Schlinge aus einem Seil
Schlinge aus einem Seil
Trost-Altar für zum Tode Verurteilte im Kriminologischen Museum in Rom
Trost-Altar für zum Tode Verurteilte im Kriminologischen Museum in Rom

03.08.2018

Auch der Kirchenstaat richtete über Jahrhunderte Menschen hin Des Papstes treuer Henker

150 Jahre später – Papst Franziskus hat die Todesstrafe aus der katholischen Glaubenslehre verbannt. Bis dahin waren Hinrichtungen im Kirchenstaat selbst gang und gäbe.

Das Schlimmste war nicht der Tod. Schlimm wäre, das ewige Leben zu verlieren. Solange der irdischen Gerechtigkeit Genüge getan ward, konnte der Delinquent noch immer auf Gottes Barmherzigkeit trauen. Für beides, Recht auf Erden und Hoffnung auf einen gnädigen Gott, stand im Kirchenstaat der Papst. Er war der oberste Richter. Und er hatte einen Henker.

Hinrichtungen besaßen Tradition im päpstlichen Rom

In der lotterlebigen Renaissance suchte Sixtus V. (1585-1590) das Verbrechen mit Null-Toleranz niederzuhalten. Trotzdem hielten sich Exekutionen im Rahmen. Erst in napoleonischer Zeit stieg ihre Zahl: Die Gärungen in Europa erfassten auch den Kirchenstaat. Mit der Inquisition hatten die Prozesse nichts zu schaffen; gewöhnlich ging es um schnöde Mörder und Straßenräuber.

Vielleicht war es einfach der Wunsch nach Sicherheit und Ordnung, der Giovanni Battista Bugatti zum Vollstrecker werden ließ. Eigentlich verkaufte er Schirme, die er in seiner Gasse hinter der Engelsburg schön bunt bemalt hatte. Aber seine Berufung war, der päpstlichen Justiz seinen Arm zu leihen.

Gerade 17 war er beim ersten Mal

Ein Verwandtenmörder in Valentano, er schlug ihn am 22. März 1796 mit einer Keule tot. Der grause Dienst wurde seine Lebensaufgabe. "Meister der Gerechtigkeit", "Maestro di Giustizia" lautete sein Titel, den die Römer zum albernen "Mastro Titta" verballhornten und den Kinder für einen Aufzählreim benutzten: "Sega, sega, Mastro Titta" - "Säge, säge, Meister Titta".

Bugatti galt als Meister aller Klassen: Axt und Knüppel, Vierteilung und Strang, "in jeder Art der Hinrichtung gleichermaßen bewandert", schrieb bewundernd ein Chronist, Alessandro Ademollo. Wenn Richttag war, verließ Bugatti sein Haus im Borgo und schritt im scharlachroten Mantel zur Piazza di Ponte Sant'Angelo, zur Piazza del Popolo oder in die Via dei Cerchi. "Mastro Titta kommt über die Brücke" wurde zum geflügelten Wort dafür, dass bald Köpfe rollen.

Vor allem aber sollte das Blutgericht moralische Lehrstunde sein

Eltern brachten ihre Kinder mit und verabreichten ihnen, wenn der Schlag fiel, eine Ohrfeige. Von 1816 an verloren die Hinrichtungen ihre archaische Brutalität. Bugatti bekam ein Schafott. Es existiert noch heute: Imposante drei Meter hoch, ist es das Prunkstück des kleinen Museo Criminologico, in das sich selten ein Tourist verirrt.

Pius VI. (1775-1799) war auf die Erfindung aus Frankreich anfangs nicht gut zu sprechen, wegen der unseligen Revolution. Erst Pius VII. (1800-1823) ließ sich von der Effizienz und Humanität der Guillotine überzeugen. Als erster starb darunter Tommaso Borzoni, verurteilt wegen Mordes und Raubes, am 2. Oktober 1816. Seither betätigte Bugatti Hunderte Male den Mechanismus.

Mehr als 500 Verurteilte

516 Verurteilte brachte Bugatti im Lauf seines Lebens vor den Ewigen Richter. Jeden einzelnen schrieb er in ein Büchlein. Bugatti war gewissenhaft; er diente einer höheren Gerechtigkeit. Keine Rachsucht, keine Lust am Töten sollte sein Tun beflecken. Nie ging er zu Werke, ohne zu beichten und die Heilige Kommunion zu empfangen. Wie Bugatti die strafende Hand war, so gab es auch eine segnende: Priester und fromme Bruderschaften begleiteten den Delinquenten, Kreuze und Tragaltäre stellten ihm, da er sein irdisches Leben verlor, die Hoffnung auf das ewige vor Augen. Sogar an Gottesdienste zur Verkürzung der jenseitigen Buße dachte man: Während der Hinrichtung gingen Sammelbüchsen für Seelenmessen rund.

Mastro Titta konnte nicht verhindern, dass er zur bizarren Attraktion wurde: Ausländische Reisende wie Lord Byron und Charles Dickens beschrieben ihn teils mit Spott und Befremden. Als er 85 wurde, hatte er über fast sieben Jahrzehnte sechs Päpsten gedient. War die Welt besser geworden? Sein Exekutionsverzeichnis, die "Annotationes", schloss er 1864 mit dem Eintrag: "Hier endet die Liste Bugattis. Möge die seiner Nachfolger kürzer sein."

150 Jahre später

1868 fielen die letzten beiden Köpfe: zwei junge Attentäter auf eine päpstliche Kaserne. Die Jesuiten-Zeitschrift "Civilta Cattolica" schilderte ihren gefassten, von Gebeten begleiteten Tod auf einer Bühne am Circus Maximus als ergreifendes Schauspiel. 150 Jahre später ließ Papst Franziskus im Katechismus festschreiben, die Todesstrafe sei unter allen Umständen unzulässig.

Burkhard Jürgens
(KNA)

Mit Willibert in die Heilige Stadt

Im November 2019 ist es soweit: Erkunden Sie das ehrwürdige Rom auf dieser Pilgereise mit dem Rom-Kenner Willibert Pauels, Karnevalsfreunden und DOMRADIO.DE Besuchern auch bekannt als "ne Bergische Jung"!

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 14.08.
06:00 - 06:30 Uhr

DOMRADIO Morgenimpuls

06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

  • Sängerin Aretha Franklin todkrank
  • Rückblick auf FC-Andacht im Kölner Dom
  • Bayrisches Pilgerbüro über Urlaubspannen
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Programmtipps

  • Lukasevangelium
    15.08.2018 07:50
    Evangelium

    Lk 1,39–56

  • Touristen besuchen den Kölner Dom
    15.08.2018 09:20
    Anno Domini

    Grundsteinlegung des Kölner Do...

  • Mariä Himmelfahrt, Fenster der Kirche Notre-Dame-des-Airs
    15.08.2018 18:30
    Gottesdienst

    Hochfest Mariä Aufnahme in den...

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Empfangsanleitung zum Ausdrucken

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag ab 8 Uhr!

Gemeinsam für das Mehr im Menschen

Berufungspastoral im Erzbistum Köln: Dein Platz in Kirche und Welt.

Das ganze Leben

Hilfsangebote der Kirche im Erzbistum Köln.

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff

Weihbischof Schwaderlapp beantwortet Glaubensfragen