Immer mehr Menschen fliegen in den Urlaub
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Papst Franziskus
Papst Franziskus

13.02.2017

Trotz Papst-Kritik: Klima-Schützer sehen sich auf richtigem Weg "Kein Feigenblatt"

Viele Reisende plagt ein schlechtes Gewissen wegen der Umwelt. Wer will, kann einen Aufschlag für seinen Flug bezahlen, damit der CO2-Ausstoß kompensiert wird. Für den Papst ist das scheinheilig.

Wer gerne in den Urlaub fliegt, kann sein schlechtes Umwelt-Gewissen beruhigen: Für einen freiwillig gezahlten Aufschlag auf den Ticketpreis sollen die von den Flugzeugen erzeugten Emissionen an anderer Stelle ausgeglichen werden - etwa durch Bäume in Afrika oder Solarlampen in Indien.

Doch jetzt hat Papst Franziskus, selbst ein Vielflieger vor dem Herrn, solche Praktiken als modernen Ablasshandel und Feigenblatt für ungehinderten Konsum gegeißelt. Und damit auch bei vielen katholischen Initiativen, die sich für solche CO2-Kompensationsmodelle engagieren, für Irritationen gesorgt.

"Das ist Heuchelei"

"Die Flugzeuge verschmutzen die Atmosphäre, aber mit einem Bruchteil der Summe des Ticketpreises werden dann Bäume gepflanzt, um den angerichteten Schaden zu kompensieren", sagte Franziskus auf einem Kongress der katholischen Fokular-Bewegung. "An dem Tag, an dem Rüstungsunternehmen Krankenhäuser bauen, um die Kinder zu versorgen, die von ihren Bomben verstümmelt wurden, hat das System seinen absurden Höhepunkt erreicht. Das ist Heuchelei!", so der Papst.

Franziskus verband diese Äußerungen mit grundsätzlicher Kritik am Wirtschaftssystem: Der Kapitalismus produziere weiterhin all den Abfall, den er dann anschließend entsorgen wolle. Es müsse ein Wirtschaftssystem entstehen, das die Zahl der Opfer nicht nur verringere, sondern erst gar keine Opfer hervorbringe, forderte Franziskus weiter.

Kein "Ablasshandel"

Beim Kirchlichen Kompensationsfonds "Klima-Kollekte" ist man zunächst irritiert. Die gemeinnützige Initiative, zu deren Gesellschaftern unter anderen das katholische Entwicklungshilfswerk Misereor, sein Schweizer Pendant Fastenopfer sowie die der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt - Evangelischer Entwicklungsdienst gehören, begrüßte jedoch die Diskussion, die Papst Franziskus angestoßen habe. Und betont dann, dass man mit dem Papst auf einer Linie liege, weil genau der von Franziskus angeprangerte Ablasshandel nicht gemeint sei.

Ein bisschen zahlen und dann zurücklehnen - das reicht nicht. "Der Ausgleich von klimaschädlichen Emissionen kann nicht die alleinige Lösung sein", heißt es in einer im Internet veröffentlichten Antwort von "Klima-Kollekte". Norbert Dreßen, der Misereor in der Initiative vertritt, verweist auf den Dreischritt "Vermeiden - Reduzieren - Ausgleichen", den die Gesellschaft von Anfang an vertrete. "Die Motivation sollte in jedem Fall sein, zunächst den eigenen ökologischen Fußabdruck zu reduzieren und nicht nur die entstandenen Emissionen auszugleichen. Jedoch können nicht alle Emissionen eingespart oder vermieden werden", so der Jurist.

Auch Kompensation für Heizung, Strom, Papier, Auto, Bus und Bahn

Der Initiative geht es auch nicht nur um Flüge: Auf der Internetseite von "Klima-Kollekte" gibt es auch CO2-Rechner für Heizung, Strom, Papier, Auto, Bus und Bahn oder den Betrieb einer Internetseite. Auch die Deutschen Katholikentage und die Evangelischen Kirchentage zahlen für die durch Veranstaltungen entstehenden Emissionen in den Fonds ein.

Wichtig sei, dass die Ausgleichszahlungen angemessen ausfielen, so Dreßen gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Deshalb sei man mit 23 Euro je ausgestoßener Tonne CO2 ein hochpreisiger Anbieter. Für Hin- und Rückflug von Frankfurt nach Rio kommt die Klima-Kollekte etwa auf 5,9 Tonnen Emissionen. Kostenpunkt laut CO2-Rechner: 135 Euro. Auch Lufthansa oder Tui Fly bieten über Dienstleister Kompensationen an, liegen oft aber unter diesem Wert.

"Die Mittel werden zur Reduktion von CO2-Emissionen in armutsorientierten Klimaschutzprojekten der Gesellschafter in Entwicklungs- und Schwellenländern verwendet", betont Dreßen zudem. Eigenen Angaben zufolge nahm die Klima-Kollekte im Jahr 2016 rund 477.000 Euro ein.

Christoph Arens
(KNA)

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