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19.05.2016

Katholiken und Juden besorgt wegen Dialogs mit Piusbruderschaft "Nostra Aetate nicht verhandelbar"

Soll die traditionalistische Piusbruderschaft wieder Teil der katholischen Kirche sein? Darüber wird gerade in Rom verhandelt und stößt beim Gesprächskreis "Juden und Christen" auf Sorge.

Die Verhandlungen Roms mit der Piusbruderschaft zur Wiederaufnahme in die katholische Kirche werden bei dem Gesprächskreis "Juden und Christen" beim Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK)  genau beobachtet. "Das entschiedene Ja der katholischen Kirche zur Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils über das Verhältnis zu den Juden - Nostra Aetate 4 -, dem die Piusbruderschaft ein entschiedenes Nein entgegen setzt, darf auf keinen Fall zur Disposition gestellt oder abgeschwächt werden", forderte die Gruppe am Donnerstag in Bonn.

"Nostra Aetate ist bei diesen Verhandlungen nicht verhandelbar", so der Gesprächskreis. Dieser Konzilsbeschluss markiere "die epochale Wende" der katholischen Kirche im Verhältnis zu den Juden.

Dialog schreitet voran

Kürzlich hatte sich Papst Franziskus in einem Interview zur Fortsetzung des Dialogs mit der Piusbruderschaft geäußert. Ihr Oberer Bernard Fellay sei ein "Mann, mit dem man reden kann", sagte er der französischen Tageszeitung "La Croix". Man komme in dem Dialog "langsam und mit Geduld voran". Für "andere Elemente wie Monsignore Williamson und andere, die sich radikalisiert haben", gelte das jedoch nicht.

Zugleich betonte der Papst, dass die Voraussetzung für die volle Gemeinschaft der von Rom abtrünnigen Bruderschaft mit der römisch-katholischen Kirche die Anerkennung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) sei. Die 1969 vom französischen Erzbischof Marcel Lefebvre gegründete Priesterbruderschaft St. Pius X. lehnt zentrale Bestandteile der Konzilsbeschlüsse ab. Dies betrifft vor allem Aussagen zu Liturgie, Religionsfreiheit und Ökumene. Nach unerlaubten Bischofsweihen exkommunizierte der Vatikan Lefebvre und die vier Geweihten 1988.

Exkommunikationsrücknahme durch Papst Benedikt XVI.

Papst Benedikt XVI. (2005-2013) ließ 2007 als Entgegenkommen die alte Lateinische Messe wieder allgemein zu und ermöglichte so die Aufnahme offizieller Gespräche. Im Januar 2009 hob er die Exkommunikation der vier Bischöfe der Piusbruderschaft auf. Damit haben diese die Rechte katholischer Laien; die Ausübung kirchlicher Ämter ist ihnen aber weiter untersagt.

Benedikt hatte nach der umstrittenen Rücknahme der Exkommunikation versucht, den Bruch mit den Konzilsgegnern zu kitten. Die zweijährigen Gespräche von 2010/11 führten jedoch zu keinem Ergebnis. Die Piusbrüder ließen alle vom Vatikan gesetzten Fristen verstreichen, die vorgelegte "Präambel" zu unterzeichnen.

(KNA)

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