Pater Bernd Hagenkord
Pater Bernd Hagenkord

08.04.2016

Pater Hagenkord zu den Inhalten von "Amoris Laetitia" Keine Antwort auf alle Fragen

Mit Spannung erwartet und nun da: Das päpstliche Schreiben "Amoris Laetitia" zu Ehe, Familie und Sexualität. Pater Bernd Hagenkord von Radio Vatikan mit einer ersten Einordnung der Inhalte.

Radio Vatikan: Was muss man über "Amoris Laetitia" wissen?

Pater Bernd Hagenkord: Zuerst, dass es keine Antwort auf all die Fragen nach dem Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen ist. Reden wir nicht drum herum, das fragen alle, das wollen alle wissen und die meisten werden nachdem sie gesehen haben, dass dazu keine Entscheidung im Text ist, das Schreiben als schwach, rückfällig, Kompromiss, gescheitert oder sonstwie abtun.

Aber man muss das so klar sagen, darum geht es dem Papst auch gar nicht. Ich darf einmal zitieren: "Es geht nicht allein darum, Normen vorzulegen, sondern Werte anzubieten, und damit auf eine Sehnsucht nach Werten zu antworten“ (AL 201), es geht also in der Dynamik weiter, welche der Papst in "Evangelii Gaudium" begonnen hat. Kurz und knapp: Wer nur nach einer Entscheidung sucht, wird mit dem Text nicht glücklich.

Radio Vatikan: Aber warum hat Papst Franziskus dann überhaupt diese Debatte an den Anfang gestellt? Immerhin war es ja der Vortrag von Kardinal Kasper, der Anfang 2014 den Prozess begonnen hatte, und bei dem Vortrag ging es ja unter anderem auch um einen Weg, wie mit wiederverheirateten Geschiedenen umzugehen ist. Ist davon nichts geblieben?

Hagenkord: Doch, eben genau ein Prozess. Und in gewisser Weise ist es ja auch völlig richtig, mit den komplexen Fragen zu beginnen, denn dort zeigt sich am klarsten, warum es geht und was eigentlich die Knackpunkte sind.

Aber dann ist der Prozess weitergegangen. Die Fragen sind nicht verschwunden und niemand wird behaupten, dass sie nicht wichtig sind. Aber es hat sich heraus gestellt, dass noch einmal grundsätzlich über die ganze Breite des Themas Ehe und Familie gesprochen werden muss, in allen Konkretheiten, und nicht nur beschränkt auf eine oder zwei Fragen.

Und genau das tut das Papier jetzt. Und es macht noch ein zweites, es gibt das Vorgehen vor. Der Papst ist ja sehr prozess-orientiert, das kennen wir aus "Evangelii Gaudium" schon, und genau so geht er auch hier vor. Die Stichworte hierfür sind "Unterscheidung" und "Gewissen", es geht also nicht um die Formulierung von Regeln, sondern um das Erkennen des Willens Gottes in der konkreten Situation. Auf die Wirklichkeit hören heißt, auf den Heiligen Geist zu achten. Und da kann dieses Dokument helfen.

Nicht mehr eine Instanz entscheidet über alles, sondern sie stellt nach Beratungen und mit Blick auf Schrift und Tradition den Weg fest. Hier zeigt sich, was der Papst mit Synodalität meint.

Radio Vatikan: Kann man das Dokument in einigen Stichworten zusammen fassen?

Hagenkord: Nein, sicherlich nicht. Es ist ganz bewusst sehr breit aufgestellt und behandelt eine große Menge von einzelnen Themen. Auch hier das Stichwort: konkret. Das eine oder das andere Mal kann man denken, warum brauche ich eine Papstaussage ausgerechnet zu Kindererziehung oder so, aber genau hier liegt die Absicht des Papstes: er will Kommunikation.

Ich kann mir gut vorstellen, dass ein Paar oder ein Ehevorbereitungskurs oder ein Pfarrgemeinderat sich einen Teil des Dokumentes vornimmt, um daran die Themen zu debattieren. Die Wirklichkeit geistlich zu unterscheiden, um noch einmal dieses Wort zu gebrauchen, den heimlichen Star von "Amoris Laetitia".

Zentral ist vielleicht der Teil, in dem es um die Liebe geht, ausgehend von der Schrift und in dann in allen Dimensionen betrachtet. Hier ist nicht nur die Grundlage von Ehe und Familie behandelt, sondern auch die Methode dargelegt. Und der Papst erweist sich als klug, als ein Menschenkenner und geistlich weise. Damit können sicherlich viele was anfangen. Aber eine kurze Zusammenfassung würde zu viel von der ganzen Weite anschneiden. Man muss ja nicht alles auf einmal lesen.

Radio Vatikan: Was genau will der Papst mit seinem Schreiben erreichen? Nach zwei Synoden und über zwei Jahren der Debatte muss doch etwas heraus kommen?

Hagenkord: Mir sieht das ganz nach einem Anliegen aus, das der Papst schon in "Evangelii Gaudium" formuliert hat und das auch in "Amoris Laetitia" wieder vorkommt: die missionarische Umkehr. Die Pastoral muss erfahrbar machen, was der Glaube von der Familie zu sagen hat (AL 201). Und Pastoral ist nicht nur Anwendung von Grundsätzen, die woanders verhandelt werden, auf eine Realität. Pastoral ist Kommunikation, ist Unterscheidung, ist überhaupt der Ort, an dem Kirche Kirche ist. Nicht in den Büchern und Lehren, sondern im Leben der Menschen. Und genau hierhin will Papst Franziskus mit seinen Gedanken führen.

Vielleicht kann man die Intention des Schreibens verkürzend so zusammen fassen: Das Ziel ist die Integration, die Einbeziehung aller. Der Modus dafür ist die Barmherzigkeit, die nicht nur eine Eigenschaft Gottes ist, sondern auch ein Kriterium um zu erkennen, wer Gottes Kind ist (AL 310). Diese Barmherzigkeit ist bedingungslos, weil alles andere das Evangelium verflüssigen würde (AL 311). Und das Mittel für diese Integration, der pastorale Weg, das ist die Unterscheidung und die Begleitung. Alles andere scheint mir an diesem Grundgerüst aufgehängt.

Die Veröffentlichung des Interview erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Radio Vatikan.

(rv)

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