Papst-Enzyklika zu Ehe und Familie
Papstschreiben Amoris Laetitia

29.09.2017

Debatte um "Amoris laetitia" geht weiter Aufreger, Wortmeldungen und Gesprächsvorschläge

Die meisten Christen können die andauernde Debatte zum Papstschreiben "Amoris laetitia" kaum nachvollziehen. Dennoch bohren konservative Kreise im Internet nach. Und nicht nur der Papst sagt: Die Sache ist klar.

An Dramatik ist die Fotomontage auf der traditionalistischen Website "OnePeterFive" kaum zu überbieten: der Vatikan überschattet von einem Atompilz. Dazu die Schlagzeile: "Josef Seifert und die moraltheologische Atombombe von 'Amoris laetitia'".

Der österreichische Philosoph war vom Erzbischof von Granada in Spanien als Hochschullehrer entlassen worden, weil er das Papstschreiben über Ehe und Familie wiederholt kritisiert hat. Sein Hauptvorwurf: Führe man einige der Aussagen streng logisch fort, zerstöre dies die Grundlage der katholischen Morallehre.

Den Kritikern des Lehrschreibens warf Mitte der Woche Kardinal Marc Ouellet, Präfekt der Bischofskongregation, vor, sie legten das Dokument "alarmistisch" aus. Begonnen hatte die Debatte mit dem Brief von vier Kardinälen im Herbst 2016, die dem Papst ihre "Zweifel" hinsichtlich einer möglichen Kommunionzulassung von wiederverheirateten Geschiedenen vortrugen.

Internetkampagne gegen den Papst

Vor einer Woche dann die Internetkampagne von anfänglich rund 60 Einzelpersonen, die mit ihrer "Kindlichen Zurechtweisung" den Papst der Häresie bezichtigen und zur Klarstellung auffordern. Der frühere Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, schlug vor, eine Gruppe von Kardinälen solle mit den Papstkritikern eine "theologische Disputation" führen.

Dabei hat sich Franziskus schon mehrfach zum Thema geäußert. Zuletzt publizierte am Donnerstag die Jesuitenzeitschrift "Civilta Cattolica" Aussagen des Papstes bei einem Treffen mit Jesuiten in Cartagena:

"Ich höre etliche Kommentare, die zu respektieren sind, weil sie von Kindern Gottes kommen, aber sie sind falsch." Um "Amoris laetitia" zu verstehen, müsse man es von Anfang bis Ende lesen und auch lesen, "was in der Synode gesagt wurde". Nachdrücklich betonte er, die Morallehre in seinem Schreiben fuße auf dem mittelalterlichen Theologen Thomas von Aquin.

Vatikan signalisiert Gesprächsbereitschaft

Am Donnerstagabend signalisierte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin eine gewisse Gesprächsbereitschaft – formulierte sie aber deutlich allgemeiner. Es sei "wichtig, auch innerhalb der Kirche einen Dialog zu führen", sagte er. Den Gesamtzusammenhang lesen, das pastorale und damit auch theologisch wichtige Anliegen der Synode und des Schreibens verstehen – darauf weisen immer wieder jene hin, die den Papstkritikern antworten. Kardinal Ouellet etwa zu kanadischen Bischöfen: Franziskus wolle die Freude des Evangeliums auch dort erschließen, wo die Kluft zwischen der offiziellen Lehre der Kirche und der "gelebten Erfahrung von Paaren und Familien" besonders groß sei.

Der italienische Vatikanexperte Andrea Tornielli lenkte dieser Tage die Aufmerksamkeit auf Abschnitt 303 in "Amoris laetitia", den Kritiker besonders im Visier haben. Hier, so Tornielli, könnten verschiedene Übersetzungen unterschiedliche Interpretationen nahelegen. Vor allem geht es um folgende Aussage, bezogen auf Gläubige, die nicht so leben, wie es das Evangelium vorsieht: Das Gewissen erkenne nicht nur, dass etwas nicht dem Evangelium entspricht.

Es könne auch "das erkennen, was vorerst die großherzige Antwort ist, die man Gott geben kann, und mit einer gewissen moralischen Sicherheit entdecken, dass dies die Hingabe ist, die Gott selbst inmitten der konkreten Vielschichtigkeit der Begrenzungen fordert, auch wenn sie noch nicht völlig dem objektiven Ideal entspricht".

Diskussion um Übersetzung

In der offiziellen englischen Fassung bleibt das Wort "oblationem" (Hingabe/ Angebot) aus der maßgeblichen lateinischen Fassung unübersetzt. Mancher Kritiker interpretiert sehr eigenwillig: In komplexen, schwierigen Situationen seien unmoralische Handlungen die von Gott gewünschte Antwort. Das, so folgert Seifert, könnte rein logisch auch für Euthanasie, Lüge, Diebstahl, ja Mord gelten. Der lateinische Text wie die deutsche und andere Übersetzungen sprechen jedoch von einer "Hingabe" des Menschen. Also so etwas wie Reue über eigene Fehler und das Bemühen, in der eigenen schwierigen Lebenslage sich um Versöhnung und das Wohl der Betroffenen zu mühen. Dies sei die vorerst von Gott verlangte Antwort.

Außerdem, so Tornielli, konstruiere der lateinische Text keinen unüberbrückbaren Gegensatz zwischen dem vorerst sündigen Leben und einem unerreichbaren – und damit nur theoretischen – Ideal. Der lateinische Text spreche von einem "obiectivum exemplar", das besser mit "objektivem Vorbild", statt "Ideal" zu übersetzen sei.

Roland Juchem
(KNA)

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