Menschen halten sich an den Händen und beten das Vaterunser
Menschen halten sich an den Händen und beten das Vaterunser

11.12.2017

Kritik an neuer Vaterunser-Übersetzung Wenige Befürworter auf Seiten des Papstes

Bleibt es bei "und führe uns nicht in Versuchung"? Oder beten Christen demnächst "lass uns nicht in die Versuchung eintreten"? So heißt es seit Anfang Dezember im französischen Vaterunser. Offenbar mehr als eine theologische Haarspalterei.

In einer italienischen TV-Serie zum Vaterunser lobt Franziskus die französische Neufassung. Zur Bitte "und führe uns nicht in Versuchung" sagt er dagegen: "Dies ist keine gute Übersetzung." Ein Vater tue das nicht: "Ein Vater hilft mir, sofort wieder aufzustehen. Wer in Versuchung führt, ist Satan." Das Ganze erwähnt der Papst eher beiläufig im lockeren Gespräch mit einem Gefängnisseelsorger und keineswegs als eine Art Dienstanweisung für alle Bischofskonferenzen.

Die Bitte war schon immer anstößig: Kann Gott als liebender Vater seine Kinder in Versuchung führen? Vermutlich hat daher schon der Autor des Matthäus-Evangeliums den abmildernden Zusatz angefügt "sondern erlöse uns von dem Bösen", der im Lukas-Evangelium fehlt. Im 20. Jahrhundert schlugen bekannte Theologen wie Joachim Gnilka als verträglichere Übersetzung vor: "Lass uns nicht in Versuchung geraten."

Ähnlich argumentierte der jüdische Religionsphilosoph Pinchas Lapide und verwies darauf, dass Jesus das Gebet auf Aramäisch gesprochen haben dürfte. Denn dass das Vaterunser direkt auf ihn zurückgeht - davon sind die Experten fast einhellig überzeugt.

Papst hat wenige Fürsprecher

Es führe "kein Weg an der Feststellung vorbei", dass die deutsche Übersetzung dem griechischen Urtext entspreche, schreibt etwa der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf. Alle Versuche, die griechische Version ins Aramäische zurück zu übersetzen, seien "nicht eindeutig gelungen. Wir werden also den griechischen Text als das Gebet Jesu nehmen müssen."

Auch der katholische Theologe Thomas Söding verweist darauf, dass als einzige verbindliche Quelle der griechische Text zugänglich sei: "Viele überlieferte Jesusworte darin sind so alt, wie sie nur alt sein können: Sie gehen zurück auf den Umkreis der ersten Jünger." Seit Luther sei die deutsche Übersetzung ein und dieselbe: "Sie ist präzise, und sie ist tief. Falsch ist nur die Behauptung, die Übersetzung sei falsch."

Keinen Anlass für Veränderungen

Wenn sich schon ein katholischer Bibel-Experte wie Söding auf Luther beruft, verwundert es wenig, dass auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) keinen Anlass für Veränderungen sieht. Die Theologin Margot Käßmann ergänzte mit Blick auf das Vaterunser: "Es geht wohl wirklich auf Jesus selbst zurück. Wenn wir anfangen, Änderungen zu diskutieren, gibt es unzählige Kommissionen, Vorschläge, Auseinandersetzungen."

Die katholische Bischofskonferenz will sich nicht zur Debatte äußern. Schon bevor die Papst-Aussage bekanntwurde, hatte der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer die französische Neufassung als "riskant" kritisiert - auch weil sie die weltweite Einheitlichkeit der Gebete in katholischen Gottesdiensten gefährde.

Gott vor sich selbst schützen

Die Übersetzung "und führe uns nicht in Versuchung" entspreche nicht nur dem Original, sondern auch dem Gottesbild des Neuen Testaments, ergänzte der Jesuit Klaus Mertes. Nur weil sich das am Bild von einem guten Vater reiben könne, könne man es nicht einfach verändern: "Ein guter Vater hält Anklagen aus." Die Erfurter Theologin Julia Knop warnte, man solle "das Vaterunser nicht weichspülen, um Gott vor sich selbst zu schützen". Die Bibel erzähle immer wieder von Erprobungen, die von Gott initiiert oder von ihm zugelassen würden.

Frankreich-Version angemessener

Anders sieht es die in Tübingen lehrende Theologin Johanna Rahner. Die Gottesvorstellung hinter der Formulierung sei "für heutige Menschen tatsächlich grob missverständlich", sagte sie dem Reutlinger "Gerneral-Anzeiger". Die neue französische Version sei "angemessener". Allerdings sei es auch problematisch, einen Text zu ändern, der so ins kollektive kulturelle Gedächtnis eingegangen ist wie das Vaterunser.

(KNA)

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