Wim Wenders spricht mit Papst Franziskus während der Produktion seines Dokumentationsfilms
Wim Wenders spricht mit Papst Franziskus während der Produktion seines Dokumentationsfilms

14.06.2018

Wim Wenders' Film über Papst Franziskus kommt in die Kinos Weltethos in Weiß

Starregisseur Wim Wenders folgt dem Papst in bewegenden Bildern. Er zeigt Franziskus als Hoffnungsträger für Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung in einer aus den Fugen geratenen Welt. An diesem Donnerstag ist Kinostart.

Der mehrfach Oscar-nominierte Regisseur Wim Wenders war "ziemlich überrascht", als 2013 ein Schreiben mit dem Briefkopf des Vatikan bei ihm eintraf. Das Angebot: einen Film über den neugewählten Papst zu machen. Bis zum Drehbeginn sollten zwar noch drei Jahre vergehen, doch der Film atmet die Frische des Aufbruchs, der großen Reform, ja Revolution, die Wenders in dem Mann aus Argentinien sieht.

Er zieht Parallelen zum Namensgeber Franz von Assisi: das Bemühen um spirituelle Erneuerung, um kompromisslose Solidarität mit den Armen, um Frieden und die Rettung des Planeten. Am 14. Juni kommt "Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes" in die Kinos. Auf dem Katholikentag in Münster hatte Wenders den Film erstmals in Deutschland präsentiert. Außer Konkurrenz lief er auch beim Festival in Cannes.

Filmgeschichte und Maßstäbe

Für den Initiator, den damaligen Präfekten des Kommunikationssekretariats im Vatikan, Edoardo Vigano, war Wenders' Zusage wohl ein Coup. Der Regisseur hat mit Spielfilmen wie "Paris Texas" (1984) und "Der Himmel über Berlin" (1987) Filmgeschichte geschrieben und mit Dokumentarfilmen wie "Buena Vista Social Club" (1999) und "Das Salz der Erde" (2014) Maßstäbe gesetzt.

Der Film ist weder als reine Dokumentation noch als Porträt angelegt. Wenders sucht nicht die kritisch-erkundende Distanz, sondern die Nähe eines Bewunderers: "Ich habe nach einigen Überlegungen vorgeschlagen, nicht einen biografischen Film über den Papst zu machen, sondern einen Film mit ihm." Er fasst Wort und Wirken von Franziskus mit cineastischer Meisterschaft in bewegende Bilder; der eingängige Soundtrack zieht zusätzlich in Bann.

Mit Handkurbelkamera zu einer romantisch verklärenden Inszenierung

Der Film hebt in Assisi an, als Sehnsuchtsort einer verlorenen Harmonie unter den Menschen und mit der Natur, deren Prophet der Heilige Franziskus ist. Der ist in schwarz-weiß gedrehten Reenactment-Szenen zu sehen. Mit einer Handkurbelkamera aus den 20er Jahren gedreht, erhalten sie eine historische Anmutung in einer romantisch verklärenden Inszenierung.

Das Wirken von Papst Franziskus gewinnt seine Konturen gleichsam vor dem Hintergrund einer düsteren Bestandsaufnahme des geplünderten Planeten, dessen Artenvielfalt schwindet, dessen Meere in Plastikmüll ersticken und auf dem eine himmelschreiende Ungerechtigkeit herrscht: eine "Wirtschaft, die tötet", wird der Papst zitiert.

An die Ränder begleitet

Der Zuschauer folgt ihm an die "Ränder der Gesellschaft": zu Flüchtlingen auf Lampedusa und in die Favelas von Rio. Neben Boliviens Präsident Evo Morales fordert der Papst mehr Rechte für Landarbeiter; in Philadelphia umarmt er Gefangene, in Rom wäscht er ihnen am Gründonnerstag die Füße.

Wenders erhielt nach eigenen Angaben freie Hand bei der Sichtung der Archive des Vatikanfernsehens. So verfolgt der Zuschauer Franziskus auf der Weltbühne: am Ground Zero, in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem oder vor dem US-Kongress, wo er Waffenhandel anprangert. Korruption und Machtstreben geißelt er auch an der eigenen Kurie.

Schließlich wendet sich Franziskus immer wieder direkt an die Zuschauer - ein Zusammenschnitt aus vier Interviews, die er Wenders gewährte.

Eine Person, die Wenders zusätzlich zu Wort kommen lässt

Franziskus erscheint als Mann der Vorsehung, seine Umwelt-Enzyklika "Laudato si" als prophetischer Appell. "Gott schickt uns den Papst, den die Welt gerade braucht", erklärt Ordensfrau Eufemia, die ihm aus seiner Zeit in Argentinien verbunden ist. Sie ist die einzige Person, die Wenders zusätzlich zu Wort kommen lässt.

Virtuos entwirft der Starregisseur sein Bild von Franziskus, dessen Amt als Stellvertreter Christi ganz in seiner Person aufgelöst wird und der selbst zur moralischen Weltinstanz wird. Seine Ablehnung des Proselytismus - also des Abwerbens von Gläubigen - wird entsprechend als "Ablehnung der Bekehrung" übersetzt, im Namen eines ethisch grundierten Religionspluralismus.

Mit dem Papstamt ist dies allerdings kaum vereinbar. Franziskus wird so zur Projektionsfläche einer Sehnsucht nach Heil in einer heillosen Welt: nicht mehr Oberhaupt einer Weltkirche, die Gottes Heil vermitteln will, sondern «Mann seines Wortes» im Dienst eines Weltethos zur Rettung des Planeten.

Christoph Scholz
(KNA)

Sonderseite zur KirchenMusikWoche im Erzbistum Köln

Konzerte, Gottesdienste, Orgelstunden und Talk: Hier geht es zu unserer Berichterstattung!

Das DOMRADIO.DE WM-Tippspiel

Tippen Sie kostenlos gegen Schwester Katharina die Fußball-WM. Für jeden Mitspieler spenden wir für einen guten Zweck! Den Gewinner erwartet eine Überraschung.

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 20.06.
06:00 - 06:30 Uhr

DOMRADIO Morgenimpuls

06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

  • Weltflüchtlingstag: Kirche unterstützt verfolgte Menschen
  • Interview mit Pfr. Franz Meurer: Gibt es Sozialneid zwischen bedürftigen Menschen?
  • Sommerzeit ist Pilgerzeit: warum fasziniert Santiago de Compostela so sehr?
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Programmtipps

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Empfangsanleitung zum Ausdrucken

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag ab 8 Uhr!

Gemeinsam für das Mehr im Menschen

Berufungspastoral im Erzbistum Köln: Dein Platz in Kirche und Welt.

Das ganze Leben

Hilfsangebote der Kirche im Erzbistum Köln.

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff

Weihbischof Schwaderlapp beantwortet Glaubensfragen