Erzbischof Carlo Maria Vigano
Erzbischof Carlo Maria Viganò, ehemaliger Apostolischer Nuntius in den USA

26.08.2018

Früherer Nuntius in den USA zum Fall McCarrick Vorwürfe gegen Franziskus

​Der ehemalige Apostolische Nuntius in den USA, Erzbischof Carlo Maria Vigano, hat Vorwürfe gegen Papst Franziskus erhoben: Der des Missbrauchs beschuldigte frühere Washingtoner Erzbischof McCarrick sei bereits von Papst Benedikt XVI. bestraft worden.

Vigano behauptet in einer schriftlichen Aussage, die das Internetportal LifeSiteNews am Sonntagmorgen veröffentlichte, dass Erzbischof Theodore McCarrick bereits 2009 oder 2010 von Papst Benedikt XVI. mit einer Strafe belegt worden sei, die Franziskus später de facto zurückgenommen habe. 

Leben in Gebet und Buße

Darin gibt der Geistliche an, er habe bereits 2006 und 2008 von den USA aus seine Oberen im Vatikan über die Vorwürfe gegen McCarrick informiert, aber keine Antworten erhalten. McCarrick, von 2000 bis 2006 Erzbischof von Washington und seit 2001 Kardinal, wird beschuldigt, als Priester und später als Bischof junge Männer und auch Minderjährige zu Sex genötigt zu haben.

Vigano gibt an, dass er erst später erfahren habe, dass Benedikt XVI. McCarrick aufforderte, das Seminar zu verlassen, in dem er lebte. Zudem sei ihm verboten worden, öffentlich Messe zu feiern, Vorträge zu halten oder Reisen zu unternehmen. McCarrick sei ein Leben in Gebet und Buße aufgetragen worden.

Echtheit des Schreibens noch nicht erwiesen

Diese Maßregeln seien McCarrick, der sich damals schon im Ruhestand befand, auch übermittelt worden, unter anderem von Vigano selbst nach seinem Amtsantritt als Nuntius im Oktober 2011. Warum sie augenscheinlich nicht umgesetzt wurden, geht aus dem Dokument nicht hervor. McCarrick entfaltete in diesen Jahren eine reiche Vortrags- und Reisetätigkeit.

In Viganos Schreiben werden auch weitere ranghohe frühere sowie aktuelle Kurienmitarbeiter beschuldigt, Aufarbeitung und Strafmaßnahmen hintertrieben zu haben. Die Echtheit des Schreibens ist von Vigano bestätigt worden. Der Wahrheitsgehalt seiner Vorwürfe sind allerdings derzeit nicht erwiesen. Eine entsprechende Maßregelung McCarricks durch Papst Benedikt XVI. (2005-2013) wurde bisher nie öffentlich bekannt. Auch hielt sich McCarrick nicht an solche Auflagen.

Rücknahme des Kardinalstitel

Laut eine Teilnehmerin offenbarte Papst Franziskus im Gespräch mit Missbrauchsopfern am Samstag in Dublin, dass er erst vor kurzem sichere Kenntnis über McCarrick erhalten und dann unverzüglich reagiert habe.

Marie Collins, ehemaliges Mitglied der päpstlichen Kinderschutzkommission und selbst Missbrauchsopfer, schrieb am Sonntag auf Twitter, McCarrick sei ein Thema beim Treffen mit dem Papst am Samstagabend in Dublin gewesen. Franziskus habe erklärt, er habe den 88-jährigen Geistlichen sofort aus dem Kardinalsstand entlassen, sobald er von der Wahrheit der Vorwürfe überzeugt gewesen sei. Collins ergänzte, wenn sich die andere Darstellung als zutreffend erweise, müsse der Papst "zur Verantwortung gezogen werden wie jeder, der vertuscht".

(KNA)

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