Werbung für den Rabatt-Tag "Black Friday"
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Papst Franziskus
Black Friday lädt zum Shoppen ein
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26.11.2018

Papst verurteilt Einkaufswahn bei Rabbataktionen Franziskus sieht bei "Black Friday" rot

Neue Aktionstage verändern den Handel: Rabatte gibt es nicht erst am Ende des Weihnachtsgeschäfts, sondern schon am Anfang. Da sei nur der "Black Friday" genannt. Diesen Kaufrausch verurteilt Papst Franziskus als "schlimme Krankheit".

Black Friday, Cyber Monday, Singles Day: Eine Flut von neuen Schnäppchentagen schwappt auch nach Deutschland und läuft dem klassischen Schlussverkauf den Rang ab. Der wichtigste Unterschied: Die Rabatte gibt es schon zu Beginn des Weihnachtsgeschäfts und nicht erst in den letzten Tagen vor oder gar nach dem Fest. Allein der Black Friday und der Cyber Monday im November dürften nach Expertenmeinung für zusätzliche Umsätze in Milliardenhöhe sorgen.

Papst verurteilt Shopping-Tourismus

Mit Blick auf Rabattaktionen wie dem "Black Friday" hat Papst Franziskus Kaufrausch und Shopping-Tourismus als "schlimme Krankheit" verurteilt. Mangelnde Selbstdisziplin beim Einkaufen sei "ein Feind der Großzügigkeit", sagte er bei seiner Messe am Montag laut der Internetseite Vatican News. Jeder könne mit einem Blick in den Schrank prüfen, wie viele Kleidungsstücke er nicht oder nur einmal im Jahr trage

Wer mit anderen teile, gelange von materieller Großzügigkeit zur Großherzigkeit, so der Papst. Als praktisches Beispiel schlug er vor, beim Einkauf im Supermarkt zehn Prozent der Ausgaben für Bedürftige abzuzweigen.

Mitmachen für den Handel fast Pflicht

"Aktionstage wie der Black Friday oder der Cyber Monday werden immer wichtiger für den Handel. Wir haben gesättigte Märkte in Deutschland. Da braucht man solche Anlässe, damit die Leute mehr kaufen", ist dagegen der Marketingexperte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU überzeugt.

Doch ist die frühe Schnäppchenjagd nicht unumstritten. "Schon zu Beginn des wichtigen Weihnachtsgeschäfts mit Preisnachlässen um sich zu werfen, macht eigentlich keinen Sinn. Die Rabatte sollten erst am Ende der Saison kommen", urteilt Branchenkenner Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein. Die Händler hätten allerdings kaum eine Wahl, glaubt Kai Hudetz vom Institut für Handelsforschung (IFH) in Köln: "Wer nicht mitmacht, muss befürchten, am Ende auf seinen Waren sitzenzubleiben."

Dass das Rotstift-Spektakel schnell nach hinten losgehen kann, erlebte im vergangenen Jahr Deutschlands größter Elektronikhändler Ceconomy (Media Markt, Saturn). Einerseits war der Black Friday 2017 der umsatzstärkste Tag in der Geschichte des Unternehmens. Andererseits musste Ceconomy dafür einen hohen Preis zahlen. Denn die vorgezogenen Käufe sorgten dafür, dass das Geschäft im Dezember schlechter lief als erwartet und sich neue Geräte in den Filialen und Lagern stapelten. Am Ende machte der Elektronikhändler im Weihnachtsgeschäft deutlich weniger Gewinn als im Vorjahr.

Preise nicht immer günstiger

Wie sehr der Kunde allerdings wirklich von den Aktionstagen profitiert, ist umstritten. Das Vergleichsportal Idealo.de kam bei Stichproben zu dem Ergebnis, dass von 500 untersuchten Produkten am Black Friday 2017 tatsächlich immerhin 381 etwas weniger kosteten als noch im Vormonat. Große Preissprünge waren demnach aber eher die Ausnahmen. Die Verbraucherzentrale rät den Verbrauchern, bei der Schnäppchenjagd auf jeden Fall einen kühlen Kopf zu bewahren. Preisvergleiche in Suchmaschinen könnten sich mehr lohnen als die Sonderangebote am Aktionstag.

Nach wie vor eher ein Randdasein führt in Deutschland der Singles Day, der bereits am 11. November begangen wurde. Er ist vor allem in China ein Mega-Ereignis. Doch gibt es erste Versuche, ihn auch in Deutschland einzuführen. Kai Hudetz ist überzeugt: "Wir werden in Zukunft eher mehr als weniger derartige Aktionstage sehen."

Ob sich der Handel damit einen Gefallen tut, ist eine andere Frage. Der Marketing-Experte Fassnacht jedenfalls warnt vor Übertreibungen: "Solche Rabatttage sind ein zweischneidiges Schwert. Sie sorgen für mehr Verkäufe. Aber es wird dadurch auch immer schwieriger, Produkte noch zu normalen Preisen zu verkaufen. Rabatte sind eine starke Droge."

Erich Reimann
(dpa, KNA)

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