Kardinal Gerhard Ludwig Müller
Kardinal Gerhard Ludwig Müller

28.12.2017

Kardinal Müller äußert sich zur Papstkritik an der Kurie "Intrigen und Komplotte mit der Berufsehre unvereinbar"

Die Ansprache des Papstes vor der Kurie kurz vor Weihnachten sorgte für Spekulationen. Er kritisiert darin die "Verräter" in der Kurie. Wer ist gemeint? Der Name Kardinal Müller fiel. Dieser hat sich nun geäußert.

In seiner traditionellen Weihnachtsansprache an die Mitarbeiter der Leitungsebene der katholischen Kirchen hatte Papst Franziskus vor wenigen Tage "Verräter" in der römischen Kurie kritisiert und "Ehrgeiz und Ruhmessucht" unter den Mitarbeitern angeprangert.

In diesem Jahr hatten immer wieder Ex-Mitarbeiter der Kurie von Intrigen im Vatikan berichtet. Es sei sehr wichtig, diese "unausgeglichene und degenerierte Logik der Komplotte und der kleinen Gruppen" zu überwinden, "die in Wirklichkeit ein Krebsgeschwür darstellen, das zur Selbstbezogenheit führt", sagte der Papst vor einer Woche im Vatikan. Auch der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller saß im Publikum. Der Papst hatte im Juli seine Amtszeit als Präfekt der Glaubenskongregation überraschend nicht verlängert. Müller hatte in Interviews unter anderem Franziskus kritisiert.

Kardinal Müller möchte nicht zum "Kontrahenten des Papstes" stilisiert werden

Zu dieser ungewöhnlich deutlichen Kritik des Papstes sagt Müller gegenüber der Wochenzeitung "Die Zeit" am Donnerstag: "Auf jeden Fall sind Intrigen und Komplotte mit der Berufsehre eines Geistlichen unvereinbar." Auf die Frage, wie er die Rede des Papstes fand, machte Müller klar, dass er sich nicht in der Rolle sehe, dies zu kommentieren. "Auf keinen Fall möchte ich in der deutschen Presse zu einem Kontrahenten des Papstes stilisiert werden", sagt er. 

Der Glaubenspräfekt a.D. sieht sich selbst nicht als Franziskus' konservativen Gegenspieler: "Ich bin aus Prinzip kein Antipode zum Papst. Und schon gar nicht komme ich aus einer ideologischen Richtung, ob man sie konservativ oder progressiv, rechts oder links nennt." Papst Franziskus sei weder liberal noch konservativ und braucht keinen Gegenspieler, weder einen konservativen noch einen progressiven.

(DR, dpa)