"Spiegel": AfD-Europakandidat managte Vermögen für Piusbrüder
Priesterseminar der Piusbruderschaft
Pater Davide Pagliarani, Generaloberer der Priesterbruderschaft St. Pius X.
Pater Davide Pagliarani, Generaloberer der Priesterbruderschaft St. Pius X.

15.12.2018

Piusbrüder mit Kritik gegenüber Papst Franziskus "Zutiefst erschüttert"

Für den Generaloberen der von Rom getrennten Piusbruderschaft ist klar: Papst Franziskus geht in grundsätzlichen Fragen des Glauben und der Moral in jene falsche Richtung, die bereits das Zweite Vatikanische Konzil eingeschlagen habe.

Der neue Generalobere der von Rom getrennten traditionalistischen Piusbrüder, Davide Pagliarani, hat die Kritik seiner Gemeinschaft am Kurs von Papst Franziskus und am Zweiten Vatikanischen Konzil erneuert. "Dieser Papst erschüttert uns zutiefst", sagte er im Interview der "Salzburger Nachrichten" (Samstag). In Fragen der Religionsfreiheit, der Ökumene und der göttlichen Verfassung der Kirche sollte die Kirche zu dem zurückkehren, was die Päpste vor dem Konzil (1962-1965) gelehrt hätten, forderte der im Juli gewählte Generalobere.

"Erschüttert" über den Begriff der Barmherzigkeit 

Besonders "erschüttert" sei die Piusbruderschaft über die "völlig neue Anwendung des Begriffs der Barmherzigkeit" durch Franziskus, so der Pater weiter. In seinem Schreiben "Amoris Laetitia" von 2016 eröffne der Papst den Christen die Möglichkeit, sich in Fragen der Ehemoral nach ihrem Gewissen zu entscheiden. "Das widerspricht ganz eindeutig der notwendigen und klaren Orientierung am Gesetz Gottes", urteilte Pagliarani; hier zeige sich der Einfluss Martin Luthers und "ein Christentum ohne Forderung nach sittlicher Erneuerung". Das habe unter den Gläubigen und dem Klerus eine "tiefgreifende Verwirrung" ausgelöst.

Aufgabe des Papstes sei es jedoch, das katholische Glaubensgut treu weiterzugeben und der "schrecklichen Krise ein Ende" zu bereiten, die die Kirche seit dem Konzil erschüttere. Verantwortlich dafür sei ein neuer Glaubensbegriff, nach dem der einzelne Mensch selbst für seinen Glauben verantwortlich sei und sich "frei für irgendeine Religion entscheiden" könne: "Das widerspricht jedoch dem objektiven göttlichen Gesetz."

Weiter betonte Pagliarani den missionarischen Auftrag der Kirche, der sich auch auf das Judentum beziehe. Es sei "eine unverzeihliche Sünde, das jüdische Volk von den Gütern und Schätzen der katholischen Kirche auszuschließen". Die Heilsmission der Kirche sei allumfassend und könne kein Volk ausgrenzen.

Papst müsse das Dekret der Religionsfreiheit als falsch erklären 

Die Menschen könnten allein durch Christus gerettet werden, der dazu die römische Kirche gegründet habe: "Diese theologische Wahrheit muss verkündet werden, wie auch die Geradlinigkeit in der Moral und die Strahlkraft der traditionstreuen Messe im tridentinischen Ritus."

Eine volle Einigung zwischen den Piusbrüdern und dem Vatikan sei erst dann möglich, wenn alles, was im Konzil "nicht mit der katholischen Tradition übereinstimmt", verworfen sei. "Der Papst müsste das Dekret über die Religionsfreiheit als falsch erklären und entsprechend korrigieren. Wir sind überzeugt, dass ein Papst das eines Tages tun und zur reinen Lehre zurückkehren wird, die vor diesem Konzil maßgeblich war", sagte der Generalobere der Piusbruderschaft.

(KNA)

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