Bild von Oscar Romero
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Papst Franziskus
Papst Franziskus
Papst Paul VI.
Papst Paul VI.

19.05.2018

Oscar Romero wird in Lateinamerika längt als Heiliger verehrt "Wie das Samenkorn, das stirbt, aber in Wirklichkeit lebt"

Die angekündigte Heiligsprechung des "Bischofs der Armen" am 14. Oktober ist ein Symbol für den Gerechtigkeitskampf in Lateinamerika. Die Botschaft des 1980 ermordeten Romero lebt im Gedächtnis der Armen weiter.

Oscar Romero starb am 24. März 1980, erschossen am Altar auf Befehl der politisch Mächtigen. Er wusste um die Gefahr, denn er predigte noch unmittelbar vor seinem Tod: "Wer sich davor hütet, die Gefahren des Lebens auf sich zu nehmen, so wie es die Geschichte von uns verlangt, der wird sein Leben verlieren. Wer sich hingegen aus Liebe zu Christus in den Dienst der anderen stellt, der wird wie das Samenkorn, das stirbt, aber in Wirklichkeit lebt."

Und tatsächlich: Romero (1917-1980), der "Bischof der Armen", ist seit 38 Jahren tot – doch seine Botschaft ist in Lateinamerika und darüber hinaus lebendig. In seiner Heimat wird er seit langem als Heiliger verehrt. Im Mai 2015 wurde er in San Salvador seliggesprochen. Wenn der Papst ihn nun, wie am Samstag verkündet, Mitte Oktober in Rom auch heiligspricht, sehen sich viele Anhänger Romeros am Ziel. Rund 300.000 Pilger sowie Staatsspitzen aus ganz Lateinamerika kamen zur Seligsprechung. Nur drei Jahre dauerte es seitdem bis zur Ankündigung der höchsten Kirchenehre. Doch warum hat sich der seit 1990 dauernde Prozess so lange hingezogen?

Romero spaltete die Kirche

Der Steyler Missionar Christian Tauchner arbeitete über zwei Jahrzehnte in Lateinamerika. Er sah die Gründe kurz vor der Seligsprechung vor allem im politischen Bereich: "Lange war die ARENA-Partei an der Regierung in El Salvador. Ihr Gründer hatte den Mord in Auftrag gegeben. Es wäre ein Skandal gewesen, hätte man einen Regierungsvertreter bei einer frühzeitigen Seligsprechungsfeier begrüßen müssen."

Andererseits, so Tauchner, sei in San Salvador der Prozess vom zweiten Nachfolger Romeros, Erzbischof Saenz Lacalle (82) vom Opus Dei, gebremst worden. Durch ihn sei es zu der "absurden Situation" gekommen, dass in der Kathedrale "der Bischof eine trockene, formell richtige Liturgie feierte, ohne von Romero zu reden oder sich auf sein Erbe zu beziehen" – und in der Unterkirche der Kathedrale hätten die Basisgemeinden jeden Sonntag am Grab Romeros gefeiert: "in Wirklichkeit zwei Kirchen mit gegensätzlichen Ausrichtungen".

Schafft er posthum die Versöhnung?

Derzeit allerdings weht der Wind in der Kirche franziskanisch-lateinamerikanisch – und so wurde dem neuen Seligen und bald Heiligen auch gleich eine weitere Ehre zuteil. Romero ist Schutzpatron des Dachverbands Caritas Internationalis: als einer der Menschen, die die Arbeit der Caritas am meisten inspiriert hätten, wie es hieß.

Romeros Ermordung war ein Fanal im heraufziehenden Bürgerkrieg zwischen Sicherheitskräften, rechten Todesschwadronen und linken Guerillagruppen. Bis 1992 kamen rund 75.000 Menschen ums Leben. Der frühere Hauptgeschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerkes Adveniat, Prälat Bernd Klaschka, sah darum in der Seligsprechung auch einen Katalysator für den noch zerbrechlichen Versöhnungsprozess im Land.

Der Erzbischof werde für die Menschen in El Salvador, gleich in welcher sozialen Lage oder politischen Gesinnung, zu einem Vorbild, über das sie miteinander ins Gespräch kommen können – trotz Gewalt und gesellschaftlicher Gegensätze.

Romero, ein Muster-Bischof?

Ähnlich sah es damals der Weihbischof in San Salvador, Gregorio Rosa Chavez. Die Seligsprechung ändere vieles: "weil es bei uns immer noch Menschen gibt, die gar nichts von Romero wissen", so Rosa zu Radio Vatikan – "oder die gegen Romero waren und sich klammheimlich freuten, als er ermordet wurde. Mehr und mehr von diesen Menschen gehen jetzt zum Grab Romeros und bitten um Vergebung."

Der Weihbischof, der seit 1982 unter drei Erzbischöfen diente, machte seinerzeit viele Ähnlichkeiten zwischen Romero und Papst Franziskus aus. "Ich werde jetzt mal etwas Waghalsiges sagen: Romero ist die Ikone des Hirten, wie Papst Franziskus sie im Sinn hat. Die Ikone der Kirche, wie Franziskus sie sich vorstellt: eine arme Kirche für die Armen." Wie Papst Franziskus verkünde Romero das Evangelium zuerst durch sein Zeugnis, dann durch seinen Lebensstil "und erst an dritter Stelle durch sein Wort".

Auch der frühere Adveniat-Geschäftsführer Klaschka, der Romero noch persönlich kannte, lobte die wichtige Rolle von Franziskus beim Umsteuern der Kirche. Vor dessen Papstwahl sei der Vatikan sehr stark von europäischen Sichtweisen geprägt gewesen. Der Papst aus Argentinien habe eine lateinamerikanische Sicht auf die soziale Wirklichkeit der Menschen eingebracht – denn dort, so Klaschka, bildeten die Armen die Mehrheit der Gesellschaft.

Alexander Brüggeman
(KNA)

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