Papstschreiben "Amoris Laetitia"
Papstschreiben "Amoris Laetitia"

11.04.2016

Frauengemeinschaft freut sich über wirklichkeitsnahes Papstschreiben "Jemand, der das Leben der Menschen kennt"

Nach Ansicht der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands findet Franziskus in "Amoris Laetitia" eine verständliche Sprache. kfd-Abteilungsleiterin Brigitte Vielhaus sagt im domradio.de-Interview: "Der Papst nimmt Gewissensentscheidungen ernst."

domradio.de: Sie sagen, Papst Franziskus sei ganz nah dran an der Wirklichkeit der Menschen. Woran machen Sie das fest?

Brigitte Vielhaus (Abteilungsleiterin Theologie/Kirche bei der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd)): Erstmal vor allen Dingen an der verständlichen Sprache. Das ist ein Papier, das ich sehr gerne gelesen habe und vermutlich auch viele andere Frauen und Männer sehr gerne gelesen haben und hoffentlich noch werden. Papst Franziskus beschreibt sehr nah die Wirklichkeiten von Familie und Ehe in all ihren Facetten - aber auch die Herausforderungen, die Frauen und Männer im Alltag zu tragen haben. Er spricht zum Beispiel über junge Paare mit kleinen Kindern, über alte Paare, über Familien mit behinderten Menschen, über Probleme der Arbeitswelt, über Krisen, über Gewalt in Beziehungen, auch über alleinerziehende Eltern, auch über Sexualität. Und das in einer Sprache, wie man sie so bisher vielleicht nicht in päpstlichen Schreiben gefunden hat.

Und was wir ganz wichtig finden, ist, dass es keine Haltung der Besserwisserei ist, sondern man hat das Gefühl, da schreibt jemand, der das Leben der Menschen kennt.

domradio.de: Die kfd begrüßt ja auch den hohen Wert, den Franziskus der Gewissensentscheidung zuschreibt. Was bedeutet das konkret für den einzelnen Gläubigen in der Ehe, in der Familie oder im persönlichen Umfeld?

Vielhaus: Das Gewissen ist ja im Grunde etwas sehr, sehr Besonderes. Das Zweite Vatikanum spricht ja sogar davon, dass das Gewissen ein heiliger Ort ist oder auch ein Ort der Gottesbegegnung. Von daher finden wir das wunderbar, dass Franziskus die Bedeutung des Gewissens und auch von verantworteten Gewissensentscheidungen so sehr betont. Was heißt das konkret? Es ist ja Generationen von Frauen und Männern sehr vorgeschrieben worden, wie sie zu leben haben: Als Vater, als Mutter. Wie sie ihre Sexualität zu leben haben oder eben auch nicht. Wie sie ihre Rollenbilder zu leben haben, wie sie ihren Alltag zu organisieren haben. Da hat die Kirche sich in einer Weise eingemischt, wie es ihr wirklich eigentlich nicht zusteht. Und jetzt nimmt Papst Franziskus - zwar nicht erstmalig - Gewissensentscheidungen in der Weise ernst, dass Frauen und Männer in ihrem Alltag auch ihre eigenen Entscheidungen treffen können - selbst wenn sie streng genommen der kirchlichen Lehre widersprechen.

domradio.de: Eine Reaktion, die man vielfach gehört hat, war, dass man sich eine klare Ansage für wiederverheiratet Geschiedene gewünscht hat. Dass sie zum Beispiel wieder eingeladen sind, an den Sakramenten teilzunehmen. So eine Ansage steht aber nicht in dem Schreiben drin. Enttäuscht Sie das?

Vielhaus: Vielleicht hätten wir uns an dem Punkt auch mehr erwartet. Aber vor dem Hintergrund, dass das Schreiben des Papstes ja ein Schreiben für die ganze Weltkirche ist und die Situation in Afrika, Deutschland, Argentinien ganz unterschiedlich aussieht, ist es für uns sehr, sehr wichtig, dass er deutliche Lösungswege für die regionalen Bischofskonferenzen eröffnet und sehr deutlich sagt, dass es keine allgemein gültigen Lösungen geben kann. Das heißt konkret: Ja, auch hier sind Wege eröffnet, dass betroffene Menschen im Gespräch mit Seelsorgern klären können, ob und wie sie die Sakramente empfangen können.

domradio.de: Da sind wir dann wieder bei der Gewissensentscheidung...

Vielhaus: Genau, im Prinzip ja. Es geht ja nicht um die billige Entscheidung, es geht ja nicht um die Entscheidung, dass man machen kann, wie man es will. Es geht um die gereifte und geprüfte Entscheidung.

Das Interview führte Silvia Ochlast.

(DR)

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