menschen verlangt von uns als Vertreter der Religionen die Verpflichtung, jegliche Form der Billigung des Wortes Krieg zurückzuweisen. Überlassen wir es seiner erbärmlichen Grobheit. Wir haben seine katastrophalen Folgen vor unseren Augen. Ich denke dabei insbesondere an Jemen, Syrien, Irak und Libyen.

Lasst uns gemeinsam, liebe Brüder und Schwestern in der einen von Gott gewollten Menschheitsfamilie, gegen die Logik bewaffneter Macht eintreten, gegen die Monetarisierung von Beziehungen, die Aufrüstung der Grenzen, die Errichtung von Mauern, die Knebelung der Armen; all dem setzen wir die sanfte Kraft des Gebets und ein tägliches Bemühen im Dialog entgegen.

Unser heutiges Zusammensein sei eine Botschaft des Vertrauens, eine Ermutigung für alle Menschen guten Willens, damit sie sich nicht mit der Flut an Gewalt und der Austrocknung des Altruismus abfinden. Gott ist bei jedem Menschen, der den Frieden sucht. Und vom Himmel aus segnet er jeden Schritt, der hier auf Erden auf diesem Weg gegangen wird.

(KNA)

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