ZdK-Präsident Thomas Sternberg
Thomas Sternberg
Franziskus auf dem Petersplatz
Franziskus auf dem Petersplatz

09.03.2017

ZdK-Präsident Sternberg über das "Zeit"-Interview mit dem Papst "Franziskus versteckt sich nicht hinter seinem Amt"

In einem Interview mit der Zeitung "Die Zeit" spricht Papst Franziskus unter anderem über sein Amt und mögliche Lösungen des Priestermangels. ZdK-Präsident Thomas Sternberg findet: Es zeigt sich ein authentischer Papst. Ein domradio.de-Interview.

domradio.de: Wie wirkt Papst Franziskus in dem Interview der "Zeit" auf Sie?

Thomas Sternberg (Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK)): Der Papst ist authentisch. Es wird deutlich: Dieser Papst versteckt sich nicht hinter seinem Amt, sondern er lässt zu, dass der ganz normale Mensch zum Ausdruck kommt. Das ist eine Weiterführung dessen, was schon Paul VI. gemacht hat., der als Bischof von Rom aufgetreten ist. Hier zeigt Papst Franziskus: Dieses Amt heißt nicht, dass dahinter nicht ein ganz normaler Mensch stünde. Damit wird die Autorität nicht vermindert, sondern sie wächst durch die Wahrhaftigkeit seines Auftretens.

domradio.de: Der Papst stellt sich selbst als fehlbaren und sündigen Menschen dar. Was halten Sie davon - vor dem Hintergrund, dass in der katholischen Kirche das Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes gilt?

Sternberg: Das Unfehlbarkeitsdogma sagt ja nicht, dass der Papst in allem was er sagt, unfehlbar ist. Es geht immer darum, dass es bestimmte dogmatische Äußerungen des Papstes geben kann, die unfehlbar sind. Der Papst kann unfehlbar dogmatische Äußerungen tun. Aber der Umkehrschluss, dass alles, was der Papst sagt, unfehlbar sei, hat selbst das Erste Vatikanische Konzil nie behauptet.

domradio.de: Der Priestermangel war ein Thema in dem Interview. Der Papst hat ganz klar gesagt: Der freiwillige Zölibat ist keine Lösung. Was halten Sie von dieser Formulierung?

Sternberg: Ich finde, dass die Formulierung des Papstes nichts zumacht oder verschließt. Er sagt, dass Gedanken in der Kirche, wie immer in der Geschichte, ihre Zeit und ihren Moment haben. Er sagt, im Moment gebe es ein Nachdenken über die 'viri probati'. Was mir noch viel wichtiger ist: Er sagt, dass eine Kirche ohne Eucharistie keine Kraft hat. Das ist ein ganz wichtiger Satz in der Tradition des Zweiten Vatikanums. Wir wissen als Christen, dass wir aus der Eucharistie leben.

domradio.de: Das Diakonat der Frau war auch ein Thema des Interviews. Es soll in diese Richtung geforscht werden. Wie schätze Sie das ein?

Sternberg: Er hat gesagt, dass man das Ganze erforschen und diskutieren muss. Er hütet sich davor, hier zu viel zu sagen, weil das ein hochstrittiges Thema ist. Und es ist nicht zu erwarten, dass er in einem Interview mit einem deutschen Journalisten mal eben nebenbei ein solch riesiges Thema abräumt. Da stellt er sich natürlich auf eine Formulierung ein, die alles offenlässt. Es gibt ja eine Kommission, die an dem Thema arbeitet und mit der Verhandlungen zu führen sind.

Wir haben als ZdK hoffen, dass das Diakonat der Frau möglich wird. Ich habe mich darüber gewundert, dass er einen syrischen Professor zitiert, damit, dass nicht die Frage sei, OB es geweihte Frauen gab. Das heißt, er geht schon einmal davon aus, DASS es geweihte Frauen gab. Das ist schon eine ganz wichtige Feststellung. Alles, was sich daraus ergibt, wird man sehen.

domradio.de: Ihr Fazit zu dem Interview der "Zeit"?

Sternberg: Mein Fazit ist, dass wir eine Persönlichkeit erleben, die durch die Ehrlichkeit der Person ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit hat. Man sieht, dass hinter den Texten eine Persönlichkeit steht, die man bewundern kann - auch da, wo er zu seinen Gegner gefragt wird. Mir imponiert sehr, mit welcher Selbstironie er über solche Fragen reden kann.

Das Interview führte Milena Furman.

(DR)

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