Sr. M. Katharina Ganz OSF
Sr. M. Katharina Ganz OSF
Audienz mit Generaloberinnen katholischer Frauenorden
Audienz mit Generaloberinnen

13.05.2016

Sr. Katharina Ganz zur Papst-Äußerung zum Frauendiakonat "Thema nicht wieder ersticken"

"Ein Körnchen Hoffnung", nennt die Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen, Schwester Katharina Ganz, die Ankündung des Papstes, das Frauendiakonat überprüfen zu lassen. Sie wundert sich auch nicht über Dementis aus dem Vatikan.

domradio.de: Das müssen Sie einmal erzählen, wie es dazu kam, dass Papst Franziskus dieses heiße Eisen Frauendiakonat angefasst hat.

Schwester Katharina Ganz (Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen in Würzburg): Nicht Papst Franziskus hat das heiße Eisen angefasst, sondern wir, die Frauenvereinigung der Generaloberinnen, die sich weltweit alle drei Jahre in Rom treffen, durften dem Papst im Vorfeld Fragen zukommen lassen. Diese hat er auch um Ostern herum bekommen. Er wollte, dass wir ihm die Fragen bei dem Treffen noch einmal vorlesen. Die Fragenkomplexe beschäftigten sich ganz dezidiert mit der Rolle der Frau in der Kirche, mit der Möglichkeit für Frauen, auch in der Eucharistiefeier zu predigen, mit dem Frauendiakonat, das ganz stark aus der brasilianischen Sektion und auch aus Europa und Nordamerika vorgetragen wurde. Vor allem den Südamerikanerinnen wäre es ein sehr wichtiges Anliegen, dass Frauen endlich zu Diakoninnen geweiht werden können. Deswegen haben wir diese Fragen ins Gespräch gebracht und der Papst hat nachdenkend und überlegend diesen Vorschlag aufgegriffen, dass er eine Kommission einsetzen könne, die das prüft.

domradio.de: Sie haben das Eisen also angefasst, der Papst hat es aber angenommen, oder?

Schwester Katharina: Er hat es zumindest einmal aufgegriffen. Inzwischen wird im Vatikan ja schon wieder mächtig zurückgerudert, wie man das auch schon von anderen Themen her kennt. Je heißer die Eisen, je sensibler die Materie, desto mehr versucht man im Nachhinein, wieder zu relativieren: So hätte der Papst das nicht gemeint. Er möchte nur eine historische Kommission einsetzen, die das Frauendiakonat in der alten Kirche untersucht und herausfindet, welche Befugnisse die Diakoninnen damals gehabt haben, heißt es da. Ehrlich gesagt glaube ich aber nicht, dass Papst Franziskus an einer rein historisch arbeitenden Kommission interessiert ist. Wir kennen doch Papst Franziskus, wie er an pastoralen Lösungen für die aktuellen Fragen der Kirche, der Gegenwart, interessiert ist. Das war ja auch die Richtung, in die wir ihm diese Frage gestellt haben.

domradio.de: Selbst wenn eine Kommission zum Schluss käme, dass im frühen Christentum Diakoninnen eine wichtige Rolle gespielt haben, bedeutet das ja noch lange nicht, dass am Ende wirklich Frauen zu Diakoninnen geweiht werden dürfen. Fühlen Sie sich als Frau in Ihrer Kirche nicht auch oft entmutigt?

Schwester Katharina: Sehr, sehr lange schon. Ich war im Jahr 1975 noch im Kindergarten, als die deutsche Synode alle Pläne, Konzepte und Entwürfe für ein Frauendiakonat in Rom vorgelegt hat. Die schlummern seitdem im Vatikan vor sich hin. Es haben in den letzten Jahrzehnten immer wieder Frauenorganisationen wie der katholische Frauenbund, die katholische Frauengemeinschaft Deutschlands und nicht zuletzt sogar Kardinal Lehmann daran gearbeitet. Es ist in Rom in dieser Frage nicht vorwärts gegangen. Deswegen ist das nur ein winziges Körnlein Hoffnung, was uns da aufgekeimt ist. Dennoch haben wir ein großes Interesse, dass das Thema aufgegriffen wird und sich die Frauen weltweit nicht bremsen lassen. Wir müssen daran arbeiten, egal, was der Papst gemeint hat. Das Thema muss wieder auf die Tagesordnung der katholischen Kirche kommen.

domradio.de: Nach wie vor gilt in der katholischen Kirche: Keine Weiheämter für Frauen, Ehrenämter ja. Sehen Sie nicht die Gefahr, dass sich immer mehr junge Frauen von einer solchen Kirche abwenden, in der sie sich nicht ernst genommen, gewürdigt und gerecht behandelt fühlen?

Schwester Katharina: Das ist nicht nur eine Gefahr, das ist Realität. Das macht mir zunehmend Sorgen. Die junge Generation, aber auch Frauen in älteren Lebensjahren und auch Männer sind zunehmend frustriert, resigniert und wenden sich ab. Das geht durch alle Schichten und auch durch beide Geschlechter. Ich kenne sehr viele Priester, Diakone und Professoren, Theologen und auch Laien, die sich im 21. Jahrhundert eine andere Ämterstruktur für die Kirche wünschen und resignierend abwandern oder der Kirche ganz den Rücken kehren.

domradio.de: Haben Frauen denn irgendeine Möglichkeit, Druck zu machen?

Schwester Katharina: Es ist ja nicht zu leugnen, dass katholische Frauenorden und generell die Ordensgemeinschaften in der katholischen Kirche zum Herz der Kirche gehören. Gerade diese Versammlung, von der ich zum ersten Mal zurückkomme, ist so begeisternd gewesen: 870 Ordensfrauen, die alle eine Gemeinschaft vertreten, mit hunderttausenden Mitgliedern auf der ganzen Welt, die den Armen und Kranken dienen, Kinder ausbilden, Mädchen vor Prostitution schützen oder Flüchtlinge beherbergen. Alle diese Schwestern und viele Brüder dienen den Menschen und verkörpern genau das, was das Evangelium Jesu Christi will, was Kirche will. Ich glaube, wir müssen an diesem Ball dran bleiben, damit dieses Thema nicht wieder erstickt.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(dr)

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