Papst Franziskus und Heinrich Bedford-Strohm
Papst Franziskus und Heinrich Bedford-Strohm

01.04.2017

Weiteres ökumenisches Zeichen bei Tagung über Martin Luther im Vatikan Papst würdigt den Reformator

Eine Tagung über Martin Luther im Vatikan setzt im Jahr des 500. Reformationsjubiläums ein weiteres ökumenisches Zeichen. Der Papst würdigt den Reformator, der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm den Pontifex.

Papst Franziskus hat Katholiken und aus der Reformation hervorgegangene Kirchen dazu aufgefordert, sich ohne Vorurteile und ideologische Polemiken der Kirchengeschichte zuzuwenden. Gemeinsam sollten sie "all das erkennen und annehmen, was in der Reformation positiv und berechtigt war", sagte er am Freitag nach Angaben des Heiligens Stuhls bei einer Audienz für Teilnehmer einer Tagung über Martin Luther (1483-1546) im Vatikan.

Beide Seiten müssten durch das Eingeständnis der eigenen Sünden von Fehlern, Übertreibungen und dem Versagen Abstand nehmen, die zur Kirchenspaltung geführt hätten, betonte der Papst bei der vom Päpstlichen Komitee für Geschichtswissenschaften organisierten dreitägigen Konferenz, an der zum Abschluss am Freitag auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, teilnahm.

Ökumenische Zeugnis von Papst Franziskus

Bedford-Strohm betonte bei der Tagung, dass das 500. Reformationsjubiläum in diesem Jahr Luther nur gerecht werde, wenn es ökumenisch gefeiert werde. "Martin Luther wollte nichts anderes, als Christus neu entdecken und genau darum geht es auch heute", sagte er. Die evangelischen Kirchen wollten das Luthergedenken nicht in Abgrenzung zu den Katholiken begehen. "Mit großer Freude" nehme er das ökumenische Zeugnis von Papst Franziskus wahr, sagt der EKD-Ratsvorsitzende. Dessen Schwerpunkt auf der Hinwendung zu Armen und Flüchtlingen erinnere ihn an die Verbindung von Glaube und Liebe bei Luther.

Franziskus sagte, er empfinde eine "auch mit einem gewissen Erstaunen" gemischte Dankbarkeit darüber, dass die Konferenz "Luther 500 Jahre danach" im Vatikan stattfinde. Denn vor nicht allzu langer Zeit wäre eine derartige Tagung "vollkommen undenkbar" gewesen.

Gegenseitiges Misstrauen und Rivalität zu überwinden

Die Auseinandersetzung zwischen Katholiken und Protestanten auf Initiative einer Institution des Heiligen Stuhls zeige, dass es in der Ökumene möglich sei, alle Mauern zu überwinden und Konflikte zu Gelegenheiten des Wachstums in der Gemeinschaft zu verwandeln, sagte der Papst. Ernsthafte Auseinandersetzungen mit der Gestalt Luthers und seiner Kritik an der Kirche und dem Papsttum seiner Zeit trügen gewiss dazu bei, gegenseitiges Misstrauen und Rivalität zu überwinden, die die Beziehungen zwischen Katholiken und Protestanten geprägt hätten.

Der emeritierte Präsident des päpstlichen Einheitsrats, Kardinal Walter Kasper, äußerte bei der Tagung die Hoffnung, dass es zum 500. Reformationsjubiläum ein "sichtbares und nachhaltiges Zeichen" für gemischt konfessionelle Paare geben wird. Papst Franziskus hatte bei einem Besuch der evangelisch-lutherischen Kirche in Rom im November 2015 bereits die Möglichkeit für diese Paare angedeutet, gemeinsam an der Eucharistie teilzunehmen.

(epd)

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