Erzbischof Carlo Maria Vigano
Erzbischof Carlo Maria Viganò, ehemaliger Apostolischer Nuntius in den USA

28.08.2018

Rücktrittsforderung an Papst Franziskus Viganos Skandalpapier war konzertierte Aktion

Neue Enthüllungen fachen den Skandal um die Anschuldigungen des ehemaligen Nuntius Vigano gegen den Papst an. Über Wochen habe der Ex-Nuntius von Washington konspirative Treffen organisiert, berichtet der Journalist Aldo Maria Valli.

Die Veröffentlichung des "Memorandums" eines früheren Vatikanbotschafters, in dem er Papst Franziskus zum Rücktritt aufruft, war offenbar eine konzertierte Aktion katholischer Blogger in mehreren Ländern. Der Ex-Nuntius Erzbischof Carlo Maria Vigano habe diese zuvor kontaktiert und als Publikationszeitpunkt den 26. August festgelegt, berichtet der italienische Journalist Aldo Maria Valli.

Auf diese Weise sollte der Papst am gleichen Tag "auf dem Rückweg von Dublin Gelegenheit zur Erwiderung haben, wenn er Journalistenfragen im Flugzeug beantwortet", schrieb Valli in seinem Blog am Dienstag. Valli selbst zählt zu den konservativen Kritikern von Franziskus.

Vigano ist "untergetaucht"

Die Übergabe des elfseitigen Schreibens, in dem Vigano Anschuldigungen gegen Kurienmitglieder und US-Bischöfe vorträgt, sei erst nach drei konspirativen Treffen erfolgt, die sich über mehrere Wochen erstreckten. Vigano habe offenbar auch prüfen wollen, auf welcher Seite sein Gegenüber stehe. Anschließend sei er unbekannt verreist und habe seine Mobilfunknummer gewechselt.

Vigano, von 2006 bis 2011 Nuntius in Washington, behauptet in seiner Niederschrift, er habe Papst Franziskus bereits im Sommer 2013 persönlich gesagt, der ehemalige Washingtoner Erzbischof Theodore McCarrick habe "Generationen von Seminaristen und Priestern verdorben" und sei von Benedikt XVI. zu einem zurückgezogenen Leben in Buße verurteilt worden. Hintergrund waren laut Vigano zahlreiche homosexuelle Aktivitäten des prominenten Kardinals.

Kein Kommentar vom Papst

Franziskus entließ den 88-jährigen McCarrick am 28. Juli 2018 aus dem Kardinalsstand. Zuvor hatte er ihm am 20. Juni die Ausübung priesterlicher Aufgaben in der Öffentlichkeit untersagt, nachdem erstmals Vorwürfe sexueller Vergehen auch an Minderjährigen vom Erzbistum New York als "glaubwürdig und substanziell" eingestuft wurden.

Der Papst sagte auf dem Rückflug von Dublin am Sonntagabend vor Journalisten, das Dokument von Vigano spreche für sich. Er werde dazu nichts sagen und vertraue auf die journalistische Kompetenz, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Wörtlich antwortete er auf eine entsprechende Frage: "Lesen Sie es selbst aufmerksam und bilden Sie sich ein eigenes Urteil."

(KNA)

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