Neue Umgebung für Flüchtlingsfamilie: Der Petersplatz
Petersplatz in Rom
Vom Papst heilig gesprochen
Vom Papst heilig gesprochen
Papst Franziskus und Abbas haben sich bereits vier Mal getroffen
Papst Franziskus und Mahmoud Abbas (l.)

17.05.2015

Palästinenserfahnen über dem Petersplatz Papst spricht zwei arabische Ordensfrauen heilig

Sie sind die ersten Heiligen aus der Region Palästina seit den frühen Jahrhunderten des Christentums: Am Sonntag sprach der Papst Maria Alfonsina Ghattas und Mariam Baouardy heilig.

Sofia Raheb hat eine wahrhaft biblische Reise hinter sich: Aus ihrer Heimatstadt Bethlehem ist sie an diesem Wochenende nach Rom gekommen. Gewundert hat sie sich oft: "In der katholischen Kirche werden Tausende Heilige verehrt - aber ausgerechnet aus Palästina, der Heimat Jesu, stammen abgesehen von den großen Namen die wenigsten." Für die 42-jährige arabische Katholikin aus der Geburtsstadt Christi und die Mitreisenden ihrer Gemeinde, die sich unter einer palästinensischen Fahne auf dem Petersplatz eingefunden haben, ist dieser Sonntag deshalb ein wichtiger Tag: Papst Franziskus spricht vier Ordensschwestern heilig, zwei von ihnen lebten in der Region Palästina.

Erste Heilige aus dem Gebiet Palästina

Neben der Französin Jeanne Emilie de Villeneuve (1811-1854) und der Italienerin Adelaide Brando (1856-1906) zählen dann auch Maria Alfonsina Ghattas (1843-1927) und Maria Baouardy (1846-1878) zur Schar der Heiligen. Die beiden Ordensfrauen sind die ersten Heiligen aus dem Gebiet Palästina seit den frühen Jahrhunderten des Christentums. Einzige arabischsprachige Heilige war bislang die heilige Rebekka aus dem Libanon, auch sie lebte im 19. Jahrhundert.

Damals bekannte sich noch fast die Hälfte der Bevölkerung in der Region zum Christentum, in manchen Gegenden bildeten sie die Mehrheit. Heute zählen die überwiegend katholischen Christen in Israel und Palästina keine drei Prozent mehr. "Die Christen im Heiligen Land haben es schwerer als ihr in Europa", sagt Raheb. "Nicht nur weil wir eine krasse Minderheit sind. Auch wegen des Nahost-Konflikts." Unter den muslimischen Palästinensern wachse der Einfluss der Salafisten, während die israelischen Behörden mit ihrer strengen Visapolitik den Austausch zwischen den Christen in Gaza, im übrigen Palästina und im jüdischen Staat behinderten. Die neuen Heiligen werden den Zusammenhalt unter den Gemeinden stärken, ist die Frau aus Bethlehem überzeugt.

Ghattas und Baouardy

Ghattas war Gründerin des Ordens der Rosenkranzschwestern, der bis heute in der Region stark engagiert ist, vor allem im Erziehungsbereich. Schulen unterhalten die Schwestern nicht nur in Israel und Palästina, sondern auch im Libanon und Jordanien. Baouardy, auch genannt Maria von Jesus dem Gekreuzigten, war eine Karmelitin und Mystikerin aus Galiläa. Obwohl sie weder lesen noch schreiben konnte - ungewöhnlich für die überwiegend gut gebildeten Christen Palästinas -, habe sie theologische Deutungen von großer Klarheit hervorgebracht, würdigte sie der Papst in seiner Predigt.

"Wir sind keine Fremdkörper, wir sind Palästinenser wie alle anderen", sagt Daoud Younan. Auch er kommt aus Bethlehem. Mit den muslimischen Nachbarn gebe es keine Probleme, Weihnachten und Ostern beglückwünschten sie ihn immer. Klar wollten viele junge Christen in den Westen, doch das habe vor allem wirtschaftliche Gründe. "Für die meisten Muslime steht fest, dass wir ein Volk mit zwei Religionen sind, einer großen neueren und einer kleinen älteren."

Palästinenserpräsident Abbas dabei

Dafür soll auch die Teilnahme von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas an der Heiligsprechung auf dem Petersplatz stehen. Den muslimischen Politiker verbindet eine herzliche Beziehung mit Papst Franziskus. Bei einer Audienz am Samstag nannte dieser ihn einen "Engel des Friedens". Man duzt sich. Auch politisch ist das Verhältnis zwischen Heiligem Stuhl und der Autonomiebehörde derzeit ungetrübt. Der Grundlagenvertrag zwischen beiden ist seit dieser Woche unterschriftsreif. Er sichert nicht nur die Rechtsstellung der katholischen Einrichtungen und ihres Personals, regelt den Status von Kirchen und anderen Gebäuden und betont Religions- und Gewissensfreiheit. Er bekräftigt auch ein politisches Signal. Ausdrücklich spricht der Vertrag von einem "Staat Palästina" und fordert den Frieden mit Israel im Rahmen einer Zwei-Staaten-Lösung.

Schon seit Januar 2013 verwendet der Vatikan diese Bezeichnung, nun erstmals in einem Staatsvertrag. Die Ankündigung des Vertragsabschlusses kurz vor der Heiligsprechung beschrieb Vatikansprecher Federico Lombardi zwar als Zufall. Für die Palästinenser auf dem Petersplatz war es zumindest ein glücklicher.

Christoph Schmidt
(KNA)

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